Lokales

Lebenslustiger Ziegenbock trifft gottesfürchtigen Karl

Auf ihren neu gestalteten Ortskern sind die Beurener stolz. Ein durch Spenden finanziertes Kunstwerk soll nun auf dem Karlsplatz zum zusätzlichen Hingucker werden. Drei Künstler stellten in der Kelter ihre Entwürfe vor. Die Wahl der 103 Spender fiel auf ein Figurenensemble von Armin Bremicker aus Tübingen.

SYLVIA GIERLICHS

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BEUREN Nicht nur der ausführende Künstler, der in Beuren auch schon den Brunnen am Tiefhof des Rathauses gestaltet hat, auch der Termin der Eröffnung steht bereits fest. Am 8. September, beim Beurener Ortsfest, soll das Werk der Öffentlichkeit präsentiert werden.

"So eine Veranstaltung gab es in Beuren noch nie. Die Spender sollen mitentscheiden, welche Arbeit künftig den Karlsplatz zieren soll", begrüßte Bürgermeister Erich Hartmann die Besucher und blickte kurz auf die Geschichte der bereits in Balzholz und Beuren existierenden Kunstwerke zurück. Karl Buck, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Beuren lebte und mit dem damaligen Schultheiß Jakob Klass als Vater des Pietismus galt, und der Geißbock aus dem Wappen der Gemeinde sollten Bestandteile der Skulptur sein.

Bürgermeister Hartmann machte deutlich: "Die Beurener wünschen sich die Skulptur als Kunst zum Anfassen". Mit diesen Vorgaben wurden Armin Bremicker aus Tübingen, Silvia Siemes aus Beuren und Kurtfritz Handel aus Linsenhofen beauftragt, Entwürfe einzureichen. "Wir alle besichtigen auf unseren Reisen das Authentische, daher war für mich klar, die historische Gestalt des Karl Buck als Vorbild zu nehmen. Als väterliche Figur, mit seiner praktizierten Menschlichkeit und dem tiefen Glauben, passt er ideal ins Beurener Ortsbild", erklärte Kurtfritz Handel sein Modell.

Auf einem Schemel sitzend, archaisch, steif, mit einer gewissen Strenge präsentierte er seinen Karl, dem er als Variante einen Stuhl zur Seite stellte, auf dessen Lehne und Sitzfläche Karls Geschichte eingraviert werden solle. "Dieser Stuhl lädt den Betrachter gleichzeitig zum Sitzen ein, um mit dem Karl ins Gespräch zu kommen", erläuterte Handel. Ein Ziegenbock und zwei Gänse ergänzen die Skulpturengruppe, die Handel als Bronzeguss fertigen wollte. Die Gesamtkosten, inklusive Künstlerhonorar und Material, bezifferte er auf 46 545 Euro.

Silvia Siemes, die Kunststipendiatin des Landkreises Esslingen ist und seit zehn Jahren in Beuren wohnt, präsentierte ein avantgardistisches Tonmodell, das in der Originalausführung ein zwei Meter hoher Bronzeguss werden sollte und einen Mann mit Ziegenmaske darstellt, der einen Schritt nach vorne macht und gleichzeitig den Kopf über die Schulter nach hinten wendet. Das Mischwesen halb Mensch, halb Tier wollte die Künstlerin als Symbol für eine Gemeinde in Bewegung verstanden wissen. Der Ziegenbock als Wappentier erinnert an die Zeit, als man armen Bürgern Ziegen zur Ernährungsgrundlage gab, blickte auch sie auf die Geschichte des Ortes zurück. Damit stehe der Ziegenbock einerseits für Milch und Fleisch, andererseits für den Aufbruch in eine neue Zeit. Karl Buck dagegen sei das Symbol für das Althergebrachte, da er als strenger Pietist Neuerungen gegenüber sehr misstrauisch gewesen sei. Die Kosten für die Figur gab Silvia Siemes mit insgesamt 25 000 Euro an.

"Ich wollte nicht wie beim Brunnen am Rathaus nur das Schöne darstellen, sondern das ländliche Leben", begann Armin Bremicker seine Erläuterungen. Die Ziege symbolisiere gewöhnlich ein lasterhaftes Wesen, stehe für Lebenslust und habe daher im Christentum einen schweren Stand gehabt. Karl Buck hätte jedoch ein gottesfürchtiges Leben geführt, sodass vielleicht eine Übereinstimmung der Figuren in ihrer Gegensätzlichkeit zu finden sei.

Zum Ziegenbock geselle sich ein Zicklein als Symbol des Schwachen, das vom Starken beschützt werde. Ein Junge packe den Bock bei den Hörnern, was als Spiel, nicht als Akt der Gewalt zu sehen sei. "Bei Figuren im öffentlichen Raum kann man es kaum verhindern, dass Kinder aktiv damit spielen. Daher lasse ich den Jungen die Hörner so fassen, dass keine Verletzungsgefahr besteht", wies Bremicker auf einen wichtigen Aspekt hin. Die Figurengruppe wird ergänzt von einem alten Mann auf einer Bank, die am anderen Ende von einem jungen Mädchen gehalten wird. Die Bank stelle die Last der Zukunft dar, die von der jungen Generation getragen werden müsse.

Als Material kann sich der Künstler sowohl Bronze als auch Steinguss vorstellen. Die Kosten für das Gesamtensemble siedelte Bremicker bei insgesamt 80 000 Euro an. Er könne sich jedoch auch vorstellen, dass nur ein Teil der Figuren realisiert werde. Bremickers Entwurf löste viele Diskussionen aus. Die einen fanden ihn zu groß, manche fanden die Sitzposition des Mannes unrealistisch, wieder andere machten sich Sorgen um Graffitis, die das Kunstwerk verschandeln könnten.

Letztlich entschieden sich die Beurener jedoch sehr eindeutig für Bremickers Umsetzung. Allerdings in abgespeckter Version, wie viele auf ihren Stimmzetteln vermerkten. Die Feinabstimmung erfolgt jetzt durch den Gemeinderat.