Lokales

"Lebendiges Brot, das vom Himmel kam"

Bei sommerlichen Temperaturen haben gestern die katholischen Christen in Kirchheim, Weilheim und Lenningen Fronleichnam gefeiert. Das Fest der Eucharistie geht auf Papst Urban IV. zurück, der es 1264 als "Feier des Leibes Christi" zum allgemeinen kirchlichen Fest erhoben hat.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM An der Wand der Volksbank prangte ein Transparent, das von Philipp Nowak gemalt wurde. Es zeigte einen Kelch, auf dem die Worte des Kirchenvaters Augustinus standen: "Seid, was Ihr empfangt, und empfangt, was Ihr seid: der Leib Christi". Unter diesem Motto fand für die Gesamtkirchengemeinde Kirchheim zentral auf dem Marktplatz der Teckstadt das Fest "des Leibes und Blutes Christi" statt. Bewusst hatte der Lithurgische Leiter der diesjährigen Kirchheimer Fronleichnamsfeier, Vikar Thomas Müller, Maria Königin, das Zitat des heiligen Augustinus zum Leitspruch gewählt, denn es charakterisiert, wie er in seiner Predigt sagte, den Doppelsinn des "Glaubensfestes": Zum einen symbolisiere das Brot, beziehungsweise die Hostie, die beim Abendmahl gereicht werde, den Leib Christi. "Gott ist in Christus selbst zum lebendigen Brot gerworden, das vom Himmel gekommen ist. Das bekennen wir, wenn wir mit der Monstranz durch die Stadt ziehen". Zum anderen seien alle Gläubigen selbst "Christi Leib und Glieder". Müller appellierte deshalb an die Teilnehmer der Eucharistiefeier, für andere "Brot" zu sein, wobei der Begriff Brot als Synonym für Zuwendung, Hilfe, Geborgenheit, Schutz und Liebe steht.

Auf das Motto "Leib Christi" ausgerichtet worden war auch die Gestaltung des farbenfrohen 2,40 Meter auf 1,20 Meter großen Fronleichnam-Blumenteppichs von Martha Mayer vor dem Altar vor dem Kirchheimer Marktplatz. Vier Frauen hatten 13 Stunden an dem kleinen Kunstwerk gearbeitet, in dessen Mittelpunkt die blaue Erdkugel, der Kelch und die Hostie standen. Als Materialien verwendeten die Frauen Hortensien, Maiskörper, Margeriten, Lorbeerblätter, Kaffeebohnen und Linsen.

Nach der Eucharistiefeier auf dem Marktplatz, die von der "Ulrichsband" musikalisch gestaltet wurde, zogen die Gläubigen in einer Prozession zur Sankt Ulrichskirche. Dabei machten sie unterwegs auf dem Rossmarkt Halt. Dort stand ein Altar mit einer Schüssel Salz, gemäß dem Leitgedanken: "Ihr sei das Salz der Erde". Die zweite Station vor der Ulrichskirche stand unter dem Motto: "Ihr seid das Licht der Welt". Die Stadtkapelle Kirchheim begleitete während der Prozession vom Marktplatz nach Sankt Ulrich die Lieder der Gläubigen.

An der Eucharistiefeier und der Prozession beteiligten sich nicht nur die katholischen Christen aus Kirchheim und seinen Teilorten sowie die Erstkommunikanten in ihren weißen Kommunionkleider. Es feierten auch die muttersprachlichen Gemeinden der Polen, Kroaten, Italiener und Portugiesen mit. Der Gottesdienst wurde zelebriert von Vikar Thomas Müller, Pfarrer Franz Keil und Pfarrer Winfried Hierlemann. Im Anschluss an die Prozession trafen sich die Mitglieder der Gesamtkirchengemeinde zur gemütlichen Hocketse vor dem Gemeindehaus Sankt Ulrich.

Auch in Weilheim und Oberlenningen saßen die Christen nach der Fronleichnamsfeier bei einem Gemeindefest zusammen. Während sich die Eucharistiefeier in der Limburgstadt um das "Licht der Welt" drehte, stellten die Lenninger "das Brot des Lebens" in den Mittelpunkt des Hochfestes der Katholischen Kirche.

Die katholischen Christen in aller Welt feiern Fronleichnam am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest am Ende der österlichen Zeit. Die Anregung zu dieser Feier entstammt einer Vision der Augustinnernonne Juliana von Lüttich im Jahre 1246. Am 11. August 1264 erhob Papst Urban IV. Fronleichnam zum allgemeinen Kirchenfest. 1273 wurde "vronlichnam" erstmals im Süden in Benediktbeuren gefeiert. Den besonderen Charakter erhielt dieses Fest durch die Prozession, die aus der Tradition der Flurprozessionen heraus entstand, wie sie heute in vielen rein katholischen Gegenden Deutschlands noch üblich sind.