Lokales

Land zieht Zusage für Tagesklinik Filder zurück

Der Kurs des Stuttgarter Sozialministeriums bezüglich psychiatrischer Tageskliniken im Landkreis Esslingen ist verwirrend. Anfang Oktober hatten die Kreisräte offiziell grünes Licht für die Tageskliniken in Plochingen und auf den Fildern gegeben, in nicht öffentlicher Sitzung wurde aber schon der Rückzug des Ministeriums erörtert. Nun ist aus Stuttgart zu erfahren, dass Plochingen weiter im Spiel ist.

ROLAND KURZ

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KREIS ESSLINGEN Auf den Fildern gibt es weder eine stationäre noch eine teilstationäre Versorgung psychisch kranker Menschen. Sie müssen nach Nürtingen oder Zwiefalten. Deshalb sollte eine Tagesklinik mit 32 Plätzen eingerichtet werden. Der Landkreis führte Grundstücksverhandlungen, um in Filderstadt in der Nähe der S-Bahn zu bauen. Drei Tage bevor der Krankenhaus-Ausschuss des Kreistags einen Knopf an den Grundstückskauf nähen wollte, ging der Brief des Sozialministeriums ein. Das Ministerium rücke von seiner im Jahr 2002 gegebenen Zusage wieder ab, weil kein Bedarf mehr bestehe, so Hans-Joachim Bosse, Pressesprecher im Landratsamt.

Der Landkreis Esslingen sei mit Behandlungsplätzen in der Psychiatrie vergleichsweise schlecht versorgt, sieht Siegfried Schmid, Verwaltungschef des Klinikums Kirchheim-Nürtingen, weiterhin Bedarf. 1995 habe die Psychiatrie Nürtingen eine Station nach Zwiefalten ausgelagert, weil sie nicht genügend Personal fand. Das Sozialministerium habe damals zugesagt, dass Nürtingen Betten und Budget wieder zurückbekommen könne. Diese 25 vollstationären Plätze würde Schmid nun gerne in 32 Tagesplätze umwandeln. Der offizielle Umrechnungs-Schlüssel ist sogar eins zu zwei.

Zwiefalten habe zwischenzeitlich sein Konzept geändert und Spezialabteilungen für Sucht und Gerontopsychiatrie eingerichtet, erklärte Alexia Sailer, Sprecherin des Sozialministeriums. Dort seien auch Patienten aus dem Kreis Esslingen untergebracht und diese fühlten sich dort gut versorgt. Zudem wolle Zwiefalten die Spezialabteilungen erhalten und nicht nur die Abteilung für Zwangseinweisungen betreiben. Es gebe kein Bettenkontingent, das man auf die Filder verlagern könne, bedauert Elisabeth Gauggel, Ärztin im Psychiatriereferat des Ministeriums. Außerdem gebe es für die Spezialabteilungen seit einem Jahr den Kooperationsvertrag zwischen Zwiefalten und dem Kreis Esslingen.

Das Sozialministerium befürworte aber nach wie vor die Einrichtung einer Tagesklinik in Plochingen, betonte Sailer. Diese 25 Behandlungsplätze hängen mit dem geplanten Umzug der Psychiatrie Nürtingen nach Kirchheim zusammen. Von den 124 Nürtinger Betten sollen nur 109 in Kirchheim ankommen, der Rest kann in Tagesklinikplätze in Plochingen umgerechnet werden. Der Umzug soll etwa 2010 stattfinden, wenn das neue Krankenhaus auf dem Nürtinger Säer fertig ist.

Nach Ansicht des Ministeriums ist der Kreis Esslingen in der psychiatrischen Versorgung keineswegs unterversorgt. Es gebe Tageskliniken in Nürtingen und Esslingen, und die neuen Institutsambulanzen hätten das Angebot verbessert. Außerdem stehe der Landkreis bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Blickfeld des Ministeriums. Um diese Einrichtung bewerben sich die Städtischen Kliniken Esslingen, das Plochinger Krankenhaus, die Filderklinik und außerhalb der Kreisgrenze das Christophsbad in Göppingen.