Lokales

Leftakis warnt vor Bruder Leichtfuß

Lange Reise, kurzer Prozess? Im Auswärtsspiel morgen bei Liga-Schlusslicht TSV Crailsheim gibt es für die Kirchheimer Regionalliga-Basketballer nur eine einzige Devise: Gegner nicht unterschätzen.

Besteht für die VfL-Basketballer wirklich die Möglichkeit eines Ausrutschers beim sieglosen Tabellenletzten, der seine Spiele mit im Durchschnitt 36 Punkten Rückstand verlor?

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Wenn ein Team in der Regionalliga prädestiniert ist, auf so unglaubliche Weise zu patzen, dann der VfL Kirchheim. Seit dem Sommer 2003 gab es nur ein einziges Spiel, in dem sich die Leftakis-Schützlinge nicht dem Niveau des Gegners angepasst hätten: Es war beim 91:45 beim SV 03 Tübingen 2 vor exakt einem Jahr. Ansonsten: Kantersiege Fehlanzeige. Und nun die Reise nach Crailsheim. Dem Team, das meist nur sieben Spieler aufbieten kann, dazu keinen Trainer, und das regelmäßig spätestens in der zweiten Hälfte von wirklich allen Mannschaften überrannt wird. Das einzig knappe Spiel lieferte die Zweitliga-Reserve, die das nur dem Namen nach ist, gleich zu Saisonbeginn zu Hause gegen Ludwigsburg (74:85). Dann ging es nacheinander gegen vier Topteams: Gegen Stuttgart waren es "nur" 31 Punkte Rückstand (77:108), in Schwenningen 50 (73:123), gegen Heidelberg/Kirchheim 26 (72:98), in Karlsruhe 56 (75:131). Selbst gegen die drei Kellerkinder Leimen (72:103), in Mannheim (71:115) und gegen Tübingen (94:114) gelang es nicht, den Gegner unter 100 Punkten zu halten.

Am vergangenen Wochenende setzte es beim TV Rastatt-Rheinau ohne dessen angeschlagenen Star Joel Nganko eine 71:131-Rekordschlappe. An alldem können auch die zahlenmäßig ganz ordentlichen Offensivleistungen nichts ändern: Der TSV macht pro Spiel immerhin 75 Punkte, das sind nur sechs weniger als der VfL, kassiert aber jeweils 112. Der zweitbeste Scorer der Liga und mit Abstand beste Deutsche muss sich da ziemlich fehl am Platz vorkommen: Die 26 Punkte pro Spiel von Flügelspieler Alexander Rüeck waren bisher immer verschenkt.

Dass vier weitere Spieler im Schnitt zweistellig punkten, liegt eher daran, dass sie sehr viel Spielzeit bekommen: mehr als sieben Akteure hatte Crailsheim wie gesagt in den letzten Spielen selten. VfL-Coach Theo Leftakis macht deshalb nur die Mentalität seiner eigenen Truppe ein wenig Sorgen: "Ich habe so eine Ahnung, dass wir mit einem Punkt gewinnen." Das war vor einem Jahr so, als viel Dusel zum 87:86 beim ebenfalls damals sieglosen Schlusslicht TSG Reutlingen nötig war.

Crailsheim ist allerdings noch erheblich schwächer. Deshalb schaut Leftakis eher auf seine Schützlinge denn auf den Gegner. Marco Stifel ist zwar zurück von seinem großen Urlaub, rief auch mal beim Trainer an, den angekündigten Weg ins Training fand er aber bisher nicht. Ebenso wie Jan Reiter, der am Dienstag unentschuldigt fehlte. Am Mittwoch beteiligte sich der VfL an der Aktion des Stadtverbandes für Leibesübungen (SfL) gegen die Sparpläne der Landesregierung und sagte wie alle Kirchheimer Vereine das Training ab. "Vielleicht tut der Mannschaft diese kleine Pause sogar gut, wir haben in den letzten Wochen schließlich so hart wie nie zuvor gearbeitet", zieht Leftakis sogar etwas Positives aus dem Politikum.

Drei Ziele hat der VfL also für die morgige lange Reise ins Hohenlohische (Spielbeginn 15 Uhr in der Sportarena): Ankommen, nicht unterschätzen, kurzer Prozess. Die kleine Siegesserie wäre dann zum Ende der Vorrunde auf drei ausgebaut und die Voraussetzungen für die Rückrunde, die bereits am kommenden Samstag mit dem Schlager gegen den TV Rastatt-Rheinau beginnt, wären Erfolg versprechend.

mad

VfL: Bouwmeester, Bruck, Goehrke, Hayden, Jorgusen, Kranz, Lenger, Lukic, Reiter (?), Tsouknidis, Weiß.