Lokales

„Leit-Wolf“ führte BDS zum Erfolg

Wolf-Rainer Bosch übergibt Vorsitz an Thomas Oßwald – Doppelspitze mit Bettina Schmauder

Ein Wechsel an der Spitze des Bundes der Selbstständigen (BDS) Kirchheim ist am Freitagabend im Mittelpunkt der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung in der Kirchheimer Schlosskapelle gestanden. Nach sechsjähriger Amtszeit hat der BDS-Vorsitzende Wolf-Rainer Bosch sein Amt an seinen Nachfolger Thomas Oßwald übergeben.

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richard umstadt

Kirchheim. Diesen Abend widmeten die Kirchheimer BDS-Mitglieder ihrem scheidenden Vorsitzenden Wolf-Rainer Bosch. In allen Reden, sowohl von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker als auch von BDS-Bundesverbandspräsident Günther Hieber, von Boschs Vorgänger Ewald Metzger sowie dem neuen Vorsitzenden Thomas Oßwald, wurde Wolf-Rainer Bosch als ein Mann gewürdigt, der engagierter Ideengeber und unermüdlicher Netzwerker zum Wohle der Kirchheimer Unternehmen, aber auch der Stadt und ihrer Bürger war. Angelika Matt-Heidecker nannte die unter seiner Ägide eingeführte High-Teck-Messe, die Verbundausbildung, das Eintreten um eine Wirtschaftsförderung, den Wirtschaftsbeirat und vieles mehr. Beispielhaft für Boschs Wirken zählte Ewald Metzger in seiner humorvoll gehaltenen und mit vielen Zitaten gewürzten Laudatio auf den „Leit-Wolf“ und „bekennenden Ostälbler“ drei Projekte auf: KIA, die Kirchheimer Initiative zur Ausbildungsförderung, den Preis der Wirtschaft, um Schülergruppen näher an die Wirtschaft heranzuführen und SWAP, Schule und Wirtschaft als Partner. Als Indiz der überzeugenden BDS-Arbeit unter Führung von Wolf-Rainer Bosch wertete er auch den Mitgliederzuwachs in dessen Amtszeit. Auf ein Zitat von Jean de la Fontaine verweisend „Wer Wolf ist, soll auch als Wolf sich geben“, charakterisierte Metzger den scheidenden Vorsitzenden als einen geradlinigen Menschen, der beharrlich, aber nicht stur, seinen Weg geht: „Tarnen und täuschen ist nicht Boschs Sache.“ Dabei zollte der Redner im Namen des BDS Kirchheim Boschs Person und Leistung großen Respekt. Nicht selten habe er fünf BDS-Termine in einer Woche bewältigt, „wobei er nie den Eindruck eines Gehetzten machte“.

Heute steht der Bund der Selbstständigen Kirchheim glänzend da. Wie Präsident Günther Hieber sagte, ist er mit 275 Mitgliedern nach Leinfelden-Echterdingen (291 Mitglieder) der zweitgrößte Ortsverband in Baden-Württemberg und Deutschland. „Sie haben den BDS in Kirchheim zum Erfolg geführt. Er wurde dadurch zu einem der wichtigsten Interessenvertreter des Mittelstandes in Ihrer Stadt“, bedankte sich Günther Hieber bei Bosch und erinnerte sich gerne an das Jubiläum anlässlich des zehnjährigen Bestehens des BDS Kirchheim und den Landesverbandstag in der Teckstadt.

Dicke Bretter bohren ist auch das Geschäft des Verbandspräsidenten, der in der Versammlung nicht allein auf die derzeitige Wirtschaftslage einging, sondern auch an seine Mitstreiter unter der Teck appellierte, dem Landesverband doch einen etwas höheren Obolus zuzugestehen. Und weil der Erfolg in der derzeitigen Situation ohnehin noch auf wackligen Beinen steht, forderte er die Banker auf, ihren Ermessensspielraum bei Kreditvergaben auszunutzen, warnte die Kommunen vor Hebesatzerhöhungen und trat dafür ein, die Gewerbesteuer ganz abzuschaffen und den Städten und Gemeinden stattdessen einen höheren Anteil an der Umsatzsteuer zu gewähren. Große Resonanz in der Politik habe der BDS-Bundesverbandsvorschlag einer Mitarbeiterbeteiligung in den Firmen erzielt. Dadurch könnte eine größere Bindung erreicht und Liquiditätsengpässe beseitigt werden, meinte Günther Hieber.

Wie Kirchheims Oberbürgermeisterin, so wusste auch Wolf-Rainer Bosch bei seinem Amtsantritt 2004 um die Notwendigkeit einer guten Kooperation des BDS mit der Stadt und dem Gemeinderat. Dass es dabei zu heftigen Diskussionen über die richtigen Wege kam, zum Beispiel bei der Wirtschaftsförderung, war der Sache nicht abträglich. Heute sitzt der BDS im Wirtschaftsbeirat und in der Arbeitsgemeinschaft der Stadt. Die Überlegung „Unternehmer denken immer auch als Bürger“ wiesen Bosch in dessen Arbeit den Weg. Als Highlight seiner Amtszeit bezeichnete er das BDS-Jubiläum und den Landesverbandstag.

Seinem Nachfolger übergibt Bosch ein wohl bestelltes Haus mit geordneten Finanzen und einer steigenden Mitgliederzahl. Die vielen positiven menschlichen Erfahrungen hätten den enormen Aufwand wieder wett gemacht, sagte der Vorsitzende und wünschte seinem Nachfolger eine glückliche Hand.

In Anerkennung seiner Leistungen wurde Wolf-Rainer Bosch mit stehenden Ovationen verabschiedet. Zur Silbermünze der Stadt, dem Präsent von Angelika Matt-Heidecker und dem „hochprozentigen Zielwasser“ des Verbandspräsidenten überreichten Bettina Schmauder und Thomas Oßwald dem Golfer Bosch einen Gutschein für ein Golf-Wochenende in Sankt Leon-Rot.

„Meine Lebenseinstellung ist es, unser Schaffen und unsere Energie nicht nur zum Erreichen persönlich verwertbarer Güter zu verwenden“, sagte der neue Vorsitzende Thomas Oßwald, der vor sechs Jahren in den BDS Kirchheim eingetreten war. Er sehe es als seine Verpflichtung an, sich zum Wohle aller und derer, die noch kommen, zu engagieren. Oßwald war sich dessen bewusst, dass er sich künftig an seinem verdienten Vorgängern messen lassen müsse. Wolf-Rainer Bosch habe den BDS-Gedanken durch sein zeitintensives Engagement gelebt. Um es ihm gleich tun zu können und dennoch die Verantwortung für seinen Betrieb, Oßwald ist Inhaber der Schreinerei Leibiger, übernehmen zu können, folgten BDS-Vorstand und Ausschuss dem Vorschlag einer Doppelspitze mit Bettina Schmauder. Da dies die BDS-Satzung bislang nicht vorsieht, schlug Thomas Oßwald für die nächste Mitgliederversammlung 2011 eine Satzungsänderung vor. „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit diesem Modell der Vereinsführung eine zeitgemäße Arbeitsteilung auch für künftige Amtsanwärter schaffen.“

In den neuen BDS-Vorstand wurden folgende Personen gewählt: Vorsitzender Thomas Oßwald plus Bettina Schmauder in der Doppelspitze, Steffen Kernstock, Jürgen Gall und Monika Kern, stellvertretende Vorsitzende, Jochen Hummel, Kassier und Olaf Neumann, Schriftführer. Die vier Kerngruppen leiten: Karin Battenschlag, Matthias Daiber, Susanne Rosenwirth und Frieder Schmidt, Kassenprüfer: Dietmar Ederle und Daniel Kranz.