Lokales

Lärmschutz auf eigene Rechnung

Statt Seitenablagerungen soll es nördlich der Autobahn eine Wand mit Photovoltaikanlagen geben

Die Stadt Kirchheim will sich selbst um den Lärmschutz entlang der Autobahn kümmern. Da der ursprünglich angedachte Wall mit Aushubmaterial aus dem ICE-Tunnel nicht gebaut wird, überlegen sich Rat und Verwaltung der Stadt nun, auf eigene Kosten dem Autobahnlärm Paroli zu bieten.

Industriegebiet Kruichling -  - A8 - Autobahn
Industriegebiet Kruichling - - A8 - Autobahn

Kirchheim. Bereits bei der jüngsten Informationsveranstaltung zur ICE-Trassenführung war der Lärmschutz an der Autobahn thematisiert worden (wir berichteten). Nun hat der Gemeinderat beschlossen, eine Machbarkeitsuntersuchung in Auftrag zu geben. 10 000 Euro sind dafür im Nachtragshaushalt für 2012 bereitzustellen. Eine gesetzliche Verpflichtung zum Lärmschutz entlang der Autobahn gibt es nicht, betonte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker im Ratsrund. Weder durch den Kraftfahrzeugverkehr noch durch den späteren Schienenverkehr gebe es Berechnungen zufolge so viel Lärm, dass baulich dagegen vorgegangen werden müsse.

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Trotzdem gebe es den Lärm, und deshalb sollen die Anwohner davor geschützt werden. Ideal wäre es gewesen, wenn die Stadt ohne eigene finanzielle Belastungen zu ihrem Lärmschutz nördlich der Autobahn gekommen wäre: durch die Seitenablagerungen, die die Bahn in unmittelbarer Nähe des Tunnelaushubs geplant hatte. Da diese Seitenablagerungen aber eine große Grundfläche in Anspruch genommen hätten, wäre wertvoller landwirtschaftlicher Boden verloren gegangen. Deshalb steht diese einfache Lösung für den Kirchheimer Kampf gegen Lärm bekanntermaßen nicht mehr zur Debatte.

Gedacht ist nunmehr an eine mögliche Kombination von Wall und Wand. Der Wall wäre niedriger als bei den Seitenablagerungen und deshalb auch nicht so breit. Für die restliche Höhe des Lärmschutzes würde die Wand sorgen, die auf dem Wall zu errichten wäre. Es könnte aber auch eine reine Lärmschutzwand geben –ohne Wall. Auf jeden Fall aber soll die geplante Wand mit einer Photovol­taik­anlage versehen werden, sodass sich der Lärmschutz mit der Erzeugung erneuerbarer Energie nicht nur verbinden, sondern zu einem erheblichen Teil auch finanzieren ließe.

Der Ötlinger Ortschaftsrat habe gegen diesen Lärmschutz nichts einzuwenden, teilte Ortsvorsteher Hermann Kik mit. Sein Lindorfer Ortsvorsteherkollege Stefan Würtele bat darum, zu überprüfen, ob sich auch die bestehende Lärmschutzwand bei Lindorf mit Photovoltaikanlagen nachrüsten lasse. Jesingens Ortsvorsteher Michael Möslang wiederum wollte auch für die Jesinger Gemarkung die Lärmschutzmöglichkeiten überprüfen lassen.

Hans Gregor (SPD) regte an, die Bürgerschaft frühzeitig einzubinden. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Kapp ging auf den Begriff „Freiwilligkeitsleistung der Stadt“ ein, den die Oberbürgermeisterin verwendet hatte, und betonte aus Sicht der Anwohner: „Wer vom Lärm betroffen ist, sieht die Freiwilligkeitsleistung als notwendig an.“ Eva Frohnmeyer-Carey (Frauenliste) sagte, dass es eigentlich darum gehen müsse, den Lärm von vornherein zu verhindern. Da das bei der Autobahn aber ausgeschlossen sei, sprach sie sich für eine Lärmschutzwand aus. Allerdings sei zuvor eine konkrete Kostenaufstellung nötig.

Grünen-Stadtrat Andreas Schwarz freute sich über die Verbindung von Lärmschutz und alternativer Energieerzeugung. Er verwies auf vorhandene Anlagen an der A 81 bei Sulz, die für die Betreiber lukrativ seien. Für den Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, Hagen Zweifel, ist gerade die Wirtschaftlichkeit von entscheiden­der Bedeutung. Für ihn ist das aber noch eine „Rechnung mit mehreren Unbekannten“. Eine weitere Unbekannte brachte Bernhard Most, der Vorsitzende der FDP/KiBü-Fraktion, ins Spiel: „Vielleicht wird es für diejenigen schlechter, die weiter weg wohnen. Sie könnten durch den Abprall von Schall einen Nachteil haben.“

Einstimmig hat sich der Gemeinderat zunächst für die Untersuchung ausgeschlossen. Bevor eine Wand gebaut wird, bleibt aber noch lange genug Zeit, um sich mit den „Unbekannten“ vertrauter zu machen.