Lokales

Kunstschätze präsentiert

LENNINGEN Sinnenfroh gab sich heuer der Tag des Offenen Denkmals in Oberlenningen, den wetterwendischen Launen zum

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ERIKA HILLEGAART

Trotz. Froh feiert man hier seit 13 Jahren die denkmalgeschützten Bauwerke am Ort und gab so anderen Gemeinden im Tal Impulse, an jedem zweiten Sonntag im September Kunstschätze und historische Gebäude gastfreundlich und fachkundig zu präsentieren. Eine kunsthistorische Erlebnistour könnte künftig noch mehr Besucher anlocken. Vom Owener Flügelaltar bis zur Gruol-Orgel in der Schopflocher barocken Saalkirche gibt es genug bewundernswerte Schätze.

Mit Musik und Tänzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert eröffneten der Musizierkreis und die Renaissance-Tanzgruppe "Dantz und Hupfauf" in der ältesten Kirche im Tal, in Sankt Martin, den Tag. Ursprünglich war der alte mauerumgebene Kirchhof als Ort dafür vorgesehen. Doch eine Niesel- und Nebelkulisse ließ dies nicht zu. Mit dem Motto der Tänzerinnen und Spielleute "In Fried und Freud kommt ihr Gspielen" erwiesen sie dem diesjährigen Schwerpunktthema "Krieg und Frieden" auf heitere Weise Reverenz. Die Entwicklung der Architektur und deren Schutzanforderung lässt sich am umgebenden Mauerwerk beider historischen Baudenkmale ersehen. An der romanischen Kirche auf kleinem Hügel ist die Mauer noch gut erhalten; beim Schillingschen Schlössle zeigen Mauerreste am Osthang und ältere Bilddokumente das einstige Schutzbedürfnis der Bewohner. Das Dorf Oberlenningen blieb in den vergangenen drei Jahrhunderten weitgehend von kriegerischen Zerstörungen verschont ein Grund, dies dankbar zu demonstrieren. Mit ihren prachtvoll historischen Kleidern verwöhnte die Tanzgruppe von Tina Kulhanek die zahlreichen Zuschauer; die Musiziergruppe von Gerlinde Korell sorgte mit Flöten- und Saitenspiel zum rhythmischen Tamburinschlag für würdig gemessene Schritte, für heitre Reigen, ausgelassen lebhafte Tänze und leichte Hüpfer. Kurz vor dem Publikum entfaltete sich getanztes Zeremoniell von europäischen Höfen vergangener Zeiten und dessen vereinfachten Spielformen auf ländlichen Märkten. Ob österlicher Jubel in Sankt Martin getanzt wurde oder vor dem Schillingschen "Sützlin in schöner Umgebung" vor dem 30-jährigen Krieg solche Renaissancemusik ertönte?

Auch auf den Schlosshügel über der Lauter kamen die "Gspielen" und pünktlich zur Mittagszeit waren Wolken und Nebel fortgeweht. Wieder fand sich ein freundliches Publikum ein und bewunderte die Tänze Pavane, Gavotte, Gaillarde, Basse Danse und Branle. Die luden gemessen oder heiter, in geradem oder ungeraden Takt getanzt zu historischen Gaukelfantasien ein. Wie sich die Tänzerinnen verneigten, einander grüßend zunickten, knicksten, drehten und über die Schultern seitwärts lächelten. So mancher auswärtige Gast staunte über das Lenninger Musikschulensemble und die Tanzkunst der Gruppe Dantz und Hupfauf.

Auch die Gemeindebücherei hatte ihre Türen geöffnet. Türen im feinsten großbürgerlichen Stil des 16. Jahrhunderts. Im Museum Papier- und Buchkunst erläuterte der Papier-Aktionskünstler Andreas Kocks seine neueste Installation in einem leeren Raum. Nur der Boden war mit großblumigen weißen Scherenschnitten bedeckt. Die erlaubten erlauchte Blütenträume aus Papier. Es waren Anklänge an die quadratischen Renaissancegärten von einst. Anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Papierfabrik wurde ein weiteres Kunstobjekt mit dem Titel "Fluss" von Günter Ücker in die Sammlung eingefügt, eine Stiftung von Ulrich Scheufelen. Der rührige Förderkreis Schlössle widmete dem so friedlichen Medium Papier einen "kleinen Markt rund ums Papier", hat doch die Papierherstellung im Ort seit anderthalb Jahrhunderten für Lohn und Brot gesorgt. Ein Papierschöpfer ließ die Handarbeit von einst erstehen. Die Kunst des Papier-Marmorierens brachte Farben zum Fließen und ein Buchrestaurator zeigte, wie bibliophile Kostbarkeiten vor dem Zerfall konserviert werden.

Nach fachkundigen Führungen durch die romanische Martinskirche und durch den Renaissance-Fachwerkbau bewirteten der Förderkreis und das CafeLe Unterlenningen die Gäste.