Lokales

Laute Nachtflüge rauben den Kreisbewohnern den Schlaf

LEINF.-ECHTERDINGEN Die Zahl der zivilen Flugbewegungen stieg um 0,5 Prozent an. Beim militärischen Flugverkehr verzeichnet Greiner in seinem Jahresbericht einen Anstieg von 8,6 Prozent. 925 Beschwerden flatterten 2003 auf den Tisch des Fluglärmschutzbeauftragten am Stuttgarter Flughafen. Das sind 183 mehr als im Vorjahr.

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Dass sich immer mehr Menschen über Nachtflüge beklagten, hat für Hermann Greiner einen Hauptgrund: Zwischen 4 Uhr und 4.30 Uhr werktags startete bis vor kurzem ein Propellerflugzeug, das im Auftrag des Verteidigungsministeriums Feldpost für die im Balkan stationierten Bundeswehrsoldaten nach Skopje flog. Den Ärger darüber kann Greiner gut verstehen: "Dieses Flugzeug riss viele Menschen gerade auch im Neckartal aus dem Schlaf."



In langwierigen Verhandlungen mit dem Verteidigungsministerium hat Hermann Greiner erreicht, dass die lärmintensive Propellermaschine erst um 5.30 Uhr abhebt: "Seitdem sind die Beschwerden zurückgegangen." Über den "kleinen Erfolg" freut sich Greiner. Seine Bitte, die Maschine erst um 6 Uhr starten zu lassen, wenn der Betrieb auf dem Flughafen beginnt, habe das Ministerium "aus logistischen Gründen" abgelehnt. Froh ist er, dass es weniger Nachtpostflüge gibt.



Von 6 bis 23 Uhr dürfen strahlgetriebene Flugzeuge in Stuttgart starten; bis 23.30 Uhr sind Landungen erlaubt. Innerhalb dieser Zeitspanne sind jedoch Ausnahmegenehmigungen zugelassen.



Ein Dauerärgernis für viele Bürger ist, dass etwa Fußballfans teilweise noch zu später Stunde abheben. Hermann Greiner: "Da muss man abwägen. Man fliegt sie schnell aus, um Ruhestörungen in der Stadt zu vermeiden." Dass auch Ferienflüge Ausnahmegenehmigungen erhalten, weiß der Experte: "Dann muss aber ein triftiger Grund vorliegen; etwa, dass wegen militärischer Flüge in die Golfregion der Luftraum überlastet ist."



136 Ausnahmegenehmigungen gab es 2003; das sind 32 mehr als im Vorjahr. "Ich prüfe jede einzelne und weiß, dass sehr sparsam von solchen Genehmigungen Gebrauch gemacht wird. Stets lag eine Begründung vor."



Auf militärische Flüge der US-Streitkräfte hat der Lärmschutzbeauftragte keinen Einfluss. "Ich habe den Kontakt gesucht", so Greiner. Obwohl sich die Verantwortlichen der US-Streitkräfte interessiert zeigten, sei die Zusammenarbeit seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 deutlich "kälter" geworden.



Schließlich sorgten laute Hubschrauber, die zum Beispiel bei Festen am Flughafen in häufiger Frequenz starteten und landeten, für Zoff. "Wir haben dafür gesorgt, dass die Belastung wegfällt", erwähnt Greiner einen weiteren Erfolg seiner Arbeit.



Beim Kinderfest des Airports am Sonntag tritt die Flughafengesellschaft nicht als Mitveranstalter von Vergnügungsflügen auf. Pressesprecher Andreas Veil: "Was private Veranstalter machen, können wir nicht steuern." Bei Rettungs- oder militärischen Flügen müssten Helikopter zu allen Tages- und Nachtzeiten fliegen.