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Kunst bringt Licht ins rußgeschwärzte Dunkel

Die Werbewirksamkeit des Regenwalds ist enorm. Wohl dem, der die Rettung der tropischen Wälder für sich beansprucht und somit positive Imagewerbung betreibt. Es geht nämlich auch anders: Die Tabakindustrie etwa gefährdet den afrikanischen Baumbestand massiv. Das macht ein Projekt des Ludwig-Uhland-Gymnasiums deutlich.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Bis Freitag, 4. November, sind die Kunstobjekte der Kirchheimer Gymnasiasten noch im Weltladen zu sehen, genauer gesagt im Schaufenster im hinteren Teil des Ladens, Richtung Ziegelstraße. Mit teilweise beachtlicher künstlerischer Kompetenz hatten sich Grundkursschüler der Jahrgangsstufe 12 im vergangenen Schuljahr im Kunstunterricht mit einem Erdkunde-Thema auseinandergesetzt. Es ging um Afrika und um die katastrophalen Folgen, die der Tabakanbau dort hinterlässt.

Weil die Produktion von Tabak mehr Profit verspricht als jedes andere landwirtschaftliche Erzeugnis, ist das Geschäft mit dem blauen Dunst für afrikanische Landbesitzer und -arbeiter ausgesprochen verlockend. Unglücklicherweise laugt der Tabak den Boden stark aus, sodass nach wenigen Ernten bereits neue Flächen notwendig werden, während die alten Felder unfruchtbar geworden sind und brach liegen. Folglich wird immer mehr Wald abgeholzt und über kurz oder lang in Wüste verwandelt.

Um die Tabakpflanzen zu trocknen, brauchen die Hersteller indessen noch sehr viel mehr an Feuerholz aus den Wäldern, als den Plantagen ohnehin zum Opfer fällt. Somit verkommen Wald und fruchtbares Ackerland zusehends, während die vernichtende Maschinerie der Tabakkonzerne ihr unheilvolles Werk munter fortsetzt. Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller. Das war es, was die Schüler am Ludwig-Uhland-Gymnasium sinngemäß im Erdkundeunterricht lernten. Im Grundkurs Bildende Kunst war es dann ihre Aufgabe, das Gehörte fächerverbindend in kreativen Arbeiten umzusetzen. Herausgekommen ist dabei beispielsweise der Umriss des afrikanischen Kontinents, der geknechtet in den Seilen hängt und so derzeit im Schaufenster des Weltladens bestaunt werden kann.

Darunter ist ein umgearbeiteter Spielplan des umstrittenen Strategie-Klassikers "Risiko" zu sehen. Afrika steht dabei als "Aschenbecher der Welt" im Mittelpunkt. Die Konzerne aus Europa und Nordamerika, die in ihren Herkunftsländern mit einer großen Zahl von Rauchertoten sowie mit zunehmend drastischeren Anti-Raucher-Kampagnen zu kämpfen haben, suchen sich neue Absatzmärkte und wandern deshalb nach Afrika ab. Auf dem Spielfeld im Weltladen-Schaufenster streichen die Konzerne große Gewinne ein. Wer dafür bezahlt, ist die Bevölkerung vor allem die afrikanische.

Drastische Worte sind in der Schaufenster-Ausstellung ebenfalls zu finden: "Rauchen zerstört Afrikas Natur und Zukunft", heißt es da anklagend. Auch die Statistik hat Erschreckendes zu bieten. "Ein deutscher Durchschnittsraucher vernichtet alle drei Monate einen Tropenbaum." Das soll Kirchheimer Raucher, die am Weltladen vorbeikommen und einen Blick ins Schaufenster werfen, auf die globalen Dimensionen ihres Tuns aufmerksam machen.

Claudia Zeller-Sauter, Kunstlehrerin am Ludwig-Uhland-Gymnasium verweist allerdings noch auf weitere Gesichtspunkte der Arbeiten ihrer Grundkursschüler: "Zur Thematik gehören auch die gesundheitlichen Aspekte des Rauchens." Darauf macht beispielsweise ein handgefertigtes Plakat aufmerksam, das akribisch die Gefahren des Rauchens während der Schwangerschaft auflistet von der schlechten Gehirnentwicklung und dem niedrigen Geburtsgewicht über das Risiko von Früh- und Fehlgeburten bis hin zum plötzlichen Kindstod, zu Stoffwechselstörungen, Diabetes oder auch zu Hyperaktivität und späteren Lernschwierigkeiten.

Dominiert wird das Schaufenster des Weltladens momentan jedoch von einem verfremdeten Gekreuzigten, der dem mittelalterlichen Gerokreuz aus dem Kölner Dom nachempfunden ist. "In diesem Fall wurde eine Art Cowboy ans Kreuz genagelt. Das Kreuz steht auf Zigarettenkippen", beschreibt Claudia Zeller-Sauter diese überaus gelungene Arbeit aus ihrem Grundkurs. Auf einem Kreuz im Hintergrund steht die Warnung von Zigarettenschachteln: "Rauchen kann tödlich sein." Noch weiter hinten findet sich die daraus abgeleitete Lösung des Problems: "Rauchen aufgeben."

Zwei weitere Kunstwerke führen drastisch die gesundheitliche Konsequenz des Rauchens vor Augen: Auf einer rußgeschwärzten Lampe, deren Licht nur noch schwach schimmert, liegen zwei Bilder, die menschliche Lungen zeigen eine gesunde weiße sowie eine tiefschwarze Raucherlunge. Die dazugehörige Frage lautet "Geht Ihnen jetzt ein Licht auf?"

Letzteres müsste fraglos auch bei der kleinen Schippe der Fall sein, die über und über mit Warnhinweisen aus Pappe beklebt ist. Fotos zeigen diese Schippe im Einsatz auf einem Rasengrundstück. Spätestens dadurch erschließt sich die Bedeutung dieses genial einfachen sowie einfach genialen Kunstwerks.