Lokales

Landesförderung kein Maßstab für Klinikum

Immer mehr Kliniken im Kreis eröffnen angeblich aus Gründen des Wettbewerbs Herzzentren. Dazu gehören auch Ruit und das Klinikum Kirchheim-Nürtingen. Die Krankenkassen dringen auf eine Verbundlösung und weigern sich, die Behandlungskosten zu übernehmen.

RICHARD UMSTADT

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KREIS ESSLINGEN Mit 666 Betten ist das Klinikum Kirchheim-Nürtingen das zweitgrößte Krankenhaus im Landkreis Esslingen. Allein 250 Betten hält die Innere Abteilung vor. "Wir haben durch unsere Größe einen Anspruch auf eine Kardiologie", verteidigt Krankenhaus-Direktor Siegfried Schmied die Einrichtung eines Herzzentrums und die Anschaffung des Linksherzkathetermessplatzes in Kirchheim. Schmied argumentiert freilich nicht nur mit der Größe des Hauses und seines Einzugsgebietes von rund 200 000 Einwohnern im Süden des Kreises. Es seien vielmehr wirtschaftliche Gründe, die das Klinikum, wie jetzt auch das Ruiter Paracelsus-Krankenhaus, dazu zwingen würden, Herzzentren zu eröffnen. "Hätten wir die Kardiologie und den Linksherzkathetermessplatz in Kirchheim nicht, dann würde dies einen solchen Aderlass bedeuten, dass wir über kurz oder lang zumachen könnten", ist sich Siegfried Schmied sicher. Ähnliches prophezeite auch der Chefarzt der inneren Medizin in Ruit, Dr. Wolfgang Habscheid, der von 30 Prozent weniger Patienten bei Kliniken sprach, die kein Herzzentrum vorweisen können.

Doch genau dieser Wettbewerb unter den Krankenhäusern um die meisten Herzpatienten bereitet den Krankenkassen Sorge. Dadurch würde eine hohe Zahl von Untersuchungen provoziert, die weit über den Bedarf hinausgingen. Deshalb weigert sich die AOK, die Kosten für Untersuchungen an nicht vom Land geförderten Herzkathetermessplätzen zu übernehmen und rief im Fall von Ruit die Schiedsstelle an. Auch für künftige Untersuchungen und Behandlungen am Kirchheimer Messplatz will die Ortskrankenkasse nicht den Zahlmeister spielen. "Das Krankenhaus weiß, dass wir keine Zusage gegeben haben", sagt der Chef der AOK Kirchheim-Nürtingen, Rudolf Traub, der wiederholt auf eine Kooperation zwischen dem Klinikum Kirchheim-Nürtingen und den Städtischen Kliniken Esslingen pocht.

Die Kostenverhandlungen für 2006 stehen noch aus. Sowohl Traub als auch Schmied warten nun auf den Spruch der Schiedsstelle, der wohl im Februar erfolgt. "Ruit kann zu einem Präzedenzfall für Kirchheim werden. Der Schiedsstellenentscheid wird für uns wesentlich sein", meint der Krankenhausdirektor.

Das Argument der AOK, die Kosten der Behandlung nur bei geförderten Herzkathetermessplätzen zu übernehmen, lässt Siegfried Schmied nicht gelten. Er weist darauf hin, dass außer dem Esslinger Gerät kein anderes mehr im Kreis vom Land gefördert worden sei. "Dies kann kein Maßstab sein. Rechtsgrundlage für uns ist vielmehr die Abrechnung nach dem DRG-Fallpauschalensystem."

"Das sehen wir anders", sagt AOK-Chef Traub. "Das Klinikum Kirchheim-Nürtingen wäre gut beraten, vom Sozialministerium beziehungsweise dem Landeskrankenhausausschuss klären zu lassen, ob ein Linksherzkathetermessplatz in Kirchheim zum Versorgungsauftrag gehört und ob ein 24-Stunden-Betrieb bedarfsgerecht ist." Für die AOK sei die Antwort auf diese Fragen entscheidend. Traub plädiert ebenso wie seine Kollegen der anderen gesetzlichen Krankenkassen für eine bedarfsgerechte Großgeräteplanung auf Landesebene. Das Argument der Wirtschaftlichkeit ist für ihn nur vorgeschoben.