Lokales

Leben und Kunstschaffen untrennbar verbunden

WEILHEIM Er war ein Meister seines Fachs, ein Künstler, der seine Werke in der Bauhaus-Tradition schuf und die Menschen seiner Umgebung gerne an seiner Kunst teilhaben ließ. 1953 war der 1911 in Breslau geborene Martin Domke nach

Anzeige

ANKE KIRSAMMER

Hepsisau gezogen, um sich in der Ruhe des beschaulichen Ortes seiner Arbeit widmen zu können. Am vergangenen Montag ist Professor Martin Domke im Alter von 93 Jahren gestorben. "Ich habe mein ganzes Leben lang gekämpft", hat der Maler und Bildhauer einmal gesagt. Das Einschlagen der Künstlerlaufbahn gegen den Willen des Vaters, das Malverbot durch die Nazis, die Flucht am Ende des Zweiten Weltkriegs die Reihe der Hürden ließe sich fortsetzen. Als späte Genugtuung empfand es der 87-Jährige 1999, dass von ihm geschaffene Grafiken und Bilder in der Sammlung der Bauhaus-Universität und in der Kunstsammlung zu Weimar, der europäischen Kulturhauptstadt des Jahres, präsentiert wurden. Im Ausstellungskatalog "Aufstieg und Fall der Moderne" war neben Bildern von Paul Klee und Lyonel Feininger seine 1950 entstandene Kaltnadelradierung "Tanzmaschine" zu sehen.

Nach einer siebenmonatigen Wanderschaft durch Deutschland hatte der gelernte Dekorationsmaler Martin Domke 1928 an der Kunstakademie seiner Heimatstadt das Studium aufgenommen. Schon bald bekam er Auszeichnungen und avancierte zum Meisterschüler. Oskar Schlemmer, Oskar Moll und Georg Muche gehörten zu seinen Lehrern. Im Sommer 1931 reiste Martin Domke durch Italien, wo er unter anderem Gast der Villa Massimo in Rom war. Über den Krieg rettete sich der Künstler als Handwerkspfleger in Oberschlesien und betreute Leute, die Spielzeug herstellten. Nordhausen im Harz war das erste Ziel nach der Flucht. Im Herbst 1949 wurde er als Dozent an die Staatliche Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst in Weimar berufen, wo er bis Ende 1951 als Professor tätig war. Der Weggang in den Westen war politisch begründet: "Ich wollte mich nicht vor den Karren einer Ideologie spannen lassen", so lautete seine Begründung. Den Weg nach Hepsisau fand Martin Domke 1953 durch einen schlesischen Kunstfreund, damals Leiter des Michaelshofs. "Von meinem Atelier-Häusle schaue ich rechts aufs Dorf mit der Limburg, links zum Mörikefelsen hinauf. Darunter rauscht der Zipfelbach. Im Rhythmus mit dieser ursprünglichen Umwelt lässt sich's gut schaffen", schrieb Martin Domke in seiner 1997 erschienen, weit über 500 Seiten umfassenden Autobiografie "Leben und Werk".

Die Tür zu seiner Klause am Ortsrand, dem ehemaligen Musik-Häusle, das er 1955 bezog, stand stets offen. Nirgendwo sonst war wohl die Verschlungenheit von Leben und Kunstschaffen Domkes so offenkundig wie in dem Atelier, in dem sich Zeitungsausschnitte, Entwürfe, Briefe, Bilder und Fotografien neben Bett und Kühlschrank auftürmten. Für kunstinteressierte Besucher nahm sich der Eremit gerne Zeit, erläuterte ihnen seine Experimente mit Ton, Stein, Zement, Metall oder Glas, erzählte aus seinem Leben und präsentierte nicht ohne Stolz Werke seiner Porträtkunst, Aktstudien, Landschaftsbilder, Mosaike, im Garten aufgestellte Bronzefiguren und nicht zuletzt Vorarbeiten und Fotografien zu seinen Kirchenfenstern. Ob in der Stank-Blasii-Kirche in Nordhausen, in der Friedenskirche in Düsseldorf oder in der Waiblinger Michaelskirche bestechend ist die besondere Leuchtkraft und der Ausdruck der Fenster. Das entscheidend "Neue" in der Glaskunst Domkes war seine Rückkehr zu einer ursprünglich mittelalterlichen Technik. Er hatte sich auferlegt, jedes noch so kleine Detail wie Finger und Augen nicht aufzumalen, sondern sie mit Blei zu unterteilen. Auch die Kirche in Hepsisau hat Domke mit seinen Glasfenstern ausgestattet. Selbst als der Weg hinunter ins Dorf für den betagten Künstler immer beschwerlicher wurde, begleitete er Schulklassen aus dem Schullandheim Lichteneck in die Kirche, um die von ihm gefertigten Fenster zu erklären.

Auch sonst hat Martin Domke in der Umgebung Spuren hinterlassen: So am Kindergarten Egelsberg das Mosaik mit dem Titel "Michaels Kampf mit dem Drachen", den Januskopf an der Weilheimer Realschule, das Franziskusmosaik an der gleichnamigen Kirche in der Limburgstadt, die "Hepsisauer Madonna" im Trauzimmer, das immer sehr viel Gesprächsstoff liefernde "Liebespaar" in der Gemeindehalle, die "Kugelfrau" Symbol der Fruchtbarkeit in der Ortsmitte und das Ehrenmal für Gefallene auf dem Friedhof in Hepsisau.

Dort wird Martin Domke seine letzte Ruhe finden. Die Trauerfeier findet am kommenden Samstag, 12. März, statt. Aus der eigenen Werkstatt des Künstlers stammt die Bronzeplastik, eine Verkörperung von Pfingsten, die das Grab von Professor Martin Domke zieren wird.