Lokales

Kurze Wege für angehende Speditionskaufleute

Angehende Kaufleute für Speditions- und Logistikdienstleistung aus dem Kreis Esslingen können künftig voraussichtlich die Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule besuchen. Einen entsprechenden Beschluss hat der Kultur- und Schulausschuss des Landkreises gestern einstimmig gefasst.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN "Der Landkreis ist in diesem Sektor der Ausbildungsstandort Nummer eins in der Region", sagte Landrat Heinz Eininger. Nach Informationen der IHK bilden im Kreis derzeit 42 Betriebe 88 Jugendliche in der Grundstufe aus. Besonders viele Speditionen gibt es im Filderbereich am Flughafen sowie im Raum Kirchheim. Laut Verwaltung haben im Vorfeld neun Firmen in unmittelbarer Nähe der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule bekundet, dass sie eine ortsnahe Schule für ihren Berufszweig begrüßen würden. Von diesen Firmen sind allein 31 Auszubildende pro Jahrgang zu erwarten. Entsprechend positiv war die Resonanz bei Speditionen in Kirchheim und Umgebung nach dem gestrigen Votum. Bisher muss die Mehrheit der Lehrlinge ein bis zweimal pro Woche für den theoretischen Unterricht in die Berufsschule nach Reutlingen fahren. Die Kirchheimer Spedition Mosolf beispielsweise hat momentan insgesamt 13 Azubis. "Die meisten kommen aus dem direkten Umkreis", sagte die Leiterin der kaufmännischen Ausbildung, Silke Berger, auf Anfrage. "Eine ortsnahe Schule ist für sie in jedem Fall von Vorteil." Auch Birgit Diez, in der gleichnamigen Dettinger Spedition zuständig für die Lehrlingsausbildung, begrüßt den Beschluss. Azubis beispielsweise aus dem Lenninger Tal seien nach Reutlingen meist eine Stunde unterwegs.

Eininger wertete das Vorhaben in der Sitzung als "Ausdruck des guten Zusammenwirkens von Landkreis, Schulen sowie der Industrie- und Handelskammer als dualer Partner. IHK und das Regierungspräsidium, Abteilung Schule und Bildung, unterstützen das Bemühen der Schöllkopf-Schule, Unterricht für die Speditionskaufleute anzubieten. Die IHK-Bezirkskammer Esslingen sieht in der Bildung eines Schulstandorts im Kreis den Vorteil, dass sie selbst für die Ausbildung zuständig wird und sich damit besser um Lehrstellen bemühen kann.

Mit dem gestrigen Beschluss beauftragte der Kultur- und Schulausschuss die Verwaltung auch, beim Regierungspräsidium einen entsprechenden Antrag auf Einrichtung der Schule zu stellen. In diesem Zuge wird es im Herbst darum gehen, den genauen Schulbezirk abzugrenzen. Dazu ist eine Einladung aller Speditionsfirmen aus dem Kreis an die Kirchheimer Schule geplant. Starten könnte der Berufsschulzweig im Herbst 2006.

Wie Norbert Häuser, Leiter der Schöllkopf-Schule darlegte, sei mit maximal sechs zusätzlichen Klassen zu rechnen, ein Um- oder Anbau ist dafür nicht nötig. Angesichts zurückgehender Schülerzahlen geht Häuser davon aus, dass der Vollzeitbereich in der Schule ebenfalls abnehmen wird. Um einen vorübergehenden Engpass auszugleichen, denkt er daran, den Nachmittagsunterricht im Berufsschulbereich etwas auszuweiten.

Ausschussmitglied Wolfgang Vogt (CDU) regte indes eine weitere Kooperation mit Stuttgart an, "weil die Wege aus dem Filderbereich Richtung Kirchheim nicht optimal sind." Schüler aus dem Filderraum besuchen derzeit bereits die Berufsschule in der Landeshauptstadt. FDP-Mann Wolfgang Haug gab zu bedenken, dass der Landkreis mit der neuen Messe und dem Filderbahnhof künftig das größte Dienstleistungszentrum des Landes auf seiner Markung habe. Damit nahm der ehemalige Vorkämpfer für eine Filderschule Bezug auf die vor drei Jahren geführte Diskussion um künftige Schulstandorte im Kreis.

Peter Alderaths (CDU) Bedenken, Schüler aus Bonlanden seien anderthalb Stunden in die Teckstadt unterwegs, teilte Eininger nicht. "Wir sollten nicht so tun, als kämen die Berufsschüler heute alle mit Bus oder Bahn."