Lokales

Late-Night-Shopping in neuem Licht

Das Klassenziel ist knapp verfehlt, dennoch erfolgt die Versetzung. 75 Prozent der Hauseigentümer in der Kirchheimer Innenstadt sollten das neue Beleuchtungskonzept mindestens mitfinanzieren. Dann hätte die City nach Beschluss des Gemeinderates in neues Licht getaucht werden können. Bislang haben 68 Prozent zugesagt. Der Gemeinderat ist jedoch zuversichtlich, dass sich die Zahl noch erhöht und hat die Ausschreibung freigegeben.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker schilderte in der jüngsten Ratssitzung kurz die Bemühungen der Verwaltung, im Rahmen von mehreren Informationsveranstaltungen für das Beleuchtungskonzept zu werben. Weiter fanden die Anlieger der Innenstadtstraßen zwei Schreiben in ihren Briefkästen vor und wurden teilweise zu Einzelgesprächen gebeten. Dennoch beträgt die Beteiligungsquote jetzt nur 68 statt der noch im Juni 2005 geforderten 75 Prozent.

Zahlen sind jedoch bekanntlich geduldig. Erreicht ist das Quorum immerhin bei der Zahl der Lampen, die pro Haus je nach Lage desselben variieren kann. Dreiviertel der Beleuchtungskörper werden nun rein rechnerisch von den Anwohnern mitfinanziert. Diese tragen wiederum 75 Prozent der Investitionskosten. Aufgrund dieser Gesamtsituation plädierte die Oberbürgermeisterin dafür, die Maßnahme durchzuziehen. Die Befürworter des im Vorfeld heiß diskutierten neuen Beleuchtungskonzepts setzen auf eine Steigerung der Attraktivität der Innenstadt.

"Ziel wäre, zum 1. September die Beleuchtung umzusetzen", führte Geschäftskreisleiter Martin Zimmert aus. Am ersten Septemberwochen-ende will Kirchheim nämlich mit einem erneuten Late-Night-Shopping an den Erfolg dieser Veranstaltung im Vorjahr anknüpfen. Geeigneter Anlass, die Stadt in stimmungsvollem Ambiente zu präsentieren.

Mehrheitliche Zustimmung für die Freigabe der Ausschreibung signalisierte SPD-Fraktionsführer Walter Aeugle und verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass noch weitere Hausbesitzer aufspringen mögen: "Wir setzen auf die Dynamik des Konzepts." Gegen die Freigabe aufgrund des verfehlten Quorums sprach sich Sabine Bur am Orde-Käß im Namen der Grünen Alternativen aus. Diese konnten aus Kostengründen schon bislang nur begrenzt Begeisterung für die neue Beleuchtung aufbringen. Für die Freien Wähler insistierte Fraktionsführer Hagen Zweifel vehement auf den Fertigstellungstermin am 1. September, der allen sehr am Herzen liegen müsse. Mathias Waggershauser bekundete für die CDU Zustimmung und betonte, spät Entschlossene unter den Geschäftsleuten könnten erfreulicherweise mit wenig Aufwand ihre Fassaden "nachrüsten".

CIK-Vertreter Wolfgang Schuler äußerte gewisse Bedenken angesichts der Tatsache, dass die Beleuchtung zunächst in den Hauptachsen umgesetzt würde. Eine klare Absage erteilte Birgit Müller dem Konzept aus Sicht der Frauenliste. Jetzt werde das geforderte Quorum einfach uminterpretiert, ärgerte sie sich.

Bedenken aus den Reihen des Gemeinderats, dass erneut umfassende Baumaßnahmen in der Innenstadt für die Umsetzung des Konzepts erforderlich seien, suchte Zimmert zu entkräften. Es handle sich um mehrere sehr kleine Bauabschnitte. Meist seien nur punktuelle Aufgrabungen erforderlich, lediglich eine Linienbaustelle ließe sich nicht vermeiden. Bürgermeister Günter Riemer brach nochmals eine Lanze für die Konzeption und zeigte sich zuversichtlich, den einen oder anderen Anwohner noch ins Boot holen zu können. Zudem stellte er in Aussicht, die von vielen so gelobten Glaskugel-Lampen nach ihrer Demontage zum Verkauf anbieten zu wollen. "Für Partys und Gartenfeste sind die prima geeignet", meinte er und befand sich damit in absoluter Übereinstimmung mit der Oberbürgermeisterin, die auf den Kultstatus der Kugeln setzt: "Die 70er sind in."

Bei fünf Gegenstimmen, ebenso vielen Enthaltungen und 21 Befürwortern wurde die Ausschreibung freigegeben. Die Gesamtkosten, einschließlich der Beleuchtung markanter Punkte wie der Kastanie an der Maf oder des Marktbrunnens, werden voraussichtlich bei über 400 000 Euro liegen.