Lokales

Leichter zu planen

Fast 6 000 Viertklässler absolvieren jedes Jahr die Fahrradausbildung in einer der Jugendverkehrsschulen der Kreisverkehrswacht Esslingen (KVW). Damit alle zum Zug kommen, ist eine aufwändige und zeitraubende Planung nötig. Eine Diplomarbeit bringt nun wesentliche Erleichterungen für die Planer.

ULRIKE RAPP-HIRRLINGER

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KREIS ESSLINGEN Der Plochinger Informatikstudent Magnus Schwab hat im Rahmen seiner Diplomarbeit ein Computerprogramm entwickelt, das dem Verkehrserziehungsdienst der Polizeidirektion Esslingen, der gemeinsam mit der KVW die Radfahrausbildung trägt, die Arbeit erheblich erleichtert.

"Wir kooperieren damit zum ersten Mal mit der Wissenschaft", erklärt Udo Bufler vom Verkehrserziehungsdienst, der die Diplomarbeit von Seiten der KVW betreute. Viele Tage hatten er und seine Kollegen bisher über der Jahresplanung gebrütet, bis die vielen unterschiedlichen Kriterien unter einen Hut gebracht waren. Nicht nur Wünsche und Termine der Schulen, auch Ferien, Schullandheimaufenthalte, die Belegung der Plätze durch andere Nutzer und Veranstaltungen der Polizei galt es bei der Planung zu berücksichtigen.

Fünf Besuche in der Jugendverkehrsschule, aber immer nur einer pro Woche mussten für jede Klasse vorgesehen werden. Außerdem sollten Parallelklassen möglichst gemeinsam eingeplant werden, um Buskosten zu sparen. Zusätzlich muss auch mit den Jahreszeiten abgewechselt werden, "damit nicht etwa eine Schule immer in der kalten Jahreszeit dran ist", so Udo Bufler. Bei einer solch komplexen Planung sei es ein Riesenaufwand, etwas zu ändern: "Wenn Unvorhergesehenes passiert, kommt das subtile Planungsgebäude ins Wanken."

Warum nicht den Computer nutzen, dachte sich Udo Bufler und nahm Kontakt zur Universität Stuttgart auf. Dort war Informatikprofessor Dr. Erhard Plödereder gleich bereit, die KVW zu unterstützen. "Ohne sein Engagement für die Sache wäre mein Vorhaben zum Scheitern verurteilt gewesen", so Bufler. Eine Diplomarbeit zu diesem Thema wurde ausgeschrieben, und Magnus Schwab griff zu.

Der Student tüftelte ein Computerprogramm aus, das die Planung zu einem erheblichen Teil selbst übernimmt und den Verkehrserziehern damit nicht nur mehr als die Hälfte an Zeit spart, sondern auch alle Schulen gleich behandelt. "Die Fehlerquote geht damit gegen null", freut sich Udo Bufler über das Ergebnis. Zudem sei das Programm benutzerfreundlich.

Magnus Schwab hat die Aufgabe vor allem auch gereizt, "weil man am Ende ein Ergebnis sieht. Ich habe ein Produkt entwickelt, das auch wirklich eingesetzt wird." Dafür lernte er eigens die Programmiersprache Java. Der 25-Jährige kennt die Arbeit der Jugendverkehrsschulen aus seiner eigenen Kindheit. Weil ihm die Arbeit der KVW als gemeinnütziger Verein imponiert, hat er zugegriffen obwohl es für die Arbeit kein Geld gab: "Verkehrssicherheit ist eine wichtige Sache. Da fand ich es gut, etwas zu machen, was der KVW hilft."

Deshalb hat er auch weit mehr gearbeitet, als es eigentlich von seinem Professor gefordert war. Ihn trieb der Ehrgeiz, "dass das Programm alle Kriterien berücksichtigt und am Ende auch reibungslos funktioniert". 30 000 Zeilen Programmiercode habe er dafür geschrieben. Immer wieder traf er sich mit Udo Bufler, um die Software passgenau zu konzipieren.

Die Hauptschwierigkeit sei die Komplexität der Anforderungen gewesen. Außerdem sollte es alle Fehler des Benutzers auffangen. "Ich bin froh, dass ich die Herausforderung angenommen habe. Denn ich habe auch selbst viel dabei gelernt", sagt Magnus Schwab rückblickend. Nun hat die Kreisverkehrswacht Esslingen das neue Computerprogramm an den Verkehrserziehungsdienst der Polizeidirektion Esslingen übergeben.