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Landkreis-Partnerschaften im AufwindInfo

Heinz Eininger zu Gast bei neuem Oberbürgermeister in Givatayim – Kontakt zu Pruszków erhält neuen Impuls

Trotz schmalem Budget: Esslingens Landrat Heinz Eininger ist zuversichtlich, dass sich die Partnerschaften des Landkreises intensivieren lassen. Mit der israelischen Stadt Givatayim soll der Austausch auf den Sport und die Seniorenarbeit ausgeweitet werden.

2005 besuchte eine Kreistagsdelegation die israelische Partnerstadt Givatayim.Archiv-Foto: Andreas Volz
2005 besuchte eine Kreistagsdelegation die israelische Partnerstadt Givatayim.Archiv-Foto: Andreas Volz

Kreis Esslingen. Auch wenn der neue Oberbürgermeister Givatayims, Ran Konik, zwölfmaliger israelischer Tischtennismeister war und geplant ist, künftig Jugendtischtennisgruppen aus dem Landkreis Esslingen und der israelischen Partnerstadt in den Austausch einzubinden – eine Ping-Pong-Diplomatie wird von beiden Seiten nicht angestrebt. Vielmehr sollen die bestehenden Kontakte von Kreisjugendring und Schulen auf Seniorenorganisationen ausgeweitet werden. „Erste Gespräche haben wir bereits mit dem Kreisseniorenrat geführt“, sagte Eininger in der Sitzung des Kultur- und Schulausschusses des Landkreises. Damit solle zum ersten Mal der Versuch unternommen werden, die Generation derer, die noch die schwierige Zeit des Nationalsozialismus erlebt habe, in die Partnerschaft einzubinden. „Das ist ein wichtiger Schritt, der von israelischer Seite auf uns zugegangen worden ist“, betonte der Landrat.

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In den Pfingstferien hatte Eininger in Givatayim eine Ausstellung unter dem Titel „heute hier morgen dort“ mit Arbeiten von Stipendiaten des Landkreises Esslingen eröffnet. Er sprach von einem „erfolgreichen Besuch“ in Israel. Während seiner sechstägigen Reise hat der Kreisverwaltungschef unter anderem einen Antrittsbesuch Ran Koniks im Oktober oder November im Kreis Esslingen vereinbart. Mit dem parteilosen OB habe er auch die unbefriedigende Situation des Ende der 90er Jahre eingeweihten Hauses Esslingen in Givatayim angesprochen. Dort werde ihm bei seinen Besuchen stets ein „potemkinsches Haus“ mit frisch geweißelten Wänden präsentiert. Aus Mitteln des Landkreises und der Kreiskommunen für eine Million Mark gebaut, würden die Räume dort inzwischen kostenlos von der Verwaltung des angrenzenden Theaters in Anspruch genommen. „Zumindest das Appartement sollte uns für Künstler oder Betreuer zur Vergügung stehen“, so Eininger. Konik habe ihm nun die uneingeschränkte Nutzbarkeit zugesagt. „Die Vorstellung, man könne eine Art Jugendherberge haben, war ein Trugschluss“, erklärte der Landrat. Viel wichtiger sei, dass die Schüler Familien kennenlernten. „Da ist nix zu holen“, sagte er an SPD-Kreisrat Walter Bauer gewandt, der insistierte: „Ich finde es verheerend zu sagen, das Geld ist weg.“ Eininger konterte: „Das Konzept hat sich schneller überholt als gedacht. Jetzt muss man mit der Situation umgehen.“ Im kommenden Jahr feiern Deutschland und Israel das 50-jährige Jubiläum ihrer diplomatischen Beziehungen. Das möchte der Landrat zum Anlass nehmen, mit einer Delegation nach Givatayim zu reisen.

„Erfreulich ist, dass nach dem Landkreis-Jubiläum der Faden zu Pruszków wieder aufgenommen worden ist“, betonte Eininger. „Wir sind in vielen Verwaltungsfeldern in regem Austausch.“ Anerkennend hob er hervor: „Dort stellt man sich in der Verwaltung und in der Wirtschaft in europäischen Dimensionen auf, von denen wir nur lernen können.“ Der Kreis tue gut daran, diese Beziehung weiterhin zu pflegen. Das 2007 zum Abschluss gebrachte Friedhofsprojekt von Schülern aus dem Landkreis Esslingen im polnischen Pruszków bezeichnete der Landrat als „ein Stück zu schmal“. Jetzt sei man dort breiter unterwegs.

Vereinbart wurde ein Austausch zwischen der Bodelschwingh-Schule in Nürtingen und dem Pfarrer Jan-Twardowski-Sonderschulzentrum in Pruszków. Nach Treffen von Lehrern müsse man sehen, ob so viel Vertrauen wachse, dass Eltern geistig behinderter Kinder bereit seien, ihre Kinder zum Austausch zu schicken, so die Reaktion des Pressesprechers Peter Keck auf die Frage von Grünen-Kreisrätin Gabriele Probst.

Zwischen der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen und der beruflichen Schule in Pruszków soll es einen jährlichen Austausch geben. Ziel ist, in Abstimmung mit der Kreishandwerkerschaft und den Innungen von 2015 an Absolventen aus Pruszków in den Berufsfeldern Bau, KFZ und Farbe ein zweimonatiges Praktikum im Landkreis anzubieten. Im Herbst präsentiert sich der Kreis mit der Agentur für Arbeit auf der Beschäftigungsmesse des Landkreises Pruszków, um Fachkräfte für Engpassberufe zu gewinnen.

Der Kreis stellt im Haushalt 2014 Zuschüsse für die Partnerschaften in Höhe von insgesamt 42 000 Euro bereit. „Das Budget ist zwar schmal, aber wir bekommen es hin“, gab sich Eininger zuversichtlich. Der Betrag enthält auch die Pflege der Partnerschaften mit den Landkreisen München und Leipzig, die dem kommunalpolitischen Erfahrungsaustausch dienen. Das nächste Treffen findet voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2015 in Leipzig statt.

Im Rahmen der Partnerschaft des Landkreises mit Givatayim besucht die Jazzband der dortigen Thelma Yellin High School of the Arts vom 1. bis zum 7. Juli die Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule. Nach Auftritten in Stuttgart und Esslingen gibt die Band am Freitag, 4. Juli, um 20 Uhr ein Konzert in der Kirchheimer Bastion.