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Laichinger Werk wird geschlossen

Mit einem Maßnahmenpaket zur Kostensenkung reagiert die Unternehmensleitung des Elektrowerkzeuge-Herstellers Metabo auf die nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden Dr. Johannes Haupt im abgelaufenen Jahr "deutlich verschlechterte Ertragslage" und die "generell erheblich verschärfte Marktsituation". Betroffen davon ist vor allem das Werk in Laichingen, das mittelfristig nach Nürtingen verlegt werden soll.

HENRIK SAUER

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NÜRTINGEN Für 2004 meldet Metabo ein um zirka vier Prozent reduziertes Umsatzvolumen auf etwa 365 Millionen Euro. Wesentliche Ursachen lägen im weiterhin desolaten deutschen Markt mit einem erneut deutlichen Rückgang der Gesamtstückzahlen im Jahr 2004 sowie in der anhaltenden Dollarschwäche, die zu einem weiteren Preisverfall bei Elektrowerkzeugen geführt habe. Haupt: "Unsere relevanten Wettbewerber produzieren einen Großteil ihrer Produkte im Dollarraum und geben ihre Kostenvorteile aggressiv weiter, um Marktanteile zu gewinnen."

Der "rasante Preisanstieg" bei allen wichtigen Rohstoffen wie Stahl, Kupfer, Aluminium, Kunststoff und Energie sowie die "unerwartet negative Entwicklung" von Umsatz und Ertrag beim Tochterunternehmen Elektra Beckum hätten darüber hinaus zu dem schlechten Gruppenergebnis beigetragen.

Mit mehreren Maßnahmen sollen nun an den drei deutschen Standorten in Nürtingen, Laichingen und Meppen Kosten gesenkt und "Effizienzpotenziale ausgeschöpft" werden. Rasches Handeln sei erforderlich, so Haupt. Er erwartet allein für 2005 Einsparungen von gut drei Millionen Euro.

Ein Schwerpunkt der Maßnahmen ist die Verlagerung des Produktionswerks Laichingen nach Nürtingen. Den dortigen rund 90 Mitarbeitern soll zwar eine Weiterbeschäftigung in Nürtingen angeboten werden, nichtsdestotrotz bedeutet dies für die Betroffenen eine große Belastung, wie auch Haupt einräumt. Gespräche mit dem Betriebsrat seien im Gange. Einen dezidierten Terminplan gebe es nicht. Eine Verlagerung vor 2008 werde aber angestrebt. Bis 2008 gilt allerdings eine Standort- und Beschäftigungssicherungs-Vereinbarung, die vor zwei Jahren für die Werke in Nürtingen und Laichingen abgeschlossen worden war.

Mit der Verlagerung soll nicht zuletzt auch die Auslastung des Fertigungsstandorts Nürtingen gesichert werden. Diese sei rückläufig zum einen durch die unter Kostenaspekten erforderliche Aufgabe der Schleifscheiben- und Bohrfutterfertigung in 2005/06, zum anderen durch das Auslaufen eines großen Produktauftrags für einen amerikanischen Kunden.

Insgesamt werde der Stammsitz Nürtingen "durch die Bündelung von Kräften nachhaltig gestärkt", sagt Haupt und verweist auf die 14 Millionen Euro, die Metabo 2004 und 2005 hier investiere. Auch an der 2004 getroffenen Entscheidung zur Eigenständigkeit des Unternehmens werde "ebenso wenig gerüttelt wie an dem Willen, am Standort Deutschland festzuhalten".

Bei Elektra Beckum in Meppen dagegen sollen bis Ende 2006 voraussichtlich 90 Arbeitsplätze (von derzeit 300) abgebaut werden. Grund seien die gesunkene Auslastung und die Konzentration von Bereichen wie Personal, Entwicklung, Produktmanagement und Einkauf in Nürtingen. Auch ist geplant, das dort produzierte Sortiment Holzbearbeitungsmaschinen, Kompressoren, Schweißgeräte und Geräte für Haus und Garten bis Ende 2005 sukzessive auf die Marke "Metabo" umzustellen. Damit nutze man das etablierte Metabo-Markenimage und reduziere Marketingaufwändungen.

Als weitere Maßnahme plant die Unternehmensleitung, die gegenwärtig über zahlreiche Einzellager abgewickelte europäische Distribution mittelfristig auf möglichst wenige Standorte zu verringern. Ein Detailkonzept soll im Jahresverlauf verabschiedet werden.

Die Betriebsräte der drei Standorte wurden von den Plänen informiert. Sie wollen in der kommenden Woche darüber beraten. Ziel sei, den geplanten Abbau der Arbeitsplätze "auf ein erforderliches Mindestmaß zu reduzieren", sagte Betriebsratsvorsitzender Peter Teubel.

Er warnte davor, weiter Arbeiten in Billiglohn-Länder zu verlagern oder verstärkt "vermeintlich preiswertere" Komponenten zuzukaufen. Metabo habe bisher eine hohe Fertigungstiefe, "und nicht zuletzt deshalb einen guten Ruf als Markenfabrikant".

Sorgen macht sich der Betriebsrat in diesem Zusammenhang um die Zukunft des Stahlfraktals in Nürtingen. "Wenn wir Stahlteile in sehr guter Qualität für externe Kunden herstellen wollen, sollten wir weiterhin auch unsere Stahlteile selbst herstellen", so Teubel.