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"Leistungsträger ziehen andere mit"

Vor 15 Jahren wurde in Rheinland-Pfalz damit begonnen, Haupt- und Realschulen zu so genannten Regionalen Schulen zusammen-zulegen. Dies sollte vor allem der zunehmenden Abwertung der Hauptschulen entgegen wirken. Nach anfänglicher Skepsis betrachtet auch Klaus-Peter Hammer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz das Modell als erfolgreich.

TOBIAS DORFER

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KÖNGEN In seinem Vortrag bei der GEW-Kreisversammlung in Köngen erklärte er warum. Das akademische Viertel wird eingehalten, aber dann muss es wirklich losgehen. Denn der Zug wartet schon anderthalb Stunden später auf den Referenten und dabei gibt es doch so viel Spannendes zu erzählen. Von Rheinland-Pfalz, dem Wunderland der Bildung. Laut dem Pisa-Vergleich liegen die Pfälzer zwar leicht hinter den Schwaben im Ranking aber eben nur knapp. Und die sozialdemokratische Kultusministerin Doris Ahnen investiert in die Bildung immerhin so viel Geld, dass nicht einmal die GEW richtig laut mäkeln mag.

Kernstück der Schulpolitik in Rheinland-Pfalz sind die Regionalen Schulen. Hier werden Haupt- und Realschule in einer Schule zusammengefasst, separiert wird erst relativ spät. 84 regionale Schulen gibt es heute, hauptsächlich in ländlichen Regionen. Grund für die Zusammenlegung war die immer geringer werdende Akzeptanz der Hauptschulen. "Welchen Abschluss die Schüler machen, wird erst spät entschieden", sagt Klaus-Peter Hammer. Denn beides ist möglich: Einen Hauptschulabschluss kann man an der Regionalen Schule genauso machen wie die mittlere Reife. Typisch für diese Schulform ist zudem die starke Beteiligung von Eltern. Sie stimmen mit über das Profil der Schule ab. Zudem werden Vereine und Betriebe stark in den Alltag einbezogen.

In der fünften und sechsten Klasse sind Haupt- und Realschüler in einer Klasse, anschließend kann differenziert werden. Ob, und wenn ja wann, differenziert wird, hängt von jeder Bildungseinrichtung selbst ab. Genauso die Stundenplangestaltung mit einem Freiraum von vier Stunden, der von jeder Schule individuell gefüllt werden kann etwa mit einer zweiten Fremdsprache. "Da sind die Schulen relativ frei", meint Hammer.

Für die Schüler gibt es verschiedene Leistungsstufen. Kinder in hohen Leistungsstufen müssen entsprechende Noten vorweisen. Wechsel in diesen Stufen sind möglich und zu jedem neuen Schuljahr auch durchaus an der Tagesordnung. Der Vorteil dabei: Die Schüler werden nicht sofort als Haupt- oder Realschüler gebrandmarkt, sondern können sich entwickeln. "Es gibt in solchen Schulen keine homogenen Klassen", sagt der Referent. "Die Leistungsträger ziehen die anderen mit."

Der Bericht hinterließ seine Spuren im Publikum. "Bei euch passiert richtig viel", meinte eine Zuhörerin in der Diskussion. Ob die regionalen Schulen auch ein Modell für Baden-Württemberg wären, sollte dort erörtert werden. Die Frage blieb jedoch unbeantwortet. Es fehlten einfach empirische Erhebungen, für eine Argumentationsgrundlage. Lieber hielten sich die versammelten Pädagogen mit dem Sinn und Unsinn von einheitlichen Abschlussprüfungen auf Landesebene auf, die es in Rheinland-Pfalz nicht gibt und in Baden-Württemberg schon. Ein positiver Ansatz, da waren sich die meisten einig, könnte die Regionale Schule auch für den Südwesten der Republik sein.