Lokales

Lärm geht ans Geld

So viel steht fest: Niemand freut sich darüber, etwas bezahlen zu müssen, was er gar nicht verlangt

ANDREAS VOLZ

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hat. Deshalb ist der Unmut der Anwohner am Wiesenweg mehr als verständlich. Mehrere Tausend Euro für eine nicht gewollte Lärmschutzwand auszugeben, das ist beileibe kein Pappenstiel. Hinzu kommt ein hoch komplizierter Verteilungsschlüssel, nach dem selbst für direkte Nachbarn völlig unterschiedliche Beitragshöhen anfallen können. Mag das System auch noch so ausgeklügelt sein, die Betroffenen werden es wohl nur mit Willkür in Verbindung bringen.

Kirchheim hat, wie jede andere Kommune, natürlich auch die Verpflichtung, sparsam mit den Mitteln umzugehen und Einnahmequellen auszuschöpfen, wo immer sie sich anbieten. Aber für die jeweiligen Häuslesbesitzer kann es kein Trost sein, mit sauer verdientem Geld die Stadtkasse zu entlasten. Zusätzlich zu unvorhergesehenen Reparaturen auch noch für unvorhergesehene Lärmschutzmaßnahmen zahlen zu müssen, kann den Privathaushalt schnell an die Belastungsgrenze bringen. Gegen Sturm-, Hochwasser- oder Feuerschäden gibt es Versicherungen, nicht aber gegen finanzielle Schäden durch Erschließungsbeiträge, die erst Jahre oder Jahrzehnte nach dem Grundstückskauf anfallen.

Vielleicht gibt es aber in Zukunft gar keine Lärmschutzmaßnahme mehr in Kirchheim: Wenn künftige Anwohner etwa im Nägelestal und auf dem Milcherberg frühzeitig über die fälligen Kosten informiert werden, bleibt ihnen genügend Zeit für Lobby-Arbeit: Sie müssen die ihnen bekannten Stadträte entsprechend bearbeiten, bis diese eine geplante Anlage mehrheitlich ablehnen. Gespart haben dann alle. Aber auf Kosten der Gesundheit denn dass Lärm krank macht, auch so viel steht fest.