Lokales

Kunterb====u====nter M====aientag

Unterzeile

Einen „kunterbunten“ Maientag feierten die Owener gestern an und in der Teckhalle. Zur hörbaren Enttäuschung der Kinder hatte Bürgermeisterin Verena Grötzinger am Morgen vom Rathausbalkon

Andreas Volz

herab verkündet, dass angesichts der Wetterlage die Entscheidung gegen den Maienwasen gefallen sei. Trotzdem werde Owen an der Tradition festhalten, den Maientag nach Möglichkeit auf dem Maienwasen zu feiern. Unabhängig davon gelte aber: „Wir wollen die Feste nicht nur feiern, wie sie fallen, sondern auch dort feiern, wohin sie fallen.“

Und so folgte gestern wieder alles der althergebrachten Ordnung: Nach dem Bändertanz vor der Schule, dem gemeinsamen Singen der Maientagshymne „Geh’ aus, mein Herz, und suche Freud’“ und der Ansprache vor dem Rathaus zogen die großen und die kleinen Owener – angeführt von der Stadtkapelle – in die Kirche zum ökumenischen Gottesdienst. Eine ähnliche Prozession führte am Nachmittag vom Amtsplatz zur Teckhalle, weil das größte Fest im Owener Jahresablauf eben dorthin „gefallen“ war.

Zum Thema „Kunterbuntes“ stellten die Owener Grundschüler in der Teckhalle ebenso bunte wie besinnliche Bilderbuchgeschichten vor. Die Geschichten handelten von den Schwierigkeiten in einer Gemeinschaft, wenn jemand farblich nicht dazugehört – sei es nun in der Tierwelt oder in der Menschenwelt.

Den Anfang machte der bunt karierte Elefant, der einfach ein ganz normaler Elefant sein möchte. Niemand soll ihn mehr sofort an seinen bunten Farben erkennen. Als er sich davonschleicht und über und über mit Schlamm bedeckt, gelingt es ihm tatsächlich, unerkannt zu seiner Herde zurückzukehren. Die anderen verpassen ihm aber sofort eine Elefantendusche, und daraufhin ist er so bunt wie eh und je. Er und die anderen erkennen, dass es sich dabei um eine Besonderheit handelt, und dass dieser eine Elefant eben so bunt sein muss wie ein Paradiesvogel.

In der nächsten Geschichte war am Anfang alles blau, bevor sich der Farbenkönig von außerhalb einmischte: Er schickte den blauen Menschen farbige Zauberkugeln. Der erste, der die Kugel sah, wünschte sich, deren Farbe annehmen zu können. Aber als „Roter“ oder „Gelber“ unter lauter „Blauen“ werden die Verwandelten nicht mehr akzeptiert. Alle müssen lernen, einander wieder lieb zu haben, und dann können durch die Vermischung auch ganz neue Farben entstehen, wodurch die Welt viel bunter wird.

In der dritten Geschichte ging es den umgekehrten Weg: Die Raben waren zwar kunterbunt, gruppierten sich aber nach Farben. Wie die Anhänger unterschiedlicher Fußballclubs bekriegten die Raben die jeweils anderen Farben. Die Lösung kam von oben: Ein schwarzer Regen überzog die Welt, traf aber weder Schwein noch Kater oder Frosch, sondern nur die Raben. Sie wurden rabenschwarz und wussten hinterher nicht mehr, wen sie wegen der falschen Farbe bekriegen sollten. Ein Maulwurf zeigte ihnen schließlich auf, dass sie trotz der schwarzen Federn innerlich dieselben frechen und lustigen Raben sind.

Die letzte Geschichte erinnerte an „Romeo und Julia“: Das kleine „Gelb“ und das kleine „Blau“ finden zusammen, und beide werden grün. Von ihren Eltern werden sie daraufhin nicht mehr erkannt und auch nicht mehr angenommen. Sie müssen sich also wieder zurückverwandeln. In der Schule gibt es danach heftigen Streit, der sich nur durch eine weiße Fee lösen lässt: „Ihr müsst euch gegenseitig Platz lassen, sonst ist keine Farbe zu sehen.“

Am heutigen Mittwoch herrscht in der Owener Schule aber eine Farbe vor: blau. Zumindest können die Grundschüler in der ersten Stunde blau machen. Schulbeginn ist erst um 8.30 Uhr.

Fotos: Jean-Luc Jacques

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