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Landrat: "Jetzt muss noch etwas Butter bei die Fische"

Mit rund 6 300 Hektar bringt sich der Landkreis Esslingen in das Biosphärengebiet Schwäbische Alb ein. Jetzt muss Landrat Heinz Eininger zufolge noch "Butter bei die Fische". Der Landkreis will wissen, wie die Verordnung aussieht und Klarheit über die Finanzierung.

RICHARD UMSTADT

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KREIS ESSLINGEN Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb, ausgehend vom ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen, umfasst inzwischen rund 54 000 Hektar und betrifft die Landkreise Esslingen, Reutlingen und den Alb-Donau-Kreis. Damit konnte den Anforderungen der UNESCO Rechnung getragen werden, die von mindestens 30 000 Hektar ausging. Unterteilt werden die Flächen in Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen.

Der Kreis Esslingen beteiligt sich mit einer Fläche von 6 287 Hektar, die sich vor allem am Albtrauf zwischen Weilheim und Kohlberg entlangzieht. Nach Informationen von Landrat Heinz Eininger entfallen 421 Hektar auf die Kernzone das sind in der Hauptsache ökologisch wertvolle Hangschluchtwälder, 2 062 Hektar auf die Pflegezone und der Rest gehört Entwicklungszonen an.

Der Landrat will als "Juniorpartner" den Dampfzug "Biosphärengebiet" nicht ohne den Landkreis Esslingen abfahren lassen. Vor allem liegt ihm viel daran, das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb als "zweites Portal" in das von der UNESCO anerkannte Reservat einzubringen. Auf dessen Personal und Sachverstand könne gerade in der Startphase zugegriffen werden, betonte Heinz Eininger bei einer Informationsveranstaltung mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk und Regierungspräsident Hubert Wicker in Münsingen. Jetzt gehe es darum, die Sach- und Personalkosten sorgsam zu entwickeln. Sowohl die Gemeinden als auch der Landkreis wollen rasch Klarheit in der Frage, wie tief sie für das künftige Modellgebiet in die Tasche greifen müssen.

Der Landwirtschaftsminister schätzt derzeit den Personalbedarf auf maximal 16 Mitarbeiter und kalkuliert mit Betriebskosten von jährlich einer Million Euro. Peter Hauk rechnet nicht mit Zuschüssen vom Bund und wiederholte die Aussage des Ministerpräsidenten Günther Oettinger, wonach sich das Land Baden-Württemberg zu zwei Dritteln beteiligen werde. Die kommunalen Partner, derzeit die drei Landkreise und 25 Kommunen, müssten rund 300 000 Euro aufbringen. Im Landkreis Esslingen sind die Städte und Gemeinden Neidlingen, Weilheim, Bissingen, Dettingen, Owen, Lenningen, Beuren, Neuffen und Kohlberg mit von der Partie.

"Was auf die Kommunen zukommt, muss man sehen", meint abwartend Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht. Auch er hörte wie viele seiner betroffenen Schultes-Kollegen in Münsingen die Worte des Ministerpräsidenten. Doch so ganz zufrieden stellen konnten sie ihn nicht. "Das war ein Signal, nicht mehr. Da gibt es noch einiges zu klären." Zum Beispiel, wie sieht die Gebietsverordnung aus? Welche Kosten entstehen den Kommunen?

Schlecht ist auch klar, dass das Land alleine die Finanzierung nicht stemmen kann und deshalb die Städte und Gemeinden zur Kasse bittet. "Doch die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis muss erlaubt sein", meint Lenningens Bürgermeister, dessen Gemeinde sich mit rund 2 000 Hektar am Albtrauf und auf der Hochfläche beteiligt.

Die UNESCO anerkennt weltweit Biosphärenreservate im Rahmen des Programms Mensch und Biosphäre zum Schutz typischer und einmaliger Kulturlandschaften. Ziel ist unter anderem der Schutz von Landschaften, Ökosystemen und Arten. Die Kernzonen sind in der Regel von jeglicher Nutzung ausgeschlossen. In den angrenzenden Pflegezonen ist eine schonende, naturnahe Landnutzung erlaubt.

In der Entwicklungszone, und das ist mit aktuell 64 Prozent der weitaus größte Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, wird es über bestehende Gesetze hinaus keine zusätzlichen Einschränkungen geben.

Wie Ministerpräsident Oettinger in Münsingen sagte, soll das künftige Modellgebiet bis 2011 kommen, "gerne etwas früher". Diese zeitliche Dimension hängt unter anderem auch hauptsächlich mit der Überprüfung durch die UNESCO zusammen.