Lokales

Langer Prozess

Wieder haben die Zeugen dem Gericht Hörner aufgesetzt. Die Juristen der siebten Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts sind verzweifelt: Im Verfahren gegen drei ehemalige Frickenhausener Diskotheken-Türsteher bereitet man sich daher auf einen sehr langen Prozess vor.

BERND S. WINCKLER

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FRICKENHAUSEN Auch der gestrige zweite Fortsetzungstermin war sozusagen prozessökonomisch "für die Katz". Die drei 30- bis 32-Jährigen, die bis zu ihrer Festnahme in verschiedenen Diskotheken in Frickenhausen, Bernhausen und Stuttgart als selbständige Türsteher tätig waren, sollen den Betreiber der Disko in Frickenhausen misshandelt und bedroht haben ebenso einen Disko-Geschäftsführer in Bernhausen und Stuttgart. Grund: Rücknahme einer Kündigung, beziehungsweise "Feindliche Übernahme vor den Disko-Türen..." (der Teckbote berichtete).

Allein um die gesetzlichen Fristen in diesem Strafprozess zu wahren, hatte die siebte Stuttgarter Strafkammer den Prozessauftakt auf den 5. August gelegt einen Samstag, was ungewöhnlich in der Justiz ist. Immerhin lautet die Anklage auf schwere räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung. Doch bei sich in Haft befindlichen Angeklagten muss innerhalb von sechs Monaten das Verfahren eröffnet sein, ansonsten gibt es keinen gesetzlichen Haftgrund mehr. Dem wollten die Richter hier vorbeugen und gleichzeitig ein schnelles Verfahrensende erreichen.

Damit ist es jetzt vorbei. Nachdem schon beim ersten Fortsetzungstag am 8. August die Zeugenbank leer blieb, weil die geladenen Zeugen einfach nicht erschienen, blickten die Richter der Strafkammer auch gestern fast ins Leere. Nur ein Polizeibeamter war der Ladung gefolgt und machte seine Angaben. Hinsichtlich des nächsten Zeugen konnte Strafkammervorsitzender Heinz Layher den Prozessbeteiligten nur die Information mit auf den Weg geben: "Zeuge urlaubsbedingt nicht erschienen!"

Vorsorglich haben die Juristen Verhandlungstermine bis Ende September eingeplant. Man geht davon aus, dass die "verhinderten Zeugen" irgendwann ihren Urlaub beendet haben. Wer dann trotzdem nicht kommt, wird von der Polizei zwangsweise in den Gerichtssaal vorgeführt. Nächster Termin ist der 30. August.