Lokales

Lenningen startet Kleinkindbetreuung

Ab Januar stehen zehn Plätze im Unterlenninger Kindergarten für die Ein- bis Dreijährigen bereit

Zum neuen Jahr steigt die Gemeinde Lenningen in die Betreuung der Ein- und Zweijährigen ein. Verwaltung und Gemeinderat befürchten aber, dass viele Eltern ihre Kleinkinder außerhalb Lenningens ­betreuen lassen.

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NICOLE MOHN

Lenningen. Die Vorbereitungen auf das neue Angebot laufen im Unterlenninger Kindergarten seit Wochen auf Hochtouren. Räumlich wird alles auf die Bedürfnisse der Kleinen abgestimmt. So werden speziell für die Kleinkindergruppe Podeste eingebaut, die zum Klettern animieren. Ein Ruheraum bietet Rückzugsmöglichkeit. Nischen und Ecken mit verschiedenen Spielangeboten zum Tasten, Fühlen, Erkennen und Hören laden zum Erkunden ein. „Die Kinder sollen bei uns mit allen Sinnen lernen“, so Kindergartenleiterin Martina Hirmer.

Geborgenheit und Wärme sind bei der Betreuung der Ein- und Zweijährigen besonders wichtig. Vor allem die täglichen Rituale sollen den Kindern Sicherheit und Orientierung geben. „Sie helfen ihnen dabei, Angst zu bewältigen“, erläutert die Leiterin. Auch eine feste Bezugsperson ebenso wie eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern ist fester Bestandteil der Arbeit in der Kleinkindgruppe.

Mit dem neuen Jahr soll das Angebot im Unterlenninger Kindergarten starten. Insgesamt stehen zehn Plätze für Ein- bis Zweijährige in der neuen Kleinkindgruppe zur Verfügung. Grundsätzlich sei auch denkbar, dass noch jüngere Kinder auf­genommen werden. „Das wird aber im Einzelfall zu entscheiden sein“, so Günther Kern vom Hauptamt.

160 Euro pro Monat soll die Betreuung in der Kleinkindgruppe pro Kind kosten – entsprechend weniger, wenn mehrere Geschwister in der Familie leben. Den Abmangel deckt der Beitrag indes kaum. Dennoch lehnte der Gemeinderat es ab, den von den kommunalen Spitzenverbänden empfohlenen Satz von 250 Euro pro Monat zu erheben. Man wolle sich stattdessen an den Kosten in benachbarten Kommunen orientieren.

Wie das Angebot genutzt wird, bleibt nun abzuwarten. „Wir haben erste Voranmeldungen, aber jetzt erst können wir offensiv in die Werbung gehen“, erklärt Günther Kern. Bürgermeister Michael Schlecht bezweifelt allerdings, dass Lenningen mit seinen Strukturen und dem Konzept der wohnortnahen Versorgung beispielsweise mit städtischen Angeboten mithalten kann: Mit der Wahlfreiheit, die Eltern nun ermögliche, die Betreuungseinrichtung frei zu wählen, werde Lenningen einige Kinder sicherlich an andere Anbieter verlieren.

In jedem Fall sei die neue Regelung für Lenningen unter dem Strich nachteilig: „Wir werden weniger Kinder haben, aber die Plätze vorhalten müssen und erhalten weniger Zuschüsse, da nur noch für die Plätze Fördermittel fließen, die tatsächlich belegt sind“, erläuterte Kern. Und für Schlecht steht fest: „Wir müssen interkommunal besser zusammenarbeiten.“ Denkbar sei zum Beispiel, dass Hochwang die Regelgruppen für beide Orte anbiete, Erkenbrechtsweiler die verlängerten Öffnungszeiten.

Die aktuelle Aufstellung zeigt, dass Lenningen derzeit ein ausreichendes Angebot an Plätzen hat und alle Gruppen gut ausgelastet sind. Ab dem Kindergartenjahr 2011/12 sind die Zahlen ohnehin wieder rückläufig. Im Vergleich zum Jahrgang 1994/95 hat sich die Zahl der Geburten nahezu halbiert.

Viele Neuerungen bringt die Fortschreibung des Kindergartenentwicklungsplanes nicht. Neben der Kleinkindgruppe und der Ausweitung der Öffnungszeiten in Hochwang bleibt das Angebot unverändert. Den wachsenden Aufgaben für die Kindergartenleitung trägt der Gemeinderat Rechnung: Martina Hirmer wird künftig nicht nur zu 25, sondern zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit für Aufgaben der Kindergartenleitung freigestellt. Für die Kleinkindgruppe fallen zusätzlich Personalkosten für 1,5 Erzieherstellen an. Nur 12,4 Prozent der Kosten wurden 2008 durch Elternbeiträge erzielt. Ein Wert, der sich auch im kommenden Jahr nicht weiter verbessern dürfte, so Kern. Das Grundprinzip der wohnortnahen Versorgung halte die Kosten hoch, da Synergien durch Gruppenzusammenlegungen begrenzt seien.

Bei einer Enthaltung segnete der Gemeinderat den Kindergartenentwicklungsplan ab. Abgelehnt wurde allerdings der Vorstoß von Gemeinderatsmitglied Georg Zwingmann, der den sieben Kindergärten gerne mehr Geld für die Umsetzung des Orientierungsplans zur Verfügung gestellt hätte. Hier bleibt es nach einem Mehrheitsbeschluss bei den 2 000 Euro, die die Verwaltung den Einrichtungen zu diesem Zweck an die Hand geben will.