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Landkreis verschreibt sich dem Klimaschutz

Das Ziel ist ehrgeizig: Bis zum Jahr 2020 möchte der Landkreis den CO2-Ausstoß in seinen Schul- und Verwaltungsgebäuden um 35 Prozent senken. Zudem beteiligt er sich an der Energieagentur, die am 8. Oktober in Nürtingen gegründet worden war.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN Während die Welt beim Klimagipfel auf Bali noch um einen Kompromiss rang, legte der Esslinger Kreistag ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz ab. Landrat Heinz Eininger sprach von einer "ambitionierten, aber realistischen Zielsetzung", für die ihm laut Grünen-Kreisrat Jürgen Menzel fast ein Internet-Eintrag unter www.wir-klimaretter.de gebühre. Mit seiner Zielsetzung geht Eininger noch über die von den Grünen in der Haushaltsdebatte geforderten 30 Prozent hinaus.

Starten möchte der Landrat das ehrgeizige Projekt "35 Prozent CO2-Einsparung bis 2020" mit dem Stand im Jahr 2006, weil seitdem verlässliche Daten vorliegen. Damals hatte der Kreistag beschlossen, für das Energiemanagement der kreiseigenen Gebäude die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH (KEA) ins Boot zu holen. Die KEA erhebt Bestandsdaten und Verbrauchswerte der Gebäude und soll aufzeigen, wo etwa durch ein geändertes Nutzerverhalten Einsparpotenziale liegen. Auch weist die Agentur den Landkreis auf Sanierungen hin, die aus energetischen Gründen dringlich erscheinen. "Wo Investitionen nötig sind, müssen wir auch die Amortisationszeit beachten", unterstrich der Landrat. Bis Juni 2008 soll eine Gesamtstrategie mit detaillierten Handlungsschritten erarbeitet werden.

Jetzt steht bereits fest, dass das Landratsamt in Esslingen und die Außenstelle in Nürtingen vom 1. Januar an mit Ökostrom beliefert werden. "Das macht allein rund 25 Prozent unseres Strombedarfs aus", verdeutlichte der Kreisverwaltungschef. Wie beim Neubau des Landratsamts spielt auch beim Großprojekt Kreiskrankenhaus in Nürtingen der Umweltaspekt eine wesentliche Rolle: Das Gebäude ruht auf 349 Stahlbetonpfählen, von denen 220 eine Doppelfunktion erfüllen und nicht nur für eine stabile Gründung des Bauwerks sorgen, sondern außerdem Erdwärme transportieren.

Auch die Bestandsaufnahme des bereits Geleisteten kann sich Eininger zufolge durchaus sehen lassen: Er erinnerte an die Aktion "Sonnentage" mit einer Wanderausstellung und Infoveranstaltungen, die der Kreis bereits im Jahr 2001 zusammen mit den Innungen Sanitär, Heizung und Klima sowie mit Untersützung der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie organisiert hatte. Außerdem verwies er auf Sanierungen und Instandsetzungen von Gebäuden, den Bau eines Blockheizkraftwerks an der Bodelschwinghschule, den Einsatz von Holzhackschnitzel-Heizanlagen, die Stromgewinnung auf Deponien und Fotovoltaikanlagen, die allesamt dazu beitragen, dass jedes Jahr rund 535 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 400 Vier-Personen-Haushalten. Die Beteiligung am Biosphärengebiet Schwäbische Alb wollte der Landrat ebenfalls unter dem Blickwinkel des Umweltschutzes sehen: "Damit fördern wir regionale Produkte und einen sanften Tourismus."

Sieghart Friz signalisierte für die CDU-Fraktion die Unterstützung der Verwaltung. "Nicht ohne Grund ist der Begriff Klimakatastrophe zum Wort des Jahres 2007 gekürt worden", gab er zu bedenken. Der Landkreis müsse sich auf den Weg machen und Handlungskonzepte beschließen. Wilfried Wallbrecht von den Freien Wählern teilte ebenso die Sorge um das Klima. "Im Weltmaßstab ist zwar vernachlässigbar was wir tun, aber an jeder Stelle muss der CO2-Ausstoß reduziert werden." Wallbrecht regte darüber hinaus an, weitere Themen anzugehen wie die Fahrzeugflotte, den ÖPNV sowie die Kliniken als "Großverbraucher".

Marianne Gmelin (SPD) gemäß sind Investitionen in die Ökologie für kommende Generationen ebenso wichtig wie der Schuldenabbau. Wolfgang Haug (FDP) mahnte an, jeder Kreisrat habe eine persönliche Vorbildfunktion beim Thema Klimaschutz. Herbert Bauer von den Re-publikanern begrüßte wie seine Vorredner das abgesteckte Ziel.

Mit der Beteiligung an der Energieagentur des Landkreises in Nürtingen in Höhe von 6250 Euro soll sichergestellt werden, dass der Bürger eine unabhängige Anlauf- und Beratungsstelle mit der Unterstützung von Handwerkern hat. "Wir wollen dem Motto ,global denken, lokal handeln' Rechnung tragen", so Eininger. "Das funktioniert allerdings nur, wenn es möglichst konkret wird."