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Landkreis hält an Kardiologie Kirchheim fest

Mit großer Mehrheit sprach sich das Kreisparlament Mitte März für eine Kardiologie im Krankenhaus Kirchheim aus und beschloss, einen so genannten Linksherzkathetermessplatz einzurichten. Dem stehen die Krankenkassen kritisch gegenüber. Sie befürworten eine Kooperation mit der Kardiologie der städtischen Kliniken in Esslingen.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Bis Jahresende wird in den Esslinger Kliniken ein zweiter Linksherzkathetermessplatz gebaut und ein weiterer soll demnächst im Krankenhaus Ruit in Kooperation mit einem niedergelassenen Kardiologen kommen. Zusammen mit dem vom Landkreis Esslingen ins Auge gefassten Messplatz in Kirchheim würde dann das Kreisgebiet vier solcher Messplätze für Herzuntersuchungen und Interventionen aufweisen.

Die AOK Nürtingen-Kirchheim hält eine solche Aufrüstung von bisher einem auf künftig vier Linksherzkathetermessplätze im Landkreis für "weit überdimensioniert und wirtschaftlich unvertretbar", teilt Geschäftsführer Karl-Rudolf Traub auf Anfrage mit und verweist dabei nach Esslingen. Die Patienten seien bisher dort in den städtischen Kliniken versorgt worden. "In Esslingen ist eine hohe Qualität und eine 24-Stunden-Bereitschaft gewährleistet." Der AOK-Chef rät deshalb dem Landkreis, das beschlossene Kardiologiekonzept für das Krankenhaus Kirchheim "nur im Wege eines Kooperationsmodells" mit den Städtischen Kliniken Esslingen umzusetzen. Diese Ansicht vertrtitt auch Traubs Kollege Dieter Kress, seines Zeichens Geschäftsführer der AOK Esslingen: "Wir verfolgen ganz klar die Kooperationsschiene. Nur das macht Sinn." Das wird auch von den niedergelassenen Kardiologen im Altkreis Nürtingen so gesehen.

Die Krankenkassen befürchten, dass künftig durch vier Messplätze im Landkreis eine Vielzahl von zusätzlichen und medizinisch unnötigen Untersuchungen durchgeführt werden, damit sich für die Krankenhäuser die Investitions- und Vorhaltekosten von 1,4 Millionen Euro pro Gerät und den jährlichen Betriebs- und Personalkosten von einer Million Euro amortisieren. "Dies ist in der heutigen Zeit und der Situation des Gesundheitswesens nicht vertretbar", so Traub.

Die AOK schlägt deshalb vor, die Situation der Linksherzkathetermessplätze im Landkreis Esslingen in einer Sondersitzung des "Runden Tisches" zu besprechen. An diesem 2002 eingerichteten Gremium sind auf freiwilliger Basis alle Krankenhäuser im Landkreis und die Krankenkassen beteiligt. Ziel ist es, so Traub, im Kreis Esslingen Doppelstrukturen zu vermeiden und stationäre Leistungen nach Möglichkeit zu bündeln.

Auf die Verhandlungen am "Runden Tisch" verweist auch der Sprecher der Esslinger Kliniken, Michael Schuler: "Wir stehen mit dem Landkreis in Kooperationsgesprächen. Dabei geht es um die Leistungssteuerung." Als "unumstößlich" bezeichnet er die Entscheidung, in den Städtischen Kliniken einen zweiten Messplatz zu bauen, um das Leistungsspektrum zu verbreitern und die Notfallversorgung zu gewährleisten. "Wir haben die Versorgung des Landkreises mit unserer 24-Stunden-Bereitschaft abgedeckt und werden dies auch weiterhin tun."

Mit den Esslingern kooperieren, "wie auch immer das aussehen mag", will Krankenhausdirektor Siegfried Schmid vom Klinikum Nürtingen-Kirchheim. Das Kooperationsmodell muss aber im Detail noch ausgehandelt werden. Ziel dabei sei eine komplette Versorgung des Raumes Kirchheim-Nürtingen mit seinen 220 000 Einwohnern. "Wir wollen den Raum Kirchheim stärken und nicht schwächen", verwies der Krankenhausdirektor auf den Kreistagsbeschluss, den es umzusetzen gelte.

Dem Landkreis gehe es neben der erwarteten Wirtschaftlichkeit um eine ortsnahe und hochqualifizierte Versorgung von Herzpatienten. Doch dazu gehört nicht nur ein Linksherzkathetermessplatz, dazu gehört auch ein qualifizierter Kardiologe, der, so sieht es der Kreistagsbeschluss vor, die vakante Stelle des Chefarztes in Kirchheim besetzen soll. Die entsprechende Wahl trifft der Betriebsausschuss Krankenhaus am 21. April im kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes hinter verschlossenen Türen. Dem künftigen Chefarzt obliegt es dann, ein Behandlungskonzept für die Kardiologie Kirchheim auszuarbeiten. Dies ist der erste Punkt eines Fünf-Stufen-Planes, an dessen Ende der Kauf des Linksherzkathetermessplatzes und der dafür nötige Umbau im Kirchheimer Krankenhaus stehen. Dazwischen liegen Verhandlungen mit den niedergelassenen Kardiologen in Kirchheim und Nürtingen sowie den Städtischen Kliniken Esslingen und den Krankenkassen. Der Plan sieht aber auch die Qualifizierung von Mitarbeitern und die Bildung eines Behandlungsteams vor, sowie genügend Herzpatienten in die Kirchheimer Klinik überwiesen werden.