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Lange Nacht, die kurzweiliger kaum sein konnte

Wer viel bietet, kann auch vielen etwas bieten. Die am vergangenen Samstag mit unterschiedlichsten Offerten aufwartende große "Geburtstagsfeier" zum zehnjährigen Bestehen des Beurener Freilichtmuseums konnte das nachhaltig unter Beweis stellen. Dass das Fest schon vor Beginn ausverkauft war, verwunderte nicht.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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BEUREN Die 1 100 Besucherinnen und Besucher, die sich Karten im Vorverkauf gesichert hatten, konnte das weitläufige Museumsgelände gut verkraften. Zu Engpässen kam es dagegen immer wieder bei den zurecht überaus begehrten Einzelveranstaltungen. Eine verlässliche Chance, tatsächlich zu den besonders begehrten Veranstaltungsorten mit begrenzter Platzkapazität vorzudringen, hatten eigentlich nur diejenigen, die sich schon lange vor Beginn in die erste Reihe stellten und geduldig warteten in lauer Sommernacht im Kreis gutgelaunter Geburtstagsgäste wäre auch das sicher kein allzu großes Problem gewesen. Dennoch kam es aber gelegentlich zu ungeduldigen Drängeleien, was die insgesamt tolle Stimmung in fantasievoll illuminierter Umgebung für manche Besucher doch etwas trübte.

Langeweile oder schlechte Laune konnten aber dennoch kaum aufkommen, denn schon das Rahmenprogramm der "Nacht der Möglichkeiten" hatte vielseitige Angebote parat. Mit Musik von der Renaissance bis zur Gegenwart wurden die vielen Besucher gleich am Eingang von den Mitgliedern der Esslinger Gruppe "Spielleut" freundlich begrüßt, die mit ihren historischen Instrumenten später dann auch im Innenhof für den passenden musikalischen Rahmen sorgten.

Unterschiedliche Handwerksvorführungen in und vor den verschiedenen Museumshäusern waren vor allem am frühen Abend sehr beliebte Fotomotive. Ein wichtiger Publikumsmagnet war neben den eingerichteten Versorgungsstellen natürlich auch die historische Museumsküche, die neugierigen Geburtstagsgästen mit dem einen oder anderen "Versucherle" Appetit auf heimische Spezialitäten machte.

Der beliebte Tante-Helene-Laden war ebenfalls geöffnet und wurde "Neulingen" gerne vorgestellt. Im ganzen Museumsdorf das zum zehnjährigen Bestehen in ständig sich wandelndes farbiges Licht getaucht wurde gab es viel zu sehen und zu entdecken. Vor allem auch das moderne Open-Air-Kino mit "museal" anmutenden Einblicken in die Welt der Werbung der 50er Jahre bereitete den Besuchern sichtlich viel Vergnügen.

Im Keller des Eingangsgebäudes trieb aber zunächst der leidenschaftliche Schwabe "Herr Hämmerle" alias Bernd Kohlhepp gleich mehrfach sein kabarettistisches Unwesen und hatte in der ersten Vorstellung mit "Karl-Heinz aus Beuren" und "Tina aus Aachen" sofort "ideale Opfer" im Publikum gefunden, die dann eine ganze Vorstellung lang Zeit hatten zu überlegen, ob im Kabarett in den vorderen Reihen wirklich die besten Plätze sind. Auch wenn "Hermann" als dritter "Hämmerle-Vertrauter" ausgerechnet an der alles entscheidenden Stelle seinen Text vergessen hatte, reichte es aber trotzdem noch zu der vom begeisterten Publikum erst noch mit vollem Körpereinsatz zu erbettelnden Zugabe.

Das virtuose Ensemble "Sprechreiz" aus Stuttgart präsentierte sich in der für den begeisterten Zuspruch natürlich viel zu kleinen Beurener Scheune mit immerhin gleich vier Auftritten in Sachen "Impro.Theater.Sport". Das Element "Wasser" hatte es den Künstlern dabei in einer ihrer spontan entwickelten Vorführungen ganz besonders angetan. Dem doch sehr weit gefassten Thema gewannen sie dann in freier Improvisation und unter "tätiger Mithilfe" des Publikums unterschiedlichste Variationen ab, die von Pantomime, Sketch und Gedicht bis hin zum Lied und selbst noch zur Oper reichen mussten.

Auch Rock- und Bluesfans kamen beim Geburtstagsfest auf ihre Kosten, denn mit Werner Dannemann, Alexander Köberlein und Andy Schoy war das Konzert im Schafstall das nur die dort wohnenden Schwalben etwas aus ihrem gewohnten Alltagsablauf brachte in besten Händen. Während sich der ereignisreiche laue Sommerabend von der aufkommenden Dämmerung immer mehr in die Dunkelheit hinein bewegte, arbeiteten viele Akteure zuletzt zunehmend mit Licht und spielten dabei auch immer häufiger erfolgreich mit dem Feuer.

Mit wahrlich atemberaubenden Einlagen gelang es etwa den Feuerspuckern und Feuerjongleuren der Gruppe "Feuersbrunft" aus Esslingen, am Abendhimmel über dem Museumsdorf feurige Akzente zu setzen bis die übermächtige Konkurrenz der Pyrotechniker das Publikum genau eine Stunde vor Mitternacht einfach abwarb. Wer sich zu diesem Zeitpunkt in die vergleichsweise harmlose Welt der Kinowerbung aus den 50er Jahren hatte versetzen lassen, wurde bei der "jugendfreien Spätvorstellung" im Open-Air-Kino belehrt und zugleich gut unterhalten.

Dass "Vitamine gerettet" sind, "wenn man sie in Dosen bettet", konnte bei der nicht immer politisch ganz korrekten Dauerwerberevue genauso gelernt werden, wie etwa, dass wertvoller Würfelzucker täglich und "vor allem auch bei feierlichen Anlässen" gereicht werden könne etwa, wenn Mutti sich über ihre drei neuen elektrischen Küchenhelfer freuen kann, mit deren Hilfe die Pflege des ihr anvertrauten Heimes künftig noch viel mehr Spaß und Freude bereiten kann . . .

Auch Discofans kamen bei der langen Nacht mit dem kurzweiligen Mammutprogramm im zuvor noch als "Konzerthalle" genutzten Schafstall voll auf ihre Kosten. Mit "Hits der 70er und 80er Jahre" wurde offensichtlich der Publikumsgeschmack voll getroffen.

Den Höhepunkt der ausgelassenen Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen des Freilichtmuseums des Landkreises Esslingen stellte aber zweifellos das große Feuerwerk dar, mit dem das Museumsfest zugleich spektakulär ausklang. Mit bengalischer Bodenbeleuchtung in der Museumsfarbe "Grün" beginnend, arbeiteten sich die professionellen Pyrotechniker profund durch die Palette ihrer Möglichkeiten und immer weiter und höher in den Himmel hinein. Von sich kontinuierlich steigernden Bodeneffekten begleitet, tauchten die Feuerwerkskörper den Museumshimmel in ein dem Anlass entsprechendes "Gold", was dann zugleich auch das kaum mehr zu überbietende Schlussbild einer insgesamt begeisternden Geburtstagsfeier bildete.