Lokales

Late-Night-Shopping auf Eis gelegt

Die Entscheidung fiel nicht leicht, doch sie ist unumstößlich: Der Kirchheimer City Ring hat das für September vorgesehene Late-Night-Shopping abgesagt. "Wir haben uns blutenden Herzens zu diesem Schritt entschlossen", teilen Karl Bantlin und Jochen Nägele mit. Aufgrund der neuen Baustelle am Alleenring ist den Händlern das Risiko zu groß, verärgerte statt zufriedene Besucher anzutreffen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Keine Frage: Das erste Kirchheimer "Mitternachts-Shopping" im vergangenen September war ein voller Erfolg. An diesem Abend stimmte einfach alles. Gut gelaunte Menschenmassen drängten sich bis spät in die Nacht bei Kaiserwetter in der Innenstadt. Allerorten sorgten Vorführungen, Aktionen und kulinarische Spezialitäten für Abwechslung. In den Geschäften ging es hoch her, und nicht nur einmal war zu hören: "Da komm' ich nächstes Jahr wieder her."

Doch daraus wird nichts, so viel steht fest. "Die Gemeinderatsentscheidung, bald die neue Baustelle am Alleenring zu eröffnen, können wir nicht akzeptieren", erklären City Ring-Vorsitzender Karl Bantlin und sein Stellvertreter Jochen Nägele. Knackpunkt ist die Tatsache, dass am Alleenring eine weitere Baustelle geplant ist, die voraussichtlich auf Höhe des Friseursalons Dorfschmid eine Vollsperrung erforderlich macht (der Teckbote berichtete). "Wie soll der Verkehr da bei einer Großveranstaltung funktionieren?" fragen Bantlin und Nägele. Sie führen den Erfolg des Mitternachts-Shoppings unter anderem auf die Sperrung der Unteren Max-Eyth-Straße für Autos zurück. Entspannt konnten die Besucher hier bei guter Unterhaltung bis zum Teckcenter flanieren, das ebenfalls eifrig mit vielen Angeboten mitmischte. Dass die Gäste die Chance nutzten, die Untere Max-Eyth-Straße als Fußgängerzone zu erleben, bewies der Andrang: Zeitweise war fast kein Durchkommen mehr.

"Ohne die Sperrung der Unteren Max-Eyth-Straße geht es nicht", verweisen Bantlin und Nägele auf die Tatsache, dass das Teckcenter dann quasi vom Geschehen abgehängt sei. Mit einer Sperrung geht es ihrer Meinung nach aber auch nicht, wenn bereits der Alleenring von einer Baustelle lahmgelegt wird. "Bei diesen Rahmenbedingungen lässt sich kein erfolgreiches Late-Night-Shopping durchführen", ist sich Jochen Nägele sicher und betont: "Die Erreichbarkeit der Innenstadt ist das oberste Gebot."

Die Sorge der in publikumswirksamen Aktionen erfahrenen City Ring-Vertreter: Die Stimmung unter den Besuchern könnte kippen, sodass der Schuss gewissermaßen nach hinten losgeht. Wer womöglich zwei Stunden im Auto festsitzt und das Late-Night-Shopping gar nicht erst erreicht, dürfte die Nase gestrichen voll haben, argumentieren die Geschäftsleute. "Negativ-Werbung ist das letzte, was wir gebrauchen können", spielt Karl Bantlin auf die Stimmung unter den Händlern an, die schon viele Monate lang unter der Schweinemarkt-Baustelle leiden.

"Wir sind gern wieder bereit, ein Late-Night-Shopping durchzuführen, aber nur unter besseren Voraussetzungen", betonen die City Ring-Vertreter übereinstimmend, dass die erfolgreiche Veranstaltung vorerst auf Eis gelegt wurde. Zu einem anderen Zeitpunkt, vielleicht nächstes Jahr, könne es durchaus wieder zu einem Event dieser Art kommen. Die Absage haben sich die Verantwortlichen nicht leicht gemacht, sondern zwei Sitzungen lang darüber gebrütet. Der Kirchheimer Händlergemeinschaft gebührt nämlich der Ruhm, die nächtliche Verkaufsaktion hierzulande gewissermaßen erfunden zu haben. Erfolg findet bekanntlich schnell Nachahmer. Schon dieses Jahr sind viele Städte im Schwabenländle in die Fußstapfen des Kirchheimer City Rings getreten und locken mit "Nachteinkauf" und ähnlichem.

Doch die Initiatoren wissen auch, dass sich der Erfolg keineswegs von selbst einstellt. Viel Zeit und Herzblut steckt in der Organisation eines solchen Events. Der personelle Aufwand für derlei Aktionen geht nach Auskunft der Geschäftsleute an die Grenzen des Leistbaren: "Das Risiko ist uns zu groß", winken sie nun ab.

Die Absage erfolgte quasi in letzter Minute, denn erste Vorbereitungen beispielsweise für die aufwändige Beleuchtung einzelner Stadtviertel liefen bereits. Doch damit ist's genug: "Wenn einem Steine in den Weg gelegt werden, muss man Prioritäten setzen", begründen die Händler ihren Entschluss und verweisen auf die einige Wochen zurückliegende Zusicherung seitens der Stadtverwaltung, dass die verkaufsoffenen Sonntage sowie das Late-Night-Shopping nicht von der neuen Baustelle tangiert würden. "Solche Aussagen müssen für uns verlässlich sein", kritisieren Bantlin und Nägele.

Alle Hände voll zu tun haben Kirchheims Geschäftsleute auch ohne die Sonderaktion. So steckt der City Ring gemeinsam mit dem Karree am Schweinemarkt schon in den Vorbereitungen für ein anderes Ereignis: Die Eröffnung der neuen Tiefgarage soll mit einem verkaufsoffenen Sonntag am 2. Juli gefeiert werden.