Lokales

Kurioses auf und unter der Motorhaube



ANKE KIRSAMMER

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BEUREN Schon auf den Landstraßen rund ums Museumsdorf zogen die Oldtimer die Blicke von Ausflüglern auf sich. Unüberhörbar knatterten Bulldogs, Motorräder, Unimogs und Autos in die Beurener Herbstwiesen, eine lange Schlange an modernen Blechkarossen hinter sich herziehend. Der Pendelbus, der die Besucher im Tiefenbachtal am Depot abholte, leistete angesichts des Andrangs von fast 6 000 Gästen gute Dienste.


Aufpoliert buhlten rund 200 Motorräder vor dem Häslacher Rathaus um das Publikumsinteresse. Mit-Organisator Bernd Hummel hatte kaum Zeit zum Verschnaufen, während er die Zweirad-Nostalgiker in Empfang nahm. "Die Leute kommen aus der ganzen Region bis zum Bodensee. Einer ist sogar aus Köln angereist." Mit leuchtenden Augen wies der Oldtimer-Fan, selbst Besitzer von 14 Motto Guzzis, auf eine Dreisitzer Böhmerland, Baujahr 1930. "Davon gibt es keine Handvoll", sagt Hummel. Die Maschine sei in der Tschechoslowakei hergestellt worden. NSU, BMW, Harley Davidson, Motorräder mit und ohne Seitenwagen keines der in Reih' und Glied stehenden chromblitzenden Oldtimer ist nach 1969 gebaut worden so lautete die Vorgabe für das achte Veteranentreffen in Beuren.


Tröpfelten die Fahrzeuge am Samstag auf Grund des Schmuddelwetters eher spärlich ins Museumsdorf, so mussten die Besucher, die am gestrigen Sonntag teilweise den Schirm aufgespannt hatten, um sich vor der brennenden Sonne zu schützen, regelrechten Kolonnen aus dröhnenden und mit mächtigen Auspuffschlägen tuckernden Fahrzeugen Platz machen.


Bei der Schau ging es nicht allein um Nostalgie. Gezeigt bekamen die Sonntagsausflügler auch, unter welch harten Bedingungen noch vor wenigen Jahrzehnten gearbeitet wurde. Auf dem Museumsacker, auf dem die alte Getreidesorte Emmer angebaut wird, kam der 50 Jahre alte Mähbinder zum Einsatz, und vor dem jüngsten Kind des Freilichtmuseums, dem Ausgedinghaus aus Aichelau, wurde die Funktion einer Steinquetschmaschine vorgeführt, mit deren Hilfe Feldsteine der Alb zu Schotter für Fundamente und den Straßenbau zerkleinert werden konnten. Wie schweißtreibend alleine das In-Gang-Setzen betagter Maschinen sein kann, demonstrierten die Freunde Historischer Technik Notzingen-Wellingen. Sie hatten alle Hände voll zu tun, um eine per Riemen angetriebene Dreschmaschine aus der Nachkriegszeit "zum Leben zu erwecken".


Als müssten sie sich von den Strapazen der Ernte ausruhen, hielt eine Gruppe Schlepperfahrer Siesta unter Schatten spendenden Apfelbäumen. Dass die Besitzer der Farmer, Hanomags, MAN, Schlüter und wie die Bulldogs alle hießen, nicht zwangsläufig viel mit der Landwirtschaft am Hut haben, bewies unter anderem Jörg Mannsperger. "Einmal im Jahr mähe ich mit meinem Bulldog eine Wiese." Das Wiesle wiederum ist Voraussetzung für ein grünes Nummernschild, verriet der Unterensinger. Augenzwinkernd schob er hinterher: "Einen Porsche braucht man halt."


Kuriositäten fanden sich unter den Veteranen im Museumsdorf zuhauf: Der schwarze Lanz Glühkopf-Bulldog aus dem Jahr 1939 der Schlepperfreunde Ötlingen beispielsweise: Um das imposante Gefährt mit 10,338 Liter Hubraum zu starten, muss mit dem abmontierten Lenkrad ein Schwungrad so lange geschaukelt werden, bis der Motor endlich mit lautem Tuckern und dem Ausstoß einer dunklen Rußwolke sein Anlaufen signalisiert. Oder der hellblaue VW-Käfer, der eine Imbert-Holzvergaseranlage aufgeladen hat. "Mit den zwölf Kilo Holz kann man rund 40 Kilometer weit fahren", sagte der Besitzer der Rarität Walter Lieb aus Dettingen/Erms und wies auf den kniehohen Sack voller Holzstücke hinter dem Fahrzeug. Der Tüftler, Jahrgang 1936, ist überzeugt: "Während und nach dem Krieg wirkte die Erfindung lebensrettend. Wie sonst hätte man angesichts des knappen Sprits Lebensmittel zu den Leuten bringen sollen?"


Nicht selten stellten die Besucher jedoch fest, dass die Autos sie standen in diesem Jahr im Mittelpunkt des Treffens älter sind als sie selbst. Makellos präsentierten sich die Mercedes-Benz, Fiat, Jaguar, BMW, Saab und Ford, die von ihren Besitzern meist gehütet werden wie der eigene Augapfel. "Auto ist allergisch gegen Anfassen", stand da auf einem Opel Kapitän S1 und der Besitzer eines Chevrolets von 1929 wich dem typischen Mafi-Auto der 30er-Jahre, das unter anderem in dem Bruce-Willis-Film "Last Man Standing" zu Ehren kam, nicht von der Seite. Angesichts der großen Sommerhitze musste der Oldtimer mit Original Wachstuchdach gar mit einem Teppich zugedeckt werden.


Egal ob Heckflosse am Cadillac, ein aus Leder geflochtener Griff in einem 70 Jahre alten BMW oder das Thermometer auf der Kühlerhaube eines DKW-IFA F8 Luxus-Cabriolets liebevoll würdigten die Besucher jedes Detail, und so mancher nutzte die Kulisse der herausgeputzen Wagen, um ein Bild fürs Familienalbum zu schießen.


Für den Teckboten war Jean-Luc Jacques mit der Kamera beim Oldtimertreffen im Beurener Museumsdorf unterwegs.