Lokales

"Lästige Staubwolken" sorgen für Ärger

Die Wernauer Ortsgruppe des Naturschutzbunds (NABU) protestiert seit langem gegen die Teststrecke im Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen. Ein besonderer Dorn im Auge sind den Naturschützern die "Staubtests".

WERNAU Zuerst dachten die Naturschützer des Wernauer NABU, das ist nur eine Ausnahme und dann ist wieder Ruhe. "Aber inzwischen fahren die Testfahrzeuge der Untertürkheimer Autofirma fast tagtäglich und wirbeln große Wolken von feinem Staub auf den Teststraßen auf", sagt Johann Waskala, Zweiter Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe. Der Staub legt sich auf die ganze Umgebung nieder bis zum Wernauer Freibad. "Die ganze Vegetation in dem Gebiet leidet inzwischen unter dem Sandstaub", so der Naturschützer. Er legt sich auf das Gras und auf die Blätter der Büsche und Bäume. Selbst Anwohner eines 250 Meter entfernten Wernauer Wohngebietes würden über den bei Westwind herangewehten Staub klagen, dann müsse die Wäsche abgenommen und die Fenster geschlossen werden.

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"Früher", so ein ehemaliger Testfahrer, der nun als Besucher des Naturschutzgebietes gerne zur Naturbeobachtung hierher kommt, "fuhr man solche Staubtests nur in Wüstengebieten". Heute sei das zu teuer geworden und man greife auf die Teststrecke Wernau zurück, die wegen ihrer Lage im Naturschutzgebiet Wernauer Baggersee den Naturschützern immer wieder Ärger bereitet. "Immer wieder werden Tiere auf den Teststrecken überfahren", sagt Johann Waskala vom NABU Wernau. Nun kommen noch die störenden Staubfahrten hinzu. Dabei fahren bis zu acht Fahrzeuge dicht hintereinander her, um möglichst dicht im aufgewirbelten Staub zu bleiben. Die Staubentwicklung sei so groß, dass die Fahrzeuge mit Licht fahren müssten. Der Sinn der Tests sei, das Eindringen in den Fahrerraum zu prüfen, so der ehemalige Testfahrer. "Was für die Autotester einen Sinn macht, ist aber für den Naturschutz großer Unsinn", sagt Johann Waskala. Die Graureiherkolonie, die sich inmitten der Staubwolke befindet, werde dadurch bedroht. "Die Jungreiher mussten über die ganze Aufzuchtsperiode den Staub bei der großen Hitze Anfang Juli in sich hinein hecheln, da sie ja noch nicht flugfähig waren und nicht wegfliegen konnten", beschreibt der Zweite Vorsitzende die Situation.

Schon einmal, vor einigen Jahren, so der Naturschützer, wurden der Firma Daimler Staubtests in der extra dafür gebauten 120 Meter langen Staubhalle wegen der großen Staubentwicklung und dem nahe liegenden Freibad und des Hotels untersagt. "Wir fragen uns deshalb, wieso man die Staubfahrten wieder aufnimmt. Jede Großstadt unternimmt große Anstrengungen gegen den Feinstaub, aber hier wird weggeschaut", wundert sich Johann Waskala. Der NABU Wernau fordert deshalb die sofortige Einstellung dieser Tests, um das Naturschutzgebiet mit seiner seltenen Tier- und Pflanzenwelt, das Freibad und das nahe liegende Wohngebiet vor dieser staubigen Beeinträchtigung zu schützen.

pm