Lokales

Kultusminister beruhigt die Landräte

Stoch (SPD) sagt Landkreistag 550 weitere Lehrerstellen für berufliche Schulen zu

„Wir hatten manchmal den Eindruck, dass das berufliche Schulwesen nicht ganz den Stellenwert in der Landesregierung hat, den es aus der Sicht der Wirtschaft und der Landkreise haben müsste“, sagte der Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg, Helmut Jahn. Diesen Eindruck hat Kultusminister Andreas Stoch (SPD) vor dem Bildungskongress des Landkreistags in Leinfelden korrigieren können.

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Hans-Joachim Hirrlinger

Kreis Esslingen. Das bestätigt der Esslinger Landrat Heinz Eininger als Vorsitzender des Kulturausschusses der Landkreise: „Wir durften den Eindruck gewinnen, dass wir im Ministerium offene Türen einrennen.“ Stoch habe ein deutliches Bekenntnis zur Leistungsfähigkeit der beruflichen Schulen abgelegt, die von den Landkreisen getragen werden.

Die Landräte überzeugt haben vor allem die neuen Zahlen zur Lehrereinstellung 2013, die Stoch ihnen vorlegte. Danach sollen die beruflichen Schulen um 550 Stellen aufgestockt werden. Wie wichtig den Landkreisen solche Signale sind, sagte Eininger: Der Landkreis Esslingen habe in den vergangenen zehn Jahren 70 Millionen Euro ins berufliche Schulwesen investiert. „Wir wollen, dass sich solche Investitionen auszahlen, wir wollen Planungssicherheit.“ Der Bildungskongress sei einberufen worden, „weil wir Sorge haben, dass das berufliche Schulwesen angesichts der Bildungsdiskussion in den Hintergrund rückt. Diese Sorge ist uns heute etwas genommen worden“. Das gilt nicht nur für die Lehrerversorgung, sondern Stoch bekannte sich auch ausdrücklich zur dualen Ausbildung und zum Ausbau der beruflichen Gymnasien.

Ein weiteres Anliegen der Landkreise, die regionale Schulplanung, macht der Kultusminister ebenfalls zu seiner Sache. Denn viele Berufe können selbst im Ballungsraum um Stuttgart nicht überall angeboten werden. Das sei aber vor allem ein Problem im ländlichen Raum, sagte Stoch, wo es nicht wie im Landkreis Esslingen neun berufliche Schulzentren gibt, sondern nur zwei oder drei. Stoch sieht den Zwang zur regionalen Bündelung bei manchen Berufen. Der Landkreis Esslingen geht diesen Weg bereits, wie Eininger versichert, und kooperiert mit Reutlingen, Göppingen und Stuttgart. Beispielsweise gibt es in Bad Überkingen die Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe. Berufliche Kom­petenzzen­t­ren dieser Art strebt auch Stoch an, wie er sagte: „Das wird kein Prozess sein, den wir vor uns her schieben.“

„An der beruflichen Bildung entscheiden sich Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit unserer Unternehmen“, sagte Eininger. Sie sei ein wesentliches Element der Standortpolitik und bedürfe deshalb bei der regionalen Schulentwicklungsplanung besonderer Aufmerksamkeit. „Was sich über Jahrzehnte hinweg erfolgreich entwickelt und bewährt hat, darf nicht ohne Not geschwächt werden. Für eine erfolgreiche Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts müssen Landesregierung, Wirtschaft und die beruflichen Schulträger an einem Strang ziehen. Wir sind zur konstruktiven Mitarbeit bereit.“

Dass die Wirtschaft mitzieht, versicherte der Präsident des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertags, Peter Kulitz. Die Betriebe wollten weitaus mehr Praktika anbieten, denn ein Praktikum allein reiche für die berufliche Orientierung der jungen Menschen bei Weitem nicht aus. Kulitz bezeichnete dies als Bringschuld der Wirtschaft. Ausbildungsbotschafter müssten zudem in Schulen für die qualifizierte duale Ausbildung werben.