Lokales

Landrat pfeift Nürtinger Gemeinderat zurück

"Dr. Maier muss die Ermächtigung zu Röntgenuntersuchungen im Nürtinger Klinikum zurückerhalten" rund 1200 Bürger aus Nürtingen und Umgebung haben diese Forderung unterschrieben. Die Aktion des Nürtinger Gemeinderates stieß in der Bevölkerung auf breite Resonanz.

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Etliche Kilometer neckarabwärts, im Landratsamt in Esslingen, hat man die Initiative indes von Anfang an mit gemischten Gefühlen beobachtet. Landrat Eininger befürchtet einen Imageverlust für das Klinikum auf dem Säer.

Anfang der Woche hat der Kreischef mit dem Nürtinger Oberbürgermeister telefoniert. Nach eingehender Abwägung mit Landrat Eininger sei man übereingekommen, dass eine Intensivierung der Unterschriftenaktion dem Krankenhaus auf dem Säer eher schade als nütze, teilte Oberbürgermeister Heirich mit.

Heirich hat deshalb in einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden des Nürtinger Gemeinderates den schmalen Grat aufgezeigt, auf dem man sich bewegt. "Je mehr man die Versorgung kritisiert, desto mehr läuft man Gefahr, dem Haus zu schaden". Deshalb die Bitte des OBs an die Gemeinderäte, die Kampagne zu unterbrechen. Nichtsdestotrotz, so der Rathauschef, sei es ihm ein Anliegen, sich bei Gemeinderat und Bürgern für deren Engagement zu bedanken.

Die Hoffnung, dass am Klinikum auf dem Säer in absehbarer Zeit auch wieder ambulante Röntgenuntersuchungen möglich sind, hat Otmar Heirich noch nicht aufgegeben. Gerald Hauke, der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, hat sich am Dienstagnachmittag im Vorzimmer von OB Heirich gemeldet und um einen Termin für ein klärendes Gespräch gebeten.

Rund 1200 Unterschriften haben die Nürtinger Gemeinderäte in den zurückliegenden Wochen zusammengetragen. Alle Gemeinderäte, gleich welcher Couleur, haben am Info-Stand auf dem samstäglichen Wochenmarkt auf das Problem aufmerksam gemacht. Der Zulassungsausschuss hat dem Chefarzt der radiologischen Abteilung, Dr. Axel Maier, rückwirkend zum 1. Oktober die Ermächtigung für ambulantes Röntgen entzogen. Ursache ist eine aktuelle Bedarfsanalyse, aus der hervorgeht, dass der Landkreis Esslingen mit 160 Prozent bei Röntgenleistungen überversorgt sei.

Kreischef Eininger ist es in der derzeitigen Situation wichtig, aufzuzeigen, dass die medizinische Versorgung im Notfall für die Patienten gesichert und durch die Entscheidung der KV nicht beeinträchtigt ist. "Wir haben eine leistungsfähige Klinik auf dem Säer, die mit allen diagnostischen Möglichkeiten im Notfall zur Verfügung steht", betont Heinz Eininger. Auch er finde es "total ärgerlich", dass die Kassenärztliche Vereinigung die Zulassung von Dr. Maier zurückgenommen habe. Schon im September habe er deshalb an die KV geschrieben. Man habe aber die Rechtslage zu akzeptieren. Und das Krankenhaus sei auf eine gute Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten angewiesen, so Eininger.

Sowohl der Landrat als auch Krankenhausdirektor Schmid sind darum bemüht, das Nürtinger Krankenhaus aus den Schlagzeilen zu nehmen. "Unfallpatienten können im Nürtinger Krankenhaus selbstverständlich geröntgt werden", schreibt Krankenhausdirektor Siegfried Schmid in einer Pressemitteilung. Daraus geht weiter hervor, dass dies in einem Schreiben auch Oberbürgermeister Heirich mitgeteilt worden sei. "Damit stellt das Nürtinger Klinikum den auf einem Missverständnis beruhenden Inhalt einer Unterschriftenaktion des Nürtinger Gemeinderates richtig, in der das Gremium beklagt hatte, dass bei Kassenpatienten bei Sport- oder Verkehrsunfällen keine Röntgenaufnahmen mehr gemacht werden dürften", heißt es in der Pressemitteilung weiter. "Selbstverständlich dürfen wir röntgen, wenn Not am Mann ist, denn dann kommt der Patient ja nicht zum Chefarzt in die Sprechstunde, sondern in unser Krankenhaus, damit ihm schnell geholfen wird. Wir sind auch ambulant zur Hilfe in Notfällen berechtigt", so Krankenhauschef Schmid.

Offen ist derzeit noch, wie es mit dem zertifizierten Brustzentrum weitergeht, das vom Paracelsus-Krankenhaus in Ruit und dem Nürtinger Klinikum gebildet wird. Um das Zertifikat zu erhalten, müssen jährlich 5 000 Mammografien nachgewiesen werden. Mit dieser Mindestmenge von Untersuchungen soll sichergestellt werden, dass die Radiologen über ausreichend Erfahrung verfügen. Das Brustzentrum sucht derzeit nach Wegen, um die Mammografie-Mindestmenge und damit sein Zertifikat zu sichern. Krankenhausdirektor Schmid dazu in der Pressemitteilung: "Es wäre ein Schwabenstreich, wenn das mit viel Einsatz und Erfahrung erworbene Zertifikat mit einem Federstrich verloren ginge. Damit würde den Frauen im Kreis Esslingen eine hochqualifizierte medizinische Dienstleistung verloren gehen."

Auch Landrat Heinz Eininger lässt keinen Zweifel daran, dass man auch in Zukunft alles daransetzen will, die gute Qualität des zertifizierten Brustzentrums zu erhalten. "Wir versuchen, eine Lösung zu finden."