Lokales

Landgericht spricht Gutenberger Ehepaar frei

Im Lenninger "Hammer-Prozess" hat das Stuttgarter Landgericht jetzt den 36-jährigen Mechanikermeister vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen. Auch seine aus Kuba stammende 29-jährige Frau war nach richterlicher Meinung freizusprechen.

BERND S. WINCKLER

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LENNINGEN Die Hammerschläge und die Messerstiche gegen den penetranten Nebenbuhler der Frau waren als Notwehr zu werten. Beide Angeklagten erhalten eine Entschädigung für die Untersuchungshaft. Das Ehepaar ist gestern nach der Urteilsverkündung der Stuttgarter Schwurgerichtskammer sofort auf freien Fuß gesetzt worden.

Das Gericht glaubte den Ausführungen der Beiden, wonach das Opfer, ein 27-jähriger Mann aus dem Kreis Reutlingen, der Ehefrau ständig nachstellte und dann auch an jenem 21. März dieses Jahres an der Haustür des Paares in Gutenberg klingelte und dann sofort auf den Hausherrn losging. Der Mann hatte den Angeklagten am Hals gewürgt und auf die Treppe gedrückt und dann mit der Faust zugeschlagen und obendrein gedroht, er werde die Tochter des Ehepaares entführen. Erst dann hatte der Angeklagte den Hammer, den er zur Abwehr schon vorsichtshalber geholt hatte, benutzt. Richtig zuschlagen konnte er damit in seiner umklammerten Stellung überhaupt nicht, wie ein Sachverständiger bestätigte. Somit fiel auch der Vorwurf des versuchten heimtückischen Mordes weg, obwohl der Hammer die Stirn des Mannes traf und ihn auch verletzte.

Auch die beiden Messerstiche, die die Ehefrau dem 27-Jährigen versetzte, waren kein Tötungsversuch, sondern eine Notwehrtat, trotz erheblicher innerer Verletzungen. Dass beide Angeklagten sich nach dieser Attacke auch zu Recht unschuldig fühlten, beweise auch die Tatsache, dass sie sofort die Notrufnummer gewählt hatten.

Für die Untersuchungshaft sprachen die Richter dem Ehepaar Entschädigung zu. Vor allem der 36-Jährige wird eine recht hohe Summe vom Staat erhalten, da er durch die damalige Festnahme einen wichtigen Großauftrag eines Unternehmens nicht mehr ausführen konnte. Auch die Kosten der Anwälte und Gerichtsaufwendungen zahlt die Staatskasse.