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Landwirte geben nicht klein bei

Fildergrund für eine zweite Startbahn, egal ob im Süden oder Norden, zuzubetonieren, zerstört nicht nur beste Filderackerböden, sondern vernichtet auch bäuerliche Existenzen, sagt Kreisbauernverbandsvorsitzender Siegfried Nägele. Deshalb lehnen die Landwirte im Kreis Esslingen die Flughafenerweiterung grundsätzlich ab.

RICHARD UMSTADT

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KREIS ESSLINGEN Auf den Fildern, die ohnehin durch die neue Messe und zusätzliche Verkehrswege belastet sind, sieht Siegfried Nägele, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Esslingen, keinen Platz für ein solches Mammutprojekt. Nachdenklich wiegt er den Kopf, wenn es um die von der Flughafengesellschaft vorgelegten Zahlen geht: "Wir halten ein jährliches Wachstum von 4,2 Prozent und eine Zunahme der Fluggastzahlen auf 17 Millionen bis 2020 für keine gute Entwicklung."

Würde der Ausbau des Flughafens kommen, so wären dadurch die Existenzen aller hauptberuflicher Gemüsebauern auf den Fildern ernsthaft bedroht. Bei der Nordvariante der zweiten Startbahn müssten konkret zwei Höfe weichen. Dabei wurde ein Betrieb erst vor sieben Jahren von Bernhausen auf die Scharnhausener Gemarkung verlagert, weil die Startbahn damals gen Osten verlängert wurde. Über eine Million Euro hatte der Landwirt für den neuen Hof investiert. Jetzt stünde er vor dem "Aus", würde die zweite Startbahn im Norden gebaut. Mit der Existenzvernichtung eng verbunden ist der Flächenverbrauch für die diskutierte Flughafenosterweiterung von 200 Hektar. "Beste Böden, die mit der Versiegelung unwiederbringlich verloren sind."

In diesem Zusammenhang erinnert Siegfried Nägele an die Zusage der beiden "Landesväter" Lothar Späth und Erwin Teufel, der Stuttgarter Flughafen werde nie und nimmer zum interkontinentalen Drehkreuz ausgebaut, und nach der neuen Messe sei Schluss mit Großprojekten auf den Fildern. Im Vertrauen auf diese Aussage der Politiker hätten viele Landwirte hohe Summen in ihre Betriebe investiert. "Es wäre deshalb konsequent und richtig von Ministerpräsident Günther Oettinger gewesen, zu sagen, so ein Projekt wird nicht verwirklicht", meint der Kreisbauernchef .

Ihre Entscheidung will die Landesregierung von zwei eigenen Gutachten abhängig machen. Deshalb wird der Bauernverband einen umfangreichen Fragenkatalog nach Stuttgart schicken, mit der Bitte, diesen in den Gutachten abzuarbeiten. Die Fragen betreffen unter anderem Themen wie Ausgleichsflächen, Auswirkungen einer zweiten Startbahn auf die Infrastruktur auf den Fildern, Arbeitsplätze, Naherholung, Klimaschutz und ein schlüssiges Landesflughafenkonzept.

Kritisch hinterfragt Siegfried Nägele die von der Flughafengesellschaft publizierte lineare Wachstumsprognose, zumal Passagiere mit der Bahn innerhalb kürzester Zeit von Stuttgart internationale Drehkreuze wie Frankfurt oder München erreichen können. Auch der West-Ost-Ausbau der Hochgeschwindigkeitstrasse sei bei der optimistischen Prognose nicht berücksichtigt worden, meint Nägele. Außerdem lasse sich bereits heute in Stuttgart die Kapazität von 10 auf 14 Millionen Fluggäste steigern. Jedenfalls sieht der Kreisbauernchef die Politik gefordert, sich angesichts wachsender Mobilität der Menschen für intelligentere Lösungen einzusetzen. "Beim bisherigen Flughafenkonzept nach dem Motto ,weiter so' fehlt uns einfach das innovative Moment, für das schwäbische Unternehmen so bekannt sind." Außerdem sei es volkswirtschaftlich höchst fraglich, in einen Standort, der nie und nimmer ein Großflughafen werden könne, jetzt über 600 Millionen Euro zu investieren.

Neben ökonomischer, ökologischer und landwirtschaftlicher Argumente führt Siegfried Nägele auch die Filder als Erholungs- und Lebensraum für rund 200 000 Menschen ins Feld. "Der darf künftig nicht im Lärm untergehen".

Klein beigeben wollen die Bauern im Landkreis jedenfalls nicht. "Wir sind im Dialog mit dem Landwirtschaftsminister Peter Hauk, aber auch mit vielen Landtagsabgeordneten aller Couleur, nicht nur im Kreis Esslingen", sagt Nägele. Ob die breite Front der Gegner Wirkung zeigt, wird sich im Frühjahr weisen, denn eine Entscheidung soll nach Ostern fallen.