Lokales

Landkreis versucht, die größten "Brände" zu löschen

Für rund 845 000 Euro wird der Landkreis in diesem Jahr Kreisstraßen und Gehwege sanieren. Dafür sprach sich einhellig der Kreistagsausschuss für Technik und Umwelt in jüngster Sitzung aus.

RICHARD UMSTADT

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ESSLINGEN So viel Einheit im Ratsrund von grün bis schwarz war bislang selten anzutreffen, wenn es im Technikausschuss um das Thema Kreisstraßen ging. Plötzlich lagen die malträtierten Asphaltbänder selbst Fraktionen am Herzen, die noch vor gar nicht allzu langer Zeit am liebsten keinen Cent dafür ausgegeben hätten. Deshalb zog Landrat Heinz Eininger verwundert die Augenbrauen hoch, als Jürgen Menzel von den Grünen die Verwaltung aufforderte: "Man sollte in Zukunft stärker auf die Unterhaltung der Kreisstraßen achten". Außerdem wollte er die Straßen "so in Stand setzen, wie man die Verkehrsströme haben möchte".

Auch Klaus Herzog, SPD, bedauerte den desolaten Zustand, in dem sich ein großer Teil der Kreisstraßen befinde. "Es ist wichtig, die Kreisstraßen in Stand zu setzen."

Der Fraktionschef der Freien Wähler muss das leichte Zusammenzucken des Landrats nach diesen Statements bemerkt haben, denn er meinte: "Es ist interessant, wie sich die Erkenntnisse bei den Grünen und der SPD ändern." Als symptomatisch bezeichnete Bachofer den Bereich Straßeninstandsetzung für die ganze öffentliche Struktur "auch für die Kommunen". Man müsse auf der einen Seite sparen und häufe aber andererseits "sehenden Auges" einen höheren Schuldenberg an. "Wir können nur versuchen, die größten Brände zu löschen", meinte er in übertragenem Sinne, "die kleinen glimmen weiter und vergrößern den Aschehaufen."

Fritz Roth, CDU, verstand die Welt nicht mehr: "Wir haben viel schleifen lassen. Ich versteh nicht, dass wir noch so lang rumdiskutieren," redete er einer raschen Instandsetzung das Wort.

Landrat Heinz Eininger widersprach Klaus Herzogs Behauptung, die Kreisstraßen seien in einem sehr schlechten Zustand. Der Kreis habe in den zurückliegenden Jahren jährlich etwa 600 000 Euro für 250 Kilometer Kreisstraße ausgegeben. Der jetzige desolate Zustand einiger Straßen hänge mit den Frostschäden und dem langen, strengen Winter zusammen.

Auf die Frage von Ulrich Deuschle, REP, nach den Auswirkungen der Lkw-Maut, sagte der Landrat, es werde derzeit ein Zahlentableau erarbeitet. An Jürgen Menzel gewandt, meinte er, "wir werden mit den Kreisstraßen keine Verkehrsströme lenken können." Dabei verwies er auf Bundes- und Landesstraßen sowie Autobahnen und Gemeindewege.

Kreisverwaltung und Ausschussmitglieder werden im September die Kreisstraßen besichtigen. Anschließend will die Verwaltung einen mehrjährigen klassifizierten Unterhaltungsplan aufstellen und dem Ausschuss für Technik und Umwelt vorstellen.

INFOIn diesem Jahr nimmt sich der Landkreis sechs Projekten an, darunter der Kreisstraße K 1202 zwischen Ohmden und Holzmaden. Auf dem Steilstück tritt an einer Stelle der Fahrbahn und am Straßenrand Wasser aus eine Gefahr für Autofahrer im Winter. Dieses Wasser soll zur Entschärfung der Situation durch den Einbau von Drainagen gefasst werden. Anschließend erhält der betreffende Streckenabschnitt auf der gesamten Breite eine neue Asphaltdeckschicht. Der Kreis rechnet mit Kosten von rund 45 000 Euro.