Lokales

Lauter schlängelt sich durch Planung

Ortskernsanierung Oberlenningen: Bis Freitag können sich Bürger dazu äußern

Visionen sind noch bis Freitag im Rathaus Oberlenningen auf Papier gebannt zu sehen. Wie kann der Ortskern in Zukunft aussehen – diese Frage stellten sich fünf Planungsbüro und kamen alle zum selben Schluss: Den Flusslauf der Lauter als grünes Band ins Zentrum rücken.

Iris Häfner

Lenningen. Tempo 30 auf der Bundesstraße, eine Art Balkon zwischen Lauter und Marktplatz samt einer Art modernem Laubengang, die Lauter als Spielplatz nicht nur für Kinder, Stege über den lauschigen Bach und vieles mehr können sich die Planer im Herzen Oberlenningens vorstellen. Ein Büro geht sogar so weit, das Rathaus abzureißen und komplett neu zu bauen, und zwar so, dass vom Gasthaus Rössle der Blick frei ist auf das markante Schlössle. Die einen wollen großzügige Wege verwirklichen, die andern den ländlichen Charakter mit schmalen Kiespfaden weiter erhalten.

Für Diskussionsstoff ist also gesorgt und die Verwaltung um Neutralität bemüht. Möglicherweise noch vor den Sommerferien wird der Gemeinderat entscheiden, wohin die Reise gehen soll. „Was in den nächsten zehn Jahren nicht umgesetzt ist, muss unverzüglich auf den Prüfstand. Die Planung muss sich den Gegebenheiten anpassen“, steht für Bürgermeister Michael Schlecht außer Frage. Gewisse Fixpunkte sollen Bestand haben, anderes kann sich je nach Bedarf und Geld ändern. Der Schultes spricht daher von einer dynamischen Konzeption. Auch deshalb hat sich die Gemeinde nicht für einen klassischen Wettbewerb sondern für eine Mehrfachbeauftragung entschieden.

Ein 40-prozentiger Zuschuss aus ELR-Mitteln und die Aufforderung des Landkreises, die Möglichkeit dieses Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum zu nutzen, gab den Ausschlag, dass sich Lenningen mit der Entwicklung Oberlenningens intensiv auseinandersetzt, obwohl die Ortskernsanierung in Unterlenningen noch nicht abgeschlossen ist.

Das Büro mquadrat aus Boll übernahm die Mehrfachbeauftragung. Fünf Büros wurden gebeten, ihre Visionen einer Neugestaltung der Ortsmitte Oberlenningens auf Papier zu bringen. Der Gemeinderat gab einige Punkte an, die er berücksichtigt haben wollte, und auf ein umsetzbares Konzept legte er großen Wert. Zwingend mit im Boot sein mussten zudem ein Verkehrsplaner und ein Landschaftsarchitekt. Drei Monate hatten die Büros Zeit für die Ausarbeitung, dann stellten sie ihre Pläne in einer nicht öffentlichen Sitzung dem Gemeinderat vor.

„Mit den Grünanlagen wird gespielt“, fasst Michael Schlecht den gemeinsamen Nenner aller Planer zusammen. Bei der Durchsicht der Skizzen haben Verwaltung und Gemeinderat erstaunt festgesellt, wie betriebsblind sie waren. „Die Lauter ist unsere grüne Lunge in Oberlenningen. Außerdem zieht sie sich durch viele Ortsteile“, so Michael Schlecht. Zwei größere Bereiche entlang des Gewässers haben die Planer unisono herausgearbeitet: beim Sportplatz beziehungsweise Freibad und von den Herrschaftsgärten bis zur Firma Scheufelen.

Bewusst war allen Beteiligten der neuralgische Punkt B 465. Vor allem die schweren Kieslaster, die ständig durch den Ort brausen, sorgen bei den Fußgängern für Unbehagen. Warum also nicht das Tempo auf 30 Kilometer pro Stunde zwischen Schneckenbrunnen und Gasthaus Rössle reduzieren? Auch mit der schwierigen Verkehrsführung am Schillerplatz hatten sich die Planer auseinanderzusetzen.

Wichtiger Punkt bei der Planung der Oberlenninger Ortsmitte ist das Rathaus. Das Gebäude wurde in der Nachkriegszeit erbaut und bis heute mehr oder weniger in diesem Zustand belassen. Nur bedingt erfüllt es daher die Anforderungen der heutigen Zeit und schon seit Jahren diskutiert der Gemeinderat, ob die Verwaltung an einem Standort zusammengeführt werden soll. Wegen der angespannten finanziellen Lage Lenningens schob der Gemeinderat die Entscheidung immer wieder hinaus. Sanierung und Anbau oder gar ein kompletter Neubau aus energetischen Gründen – diese Frage steht nun erneut im Raum. Zur Sprache kommt dann auch, ob in diesem Zuge eine Tiefgarage gebaut wird oder nicht.

Die Pläne stoßen auf reges Inte­resse vor allem bei den Oberlenningern. Ausdrücklich erwünscht ist die Meinung der Bürger. Welche Planung sie favorisieren, welche Anregungen sie zudem haben oder was ihnen gar nicht gefällt, das können sie auf einem vorbereiteten Fragebogen äußern und in die Urne werfen.

Pläne der folgenden fünf Büros hängen noch bis Freitag im einstigen Sitzungssaal des Oberlenninger Rathauses: Architekturbüro Professor Gerd Baldauf, Stuttgart, von Bock Architekten, Göppingen, Architekturbüro Otto & Hüfftlein-Otto, Stuttgart, Architektenwerkgemeinschaft Weinbrenner, Single, Arabzadeh, Nürtingen, und Zoll Architekten Stadtplaner, Stuttgart.

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