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Landrat: "Jetzt spielen wir in der Bundesliga mit"

Es gehört zu den "Schätzen des Landes" und hat das Prädikat "Besondere Sehenswürdigkeit in der Region Stuttgart" erhalten. Das Freilichtmuseum des Landkreises Esslingen in Beuren hat die Jubiläumssaison 2005 erfolgreich abgeschlossen: Über 80 000 Besucher erkundeten heuer das Museumsdorf.

RICHARD UMSTADT

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BEUREN Mit einem stimmungsvollen Abschluss der Saison 2005 in der Beurener Kelter bedankte sich der Landkreis beim Team des Freilichtmuseums und dem Förderverein sowie bei vielen museumsbegeisterten ehrenamtlichen Helfern. Voller Stolz verkündete Landrat Heinz Eininger, der bekanntlich in seiner Freizeit in der Bürgermeister-Mannschaft kickt: "Unser Freilichtmuseum ist der Regionalliga entwachsen. Es spielt jetzt in der Bundesliga." Dabei verwies er auf die Besucherzahlen. Zum dritten Mal in der zehnjährigen Museumsgeschichte hätte die Statistik die 80 000er-Marke übersprungen. 2005 besuchten 80 970 Gäste das Museumsdorf, das Heinz Eininger zu den "Schätzen des Landes" zählte. Entsprechend würdigte der SWR in der gleichnamigen Reihe das Freilichtmuseum mit einem 30-minütigen Film.

Zwar standen die Schäfertage mit 4 700 Besuchern in der Publikumsgunst 2005 ganz oben, gefolgt vom "Moschtfescht" und dem Oldtimertreffen, doch Landrat Eininger war sich sicher: "Für mich war der Höhepunkt eindeutig die Jubiläumsnacht im Juli", mit der das Museum sein zehnjähriges Bestehen feierte.

Um in dieser Saison das Freilichtmuseum für Einzelgäste und Familien attraktiver zu machen, reduzierte das Museumsteam die Zahl der Veranstaltungen von 102 im vergangenen Jahr auf 85 in dieser Saison. Dennoch war der Besuch ungebrochen gut. Besonders interessant dabei ist die Tatsache, dass das Museumsdorf bei Schulklassen sehr beliebt ist. Inzwischen sind auch die Berufsschüler auf den Geschmack vergangener Zeiten gekommen, wie ein Pilotprojekt mit verschiedenen beruflichen Schulen des Landkreises zeigte. Ein Beleg mehr dafür, dass das Museumspädagogische Team auf dem richtigen Weg ist. 475 Gruppen leitete es an, das sind rund 12 000 Kinder und Jugendliche.

Zufrieden äußerte sich der Landrat auch über die Buchungszahlen der Führungen: Rund 8 000 Menschen in 350 Gruppen erkundeten unter fachkundiger Anleitung die Baugruppen Neckarland und Alb in den Beurener Herbstwiesen. Hinzu kamen 33 öffentliche Samstagsführungen für Einzelgäste.

"Unser Konzept ist aufgegangen", war sich der Landrat sicher: "Das Freilichtmuseum Beuren als jüngstes der sieben Einrichtungen in Baden-Württemberg hat sich als Erlebnisort und Lernort etabliert." Darüber hinaus freute sich der Kreisverwaltungschef über das Engagement der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, die ab 2006 das Freilichtmuseum des Landkreises unterstützen will. "Damit wissen wir einen verlässlichen Partner an unserer Seite, der die Fortführung der Museumsarbeit sichert."

Der Vorsitzende des Fördervereins des Freilichtmuseums, Wolfgang Maier, äußerte sich begeistert über das "Schmuckstück für die gesamte Region", entstanden aus 21 "Schandflecken" und "altem Klomp" und verwies ebenfalls auf die steigenden Besucherzahlen. Maier wusste um das gute Zusammenspiel zwischen dem 379 Mitglieder starken Förderverein und dem Museumsträger. Das Geheimrezept für den Erfolg aber sah er in der ehrenamtlichen Arbeit der vielen Freiwilligen, die sich um das Museumslädle und vieles mehr kümmern.

Eine Vision verfolgt Museumsleiterin Steffi Cornelius. Sie will gemeinsam mit ihrem Team das Freilichtmuseum Beuren bis 2010 zum besucherfreundlichsten und lebendigsten Museumsdorf machen. Unter dem Titel "Impressionen aus 2005" ließ sie die Saison Revue passieren.

Überhaupt bestimmten nicht Reden das Programm des Abends, sondern bewegte und beeindruckende Bilder, so etwa der SWR-Film über das Freilichtmuseum in der Reihe "Schätze des Landes" und der von Manfred Schäffer gedrehte Streifen "Abbau Haus Aichelau", eine interessante und anschauliche Dokumentation über die Arbeit der Zimmerleute beim schrittweisen Auseinandernehmen des alten Bauernhauses sowie über den Transport von der Alb in die Herbstwiesen. Mit dem Sketsch "Frau Scheufele und der Rundfunk" hatte das Theater der Generationen aus Wernau die Lacher auf seiner Seite.

Um die Altersgruppe der Berufsschüler an das Freilichtmuseum heranzuführen, wurden sieben Projekte ins Leben gerufen. Unter anderem drehten Schülerinnen und Schüler der Klasse 11 des Wirtschaftsgymnasiums der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule in Kirchheim gemeinsam mit ihrer Lehrerin Sylvia Weiß und dem Lehrer Jens Kaiser einen DVD-Filmbeitrag über das Leben Jugendlicher in vergangenen Zeiten und heute. Es ist schon sehenswert, mit wie viel Begeisterung die Jugendlichen in die verschiedenen Rollen schlüpften und Alltagsszenen "früher und heute" spielten.

Einen fantasievollen Abschluss des Abends bot der Nürtinger Märchenerzähler Andreas Haussmann mit seinem faszinierenden Märchen vom "Schlumperwald".