Lokales

Lebensretter gehen bei klirrender Kälte gemeinsam aufs Eis

Im Ernstfall darf keine unnötige Zeit verstreichen, deshalb sind Übungen unerlässlich. In den vergangenen zwei Wintern starben in Deutschland vierzehn Menschen, nachdem sie in vermeintlich tragfähigem Eis eingebrochen waren. Im Kreis Esslingen brachen im gleichen Zeitraum ein Familienvater bei der Rettung seines Kindes und ein Mann beim Überqueren eines Sees im Eis ein und kamen im Wasser um.

KIRCHHEIM Damit im Ernstfall das Zusammenspiel der Einsatzkräfte reibungslos klappt, haben über 40 Retter der Feuerwehren Kirchheim, Nürtingen und des Bezirks der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bei klirrender Kälte an zwei Tagen verschiedene Rettungstechniken am, auf und unter dem Eis der Bürgerseen bei Kirchheim geübt.

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In der Feuerwache Kirchheim wurden die Übungskräfte zunächst in die Übungslage eingewiesen. Anschließend fuhren die Teilnehmer mit ihren speziellen Einsatzfahrzeugen zu den zugefrorenen Bürgerseen. Um möglichst realistisch zu üben, wurde ein Übungsteil am späten Abend durchgeführt. Hierbei leuchteten die Helfer der Feuerwehren die Übungsörtlichkeit mit leistungsfähigen Halogenscheinwerfern aus. Der Lichtschein reichte mehrere hundert Meter auf den See hinaus.

Ein weiterer Teil der Übung wurde nachmittags angesetzt. Zur Sicherheit der eigenen Übungskräfte wurde zunächst die Stärke des Eises geprüft. Nachdem das Eis als tragfähig beurteilt wurde, konnte mit den Übungen begonnen werden. Dabei konnten sowohl Feuerwehr als auch die Spezialisten der DLRG die Stärken und Schwächen der verschiedenen Rettungsgeräte und -techniken testen. So kamen verschiedene Leitern, Rettungsschlitten und spezielle Rettungsboote zum Einsatz.

Eine achtzig Kilogramm schwere Übungspuppe der Feuerwehr diente bei den verschiedenen Rettungsübungen sehr authentisch als eine in Not geratene Person. Mancher Retter hatte zu kämpfen und merkte bei der klirrenden Kälte schnell die körperliche Anstrengung.

Am zweiten Übungstag stiegen die DLRG-Einsatztaucher in das eisige Nass der Bürgerseen und trainierten das Tauchen unter Eis. Hierzu hatten zuvor die Übungskräfte ein Einstiegsloch in das Eis gesägt. Unter der über zehn Zentimeter dicken Eisfläche tauchten die Einsatztaucher in das eiskalte Wasser. Zum so genannten Signalmann an der Oberfläche waren sie mit einer Leine gesichert. Über diese Sicherungsleine gab der Signalmann durch Zugzeichen Signale an den Taucher weiter, damit dieser die zugewiesenen Bereiche systematisch und sicher absuchen konnte.

Die Feuerwehr versorgte die Übungskräfte mit wohltuend heißem Tee. Bei der Abschlussbesprechung zeigten sich die Einsatzleiter der Feuerwehren und der DLRG zufrieden mit dem Übungsverlauf und gemeinsamen Wirken der Kräfte. Die Kooperation steht bei der Rettung von Menschenleben stets im Vordergrund. Solche Übungen dienen dem Abbau von Schnittstellenproblemen zwischen den eingesetzten Organisationen. DLRG-Sprecher Bernhard Lohr sagte: "Gemeinsame Übungen sind für die Führungskräfte von Feuerwehr und DLRG, aber auch für alle eingesetzten Helfer notwendig. Dadurch werden Problemfelder und Grenzen aufgezeigt. Diese wollen wir erkennen, beurteilen und minimieren sowie unsere Einsatzmöglichkeiten optimieren."

pm