Lokales

Leben wie vor 100 Jahren

LA CROSSE Wenige Tage nach der Ankunft in La Crosse stand für die deutschen Schüler ein Ausflug zu den Amish People auf dem Programm. Das sind Familien, die wie vor 100 Jahren leben. Sie haben kein elektrisches Licht, kein fließendes Wasser, keine elektrischen Maschinen und keine Knöpfe und keine Reißverschlüsse an ihren Kleidern. Ursprünglich stammen die Amish aus Deutschland, deshalb sprechen sie unsere Sprache auch nahezu perfekt. Sie wanderten aus, um einen kleinen Teil Amerikas zu besiedeln. Ihr Leben findet außerhalb weltlicher Einflüsse statt, und Bildung spielt eine untergeordnete Rolle. Die Amish besuchen die Schule nur acht Jahre lang und in dieser Zeit ist es vor allem wichtig, Deutsch zu lernen, um die Bibel, die sie aus Deutschland mitgebracht haben, zu verstehen. Nach der Schulzeit gründen sie ihre eigenen Familien oder helfen den Eltern auf dem Hof. Ein Ehepaar der Amish hat im Durchschnitt gut zehn Kinder, weshalb die Familienverbände recht groß sind.

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Wir Deutschen haben uns also um neun Uhr an der Central High School getroffen und sind dann mit dem Bus in den etwa eine Stunde entfernten Ort Cashton gefahren. Dort stieg Kathy, die uns durch die Siedlungen der Amish führen sollte, zu. Kathy erzählte uns über Geschichte, Herkunft und das alltägliche Leben der Amish, während der Bus uns zu unserem ersten Stopp brachte: Eine Käsefabrik, die von den Amish People gegründet wurde. Dort konnten wir durch ein Fenster in die Produktionshalle blicken, und in einem kleinen Laden Käse kaufen und probieren. In der Amish-Bäckerei bekamen wir zum ersten Mal amische Menschen zu Gesicht. Sie waren tatsächlich schlicht, ohne Knöpfe und Reißverschlüsse gekleidet. In der Bäckerei wurden Leckereien, die die Amish gebacken hatten, verkauft. Während einige Kuchen oder Kekse kauften, bestaunten andere das Gefährt der Amish: Eine Kutsche, die von Pferden gezogen wurde und von den Amish "Buggy" genannt wird.

Nachdem genügend Erinnerungsfotos gemacht wurden, fuhren wir weiter zu Familie Housebugger, die mit Kathy befreundet ist. Hier zeigte uns Mister Housebugger seine Werkstatt, in der er und seine Familie Körbe aus Holz herstellen. Nach dieser letzten Rast brachte uns der Bus zurück nach Cashton zu der etwas abgelegenen Häusergruppe, die Kathy mit ihrer Familie bewohnt. Dort konnten wir uns in einigen Läden, die Produkte der Amish verkauften, umsehen oder Andenken kaufen. Dann brachte uns der Bus wieder zurück nach La Crosse, wo wir nach fünfstündiger Tour von unseren Gastfamilien abgeholt wurden. Der Ausflug war interessant, weil wir uns jetzt auch vorstellen können, wie diese Menschen tatsächlich leben.