Lokales

Kunterbunt und frisch vom Feld

Kürbisse frisch vom Feld ernten oder einen dicken Strauß bunter Schnittblumen schneiden das geht mittlerweile auch ohne eigenes Stückle: Immer mehr Landwirte setzen auf

BIANCA LÜTZ

Anzeige

das Prinzip Selbstbedienung. Links und rechts an den Straßen etwa, die von Owen und Dettingen sowie Owen und Beuren verbinden, prangen Schilder mit Aufschriften wie "Kürbisse selbst ernten" oder "Blumen zum selber Schneiden".

"Eine super Idee ich finde das einfach praktisch", lobt Bettina Rebmann aus Owen. Sie ist zusammen mit Freund und Tochter zum Selbstbedienungs-Feld gefahren, um für eine Dekoidee Kürbisse zu ernten. "Hier ist es viel billiger als im Laden", freut sie sich. Auf einem anderen Feld in der Nähe ist Manda Lamparter auf der Suche nach einem kleinen Kürbis für ein Ofen-Gericht. Kritisch prüft sie die gelb-orangenen Früchte mit Augen und Händen. Wer selbst erntet, sollte sich schon ein wenig auskennen. Auf den Feldern sind nämlich zahlreiche unterschiedliche Vertreter der Kürbisfamilie zu finden: Hokkaido, Butternut und Gelbe Zentner wachsen dort ebenso wie verschiedene Zierkürbissorten, die nicht zum Verzehr geeignet sind.

Ein kleiner Speisekürbis hat es Manda Lamparter besonders angetan. Sie zückt ein Messer und kappt den Stängel. Jetzt geht es ans Messen, denn wie viel die Frucht kostet, hängt von deren Größe ab. Die Dettingerin hält den Kürbis an die Zentimeter-Skala, die auf das Schild mit der Preisinformation und dem Hinweis "Bitte ehrlich bezahlen" gemalt ist: Die Frucht ist größer als sieben und kleiner als 25 Zentimeter. Das heißt, 2,50 Euro sind fällig. Wer selbst erntet, sollte also auf jeden Fall an eines denken: an genügend Kleingeld. Manda Lamparter hat sich vorbereitet und ihre Geldbörse mit Münzen gefüllt: So wandert der Betrag auf den Cent genau in die Kasse.

"Natürlich zahle ich", betont die Dettingerin und fügt entrüstet hinzu: "Man kann doch nichts essen, was man nicht bezahlt hat." Auch Bettina Rebmann, die schon einen ganzen Korb voller Zierkürbisse gesammelt hat, hält nichts von Unehrlichkeit: "Wir zahlen immer", versichert sie.

Dass ein Großteil der Menschen, die sich auf ihren Feldern selbst bedienen, ehrlich sind, bestätigen auch die Landwirte. Dennoch gibt es eine beträchtliche Zahl von schwarzen Schafen, die viel zu niedrige Beträge in die Kassen werfen, sich gar kostenlos bedienen oder alte Mark-Stücke entsorgen. "Leider wurden bei uns im vergangenen Jahr verstärkt Blumen mitgenommen, ohne dass die Leute gezahlt haben", klagt Hilde Munk, die zwischen Owen und Beuren einige Blumenfelder besitzt. "Wir machen jetzt öfters Kontrollen und Stichproben." Zu diesem Zweck hat sie unter anderem ein kleines Holzhäuschen am Feld aufgestellt, das hin und wieder besetzt ist.

Für Ärger bei den Bauern sorgt zudem, dass die Kassen immer wieder aufgebrochen werden. Hilde Munk hat in diesem Punkt Vorsorge getroffen: "Wir leeren die Kasse jeden Abend", sagt sie. Immer wieder macht die Owener Landwirtin aber auch positive Entdeckungen im Geldbehältnis: "Manche Leute werfen kleine Briefe ein, in denen sie sich bedanken oder über die Blumen freuen", berichtet sie mit leuchtenden Augen. Über solches Lob freut sich Hilde Munk besonders, denn die Blumenfelder sind wie ein Hobby für sie: "Ich mache das sehr gerne." Dieses Jahr wird ihre Freude allerdings getrübt: "Wegen des vielen Regens ist die Ernte schlecht ausgefallen."

Dennoch gedeiht unter ihrer liebevollen Pflege ein ganzes Kaleidoskop von Blumen: Löwenmäulchen und Zinnien, Dahlien, Gladiolen und Sonnenblumen, zur Osterzeit auch Tulpen. Hinter solch einer Blütenpracht steckt eine Menge Arbeit: "Die Pflanzen setze ich von Hand", erzählt die Landwirtin immer wieder eine neue Fuhre, sodass die Blumen den ganzen Sommer durch blühen. Manche Pflanzen zieht sie selber groß, andere Sorten sät sie ein. Bei Trockenheit gießt die Landwirtin die Blumen von Hand, wenn es nass ist, verteilt sie Stroh zwischen den Pflanzreihen "damit die Frauen keine schmutzigen Schuhe bekommen", meint sie augenzwinkernd.

Das Prinzip Selbstbedienung haben sich einige Landwirte auch auf eine andere Art zu Nutze gemacht, so etwa auch Fritz Veith aus Owen: Er bietet seit zwei Jahren auf einem Tisch vor seinem Haus Obst und Gemüse an, das bei ihm im Garten oder auf dem Acker gedeiht: Je nach Jahreszeit können sich Vorbeifahrende mit Kartoffeln und Zwiebeln, Karotten und Tomaten, Äpfeln und Kirschen eindecken. "Selbstbedienung. Bitte Betrag in Briefkasten einwerfen" steht auf einem Schild über der Kartoffelkiste. Ein Blick in den Briefkasten verrät: Die Kunden zahlen tatsächlich was Fritz Veith nur bestätigen kann: "Wir sind angenehm überrascht", sagt er. Ab und zu fehlten zwar kleinere Beträge, alles in allem ist er aber mit der Ehrlichkeit der Leute zufrieden.

Während immer mehr Landwirte unter der Teck Blumen- und Kürbisfelder anlegen, hat Martin Kaess aus Albershausen eine andere Richtung eingeschlagen: Der Blumengärtner bietet Gemüse und Kräuter zum selbst Ernten an für den gelernten Gemüsebauer "ein Hobby nebenher". Wer möchte, kann bei ihm Bohnen, Zwiebeln oder Lauch ebenso frisch vom Feld holen wie Thymian, Petersilie und Blattsalate, die im Zwei-Wochen-Rhythmus gesetzt werden. "Der Acker wäre eigentlich wunderbar", sagt Martin Kaess. Seine Freude wird jedoch durch die mangelnde Zahlungsmoral der Kunden getrübt: In letzter Zeit haben sich so viele Menschen bedient, ohne genügend zu bezahlen, dass der Gärtner nun über zwei Alternativlösungen nachdenkt: Die Selbsternte-Kunden zur Kontrolle durch seine Gärtnerei zu lotsen oder ganz aufzuhören.