Lokales

Land der Kräuterfrauen und Buckelapotheker

Im Städtedreieck Saalfeld Rudolstadt Bad Blankenburg richtete der Thüringer Gebirgs- und Wanderverein den 105. Deutschen Wandertag aus, an dem auch die Kirchheimer Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins teilnahm.

KIRCHHEIM Bereits auf der Anreise zum Standquartier in Neuhaus am Rennweg wurde der Staffelstein bestiegen und danach noch die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen besichtigt. Bei den Wanderungen an den folgenden Tagen begleitete ein Bus die Wanderlustigen, sodass auch die weniger Sportlichen daran teilnehmen konnten.

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Die erste Wanderung ging von Saalfeld hinauf auf den Kulm dann hinunter zur Saale nach Rudolstadt. Hier wartete bereits die kleinere Gruppe, die die verwinkelte Altstadt zu Füßen der majestätischen Heidecksburg erkundet hatte. Dort wurden die Wimpelträger aus Kühlungsborn auf dem Marktplatz empfangen, wo der Wimpel im festlichen Rahmen an den Thüringer Wanderverein übergeben wurde.

Der Thüringer Wald bietet eine Vielzahl von Wanderwegen an, der bekannteste ist wohl der Rennsteig, den auch die Kirchheimer erwanderten. Eine größere Wanderung führte von Masserberg zur Friedrichshöhe, wo ein deftiger Gemüseeintopf auf die Hungrigen wartete. Der Weiterweg verlief über den Dreistromstein, an dem einst drei Fürstentümer aneinander grenzten, nach Limbach. Nach Auf- und Abstiegen hatte man einen wunderschönen Blick auf den Schwarza-Stausee. Hier erwartete die Albvereinler eine besondere Überraschung: ein Waldhorn erklang und hoch zu Ross erschien in mittelalterlicher Tracht ein Rennsteigkurier. Zur Begrüßung überreichte er allen Wanderern als "Freunde des Rennsteigs" eine Urkunde nebst Kräuterbitter.

Bei einer Rundwanderung im Schiefergebirge konnten die Wanderer in Lehesten (Schieferpark) sehen, woher der Schiefer, das "Blaue Gold" kommt, mit dem dort sehr viele Häuser verkleidet sind. Anschließend ging es auf den Wetzstein hinauf zum neuen Altvaterturm. Ein Wegweiser zeigte hinunter nach Brennersgrün zum Rennsteinweg, der hier auf einer jahrhunderte Jahre alten Grenze verläuft. Auf dem folgenden Schönwappenweg zeugen alte Grenzsteine von der uralten Tradition des Grenzlandes und des Kurierpfades.

Bei einem Tagesausflug nach Erfurt wurden die Sehenswürdigkeiten der Stadt bestaunt. Eine Stadtführerin schleuste die "Karawane" vom Dom zu den weiteren Attraktionen.

Höhepunkt der Wandertage war der Festzug in Saalfeld, einer malerischen Stadt mit über 1100-jähriger Geschichte. Bei strahlendem Sonnenschein, bewundert von den Zuschauern, zogen die einzelnen Gruppen der vielen Wandervereine von flotten Weisen der Musikkapellen begleitet durch die Straßen der Altstadt: eine eindrucksvolle Demonstration für das Wandern.

Bei der letzten Wanderung wurde ein Abstecher ins romantische Schwarza-Tal gemacht. Es gehört zum "Thüringer Kräutergarten", dem Land der Kräuterfrauen und Buckelapotheker mit ihren Olitäten, das sind Naturheilmittel aus den dort wachsenden Wildkräutern. Der Weiterweg führte an der Schwarza enlang. Beeindruckend waren die Strudeltöpfe, in Jahrtausenden durch kleine Steine ausgemahlenes Schiefergestein. Nach einer Rast im Schweizerhaus wurde der Trippstein bestiegen, von wo man einen grandiosen Blick auf die umliegende Landschaft hatte. Zwischen dichtbewachsenen Waldhöhen liegt das Örtchen Schwarzburg, gruppiert um das auf einem Bergsporn liegende gleichnamige Schloss. Hier unterschrieb 1919 Friedrich Ebert die "Weimarer Verfassung."

Auch die schönsten Wandertage gehen einmal zu Ende. Auf der Heimreise wurde in Tettau noch eine Porzellanmanufaktur besichtigt. Krönender Abschluss war dann der Besuch von Kloster Banz.

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