Lokales

"Lasst uns Licht sein"

Unter dem Motto "Lasst uns Licht sein" haben die Frauen des Polnischen Weltgebetstagskomitees ihre in ökumenischer Einigkeit verfasste Liturgie gestellt. Es basiert auf Jesu Zuspruch aus der Bergpredigt: "Ihr seid das Licht der Welt. "Im Epheserbrief, den die Verfasserinnen ebenfalls zitieren, heißt es: "Werdet, was ihr seid, lebt als Kinder des Lichts." Gestern haben Menschen rund um den Erdball diese Gottesdienstordnung gebetet. Damit verbanden sie die Hoffnung, dass Christen aller Länder ihr Licht für die anderen bündeln und die Zukunft dieser Erde im Lichte Gottes gestalten.

Löst der Auftrag, den uns die Frauen aus Polen da gaben, nicht einen hohen Erwartungsdruck in uns aus? Ein Missverständnis, zu dem es immer wieder kommt, ist das gut gemeinte Bemühen, selber das Licht Jesu auszustrahlen in Freundlichkeit, mit guten Taten und ermutigenden Worten. Das macht schnell müde und verkrampft und führt in die Überforderung und ins Versagen hinein. Bevor uns gesagt wird: "Ihr seid das Licht der Welt", hören wir die Verheißung: Das Licht ist in Jesus Christus, der wie eine Sonne ist, längst aufgegangen. Wir müssen es nicht schaffen. Unsere Aufgabe besteht darin, uns diesem Licht auszusetzen, uns so anstrahlen zu lassen wie der Mond. An und für sich ist er dunkel, aber das Licht, das von der Sonne auf ihn fällt, leuchtet und erhellt die Nacht. Wenn wir uns wie der Mond von der Sonne bescheinen lassen, bekommen wir Energie und Schwung, Kraft aus der wir schöpfen können. Dass das Licht wie ein großer Zaubermeister wirkt, konnten wir in der zu Ende gehenden Woche spüren, als uns die Wetterlage nach nebligen, trüben Tagen klare, helle, sonnendurchflutete Wintertage bescherte.

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Wenn Licht auf uns fällt, dann leuchten wir in unserer eigenen Farbe. Vielleicht ist es ein Zufall, doch wenn wir das Wort Licht betrachten, fällt auf, dass sich im Deutschen in seiner Mitte das Wort "Ich" befindet.

Für mich liegt darin eine große Befreiung. Christen müssen nicht aus eigener Kraft leuchten; es genügt vollauf, wenn sie als erleuchtete Wegweiser hin zum großen Licht fungieren. Margret Oberle Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde in Lenningen-Brucken