Lokales

Lange Haftstrafe für Amokschützen

Der Esslinger Amokschütze, der mit einer Maschinenpistolen-Salve im „Bräustüble“ den Wirt schwer und drei Gäste leicht verletzt hatte, muss wegen versuchten Mordes, Kriegswaffenvergehen und Körperverletzung für zehneinhalb Jahre hinter Gitter. So entschied gestern das Stuttgarter Landgericht. Sein Freund, der nur zugesehen hatte, kam wegen Waffenvergehens mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon.

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Bernd Winckler

Stuttgart. Mit dem Urteil hat die Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts gestern den Schlussstrich im Fall des Esslinger Amokschützen gezogen. Ungeklärt war für das Gericht bis zuletzt, woher der Hauptangeklagte die Maschinenpistole und die dazugehörigen 480 Patronen hatte, die er nach eigenen Angaben im Stuttgarter Rotlicht-Milieu gekauft haben will. Dies allerdings nimmt ihm die Schwurgerichtskammer nicht ab.

Gezielt in Richtung Stammtisch gefeuert

Die Richter gehen davon aus, dass der 37-jährige Arbeiter die Waffe in seiner letzten Esslinger Wohnung, in der er mit seinem 27-jährigen Freund wohnte, in einem Schrank aufbewahrt hatte, bis er sie am 11. Juni dieses Jahres schließlich benutzte. Zuvor waren die beiden im Bräustüble in Esslingen – und wurden gegen Mitternacht vom Wirt des Lokales verwiesen, weil der 36-Jährige einen anderen Gast verbal beleidigte. Dass er dann die Maschinenpistole zu Hause holte und damit eine Salve in das Lokal abfeuerte, will er aber nur als Abschreckung gemacht haben.

Auch dies nimmt ihm das Gericht nicht ab. Vielmehr gehen die Juristen im Urteil davon aus, dass er nach dem Lokalverweis mit seinem Freund nach Hause ging, dort die Waffe auflud, einen Probeschuss abgab, und dann zurück vor die Gaststätte ging. Hier habe er von außen eine volle Salve gezielt in Richtung Stammtisch abgefeuert, an dem der Wirt und sieben weitere Personen saßen.

Dass diese Menschen an dem Tisch waren, habe der Angeklagte genau gesehen und darauf in Tötungsabsicht gezielt, sagte der Schwurgerichtsvorsitzende jetzt im Urteil. Damit sei der versuchte Mord in mindestens acht Fällen verwirklicht. Alle Stammtischgäste seien durch den „Kugelhagel“ in Todesgefahr gebracht worden. Dazu kommt der Vorwurf, illegal eine Kriegswaffe besessen und damit Menschen verletzt zu haben.

Der Wirt hatte einen Schuss in die Brust erlitten. Das Projektil musste ihm operativ entfernt werden. Er habe großes Glück gehabt, mit dem Leben davongekommen zu sein, stellte das Gericht fest. Zwei weitere Gäste erlitten Verletzungen durch Splitter und durch Querschläger. Insgesamt hatten durch das auf „Dauerfeuer“ eingestellte Magazin der Waffe 23 Projektile den Lauf verlassen und ihren Weg in die Gaststätte genommen. Dabei war auch ein hoher Sachschaden an Fenstern und Wänden entstanden. Alle Kugeln seien im Bereich des Stammtischs eingeschlagen, heißt es in dem Urteil.

Damit wiesen die Richter die Beteuerung des Schützen eindeutig zurück, er habe gar nicht in diese Richtung gezielt. Sein Freund, der bei der Schussabgabe nur zugeschaut hatte, war zunächst wegen Beihilfe zum versuchten Mord angeklagt gewesen. Diesen Vorwurf musste das Gericht fallen lassen, da der 27-Jährige glaubhaft versichern konnte, dass er nicht ahnte, was sein Freund mit der Waffe vorhatte. Allerdings wusste er von dem Besitz der Waffe und hätte ebenfalls Zugriff auf sie gehabt. Daher wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Er durfte gestern nach sechs Monaten Untersuchungshaft den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

Der 37-Jährige Hauptangeklagte, gegen den der Ankläger eine zwölfjährige Haftstrafe gefordert hatte, muss dagegen für zehneinhalb Jahre hinter Gitter.