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Lernbegleiter bieten individuelle Hilfen für Schüler

Individuelle Lernbegleitung für leistungsschwache Jugendliche bietet ein landesweites Projekt des Kultusministeriums. Eine erste Zwischenbilanz von Dr. Günter Klein, Leiter des Amtes für Schule und Bildung im Landkreis, fällt positiv aus. Inzwischen stehen über 70 Ehrenamtliche etwa 100 Schülern zur Seite.

UWE GOTTWALD

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KREIS ESSLINGEN Bei einem Erfahrungsaustausch in den Räumen der Nürtinger Volkshochschule wurde zweierlei deutlich: Die Ehrenamtlichen wurden gut auf ihre Aufgabe vorbereitet, doch der Bedarf ist längst nicht gedeckt.

An 15 Schulen im Landkreis sind die Lernbegleiter seit Anfang des Jahres tätig, vor allem an Hauptschulen, aber auch an der Kirchheimer Schule für Erziehungshilfe oder auch im berufsvorbereitenden Jahr an den Berufsschulen, wo es um den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt geht. Ziel sei es, so Dr. Günter Klein, bis zum Ende des Projektzeitraums möglichst über den gesamten Landkreis dezentrale Strukturen aufzubauen, um die Lernbegleitung möglichst flächendeckend anzubieten. Ob es dann dafür vom Land noch weitere Unterstützung gibt, darüber konnte der Schulamtsleiter allerdings keine Aussage machen.

Unterstützung brauchen die Ehrenamtlichen vor allem durch Qualifikation und Koordination. Dafür laufen bis jetzt die Fäden bei der Sozialpädagogin Friedrun Maute im Amt für Schule und Bildung zusammen. Bevor sie überhaupt mit Schülerinnen und Schülern zusammenkommen, werden sie im Verbund mit dem Landkreis Ludwigsburg, dem Rems-Murr-Kreis und der Stadt Stuttgart ausführlich geschult. Dabei geht es um Lernmodule in Deutsch und Mathematik, aber auch um Themen wie Lernstrategie, Motivation oder um Entwicklungsfragen im Jugendalter. Projektleiterin Maute bietet neben der Organisation und Leitung der Schulungen monatlich Treffen der fünf regionalen Lernbegleitergruppen an.

Ein Vorteil des Verbundes liegt auch darin, dass Kräfte gebündelt werden und neu hinzugewonnenen Ehrenamtlichen möglichst schnell an einem der Schulungsorte Kurse vermittelt werden können. Nach Auffassung des Amtes für Schule und Bildung wird es auf Dauer Bedarf an einer engen Begleitung von Jugendlichen geben, die seitens ihrer Familien nicht ausreichend unterstützt werden können. Eine pädagogische Ausbildung ist keine Voraussetzung für die Lernbegleiter. So waren zwar beim Erfahrungsaustausch einige pensionierte Schulpädagogen dabei, die sich völlig unentgeltlich als Lernbegleiter zur Verfügung stellen, genauso aber Engagierte, die ihre Erfahrungen aus anderen Berufstätigkeiten einbringen, wie zum Beispiel ein ehemaliger leitender Angestellter eines Automobilkonzerns.

Oder die gelernte Industriekauffrau, die mit ihrem Mann in Nürtingen einen Holzbaubetrieb führte, selbst Kinder groß zog und einen jungen Menschen von der Theodor-Eisenlohr-Schule betreut. Sein Lehrer Martin Nisi beteuert: "Ich bin sehr froh über diese Unterstützung." Nisi macht an diesem Fall aber auch deutlich, was mit individueller Begleitung gemeint ist: "Es geht erstmal darum, eine Beziehung aufzubauen." Nicht Mathe- oder Schreibübungen, sondern die Zubereitung von Gebäck stand auf dem Stundenplan, aus dem der Schüler später die Anfangsbuchstaben seiner Mitschüler formte. "Über diesen ganz sinnlichen Vorgang und durch die Erfahrung, dass sich erstmals jemand intensiv für ihn Zeit nimmt, kam die Motivation", so Nisi.

Dass die Lernbegleiter auf die individuelle Problematik eingehen und Zeit zur Verfügung stellen, die ein Lehrer in einer großen Klasse nicht aufbringen kann, wurde von Lehrern und Ehrenamtlichen als wichtiger Aspekt erfahren. Und auch von Eltern, wie ein Lernbegleiter bestätigt, der jedoch darauf hinweist: "So froh die Mutter über diese Unterstützung war, so deutlich musste ich ihr zeigen, dass mein Engagement Grenzen hat und sie nicht von der Aufgabe der Erziehung entlasten kann."

Solche Antworten zeugen von einer sorgfältigen Auseinandersetzung mit der Aufgabe. So sind Elternkontakte zwar möglich, beratende Elterngespräche leisten die Ehrenamtlichen jedoch nicht. Das soll den Lehrerinnen und Lehrern oder der Schulsozialarbeit überlassen bleiben, bei älteren Schülerinnen und Schülern auch den Sozialarbeitern der Jugendberufshilfe. Darauf weist die Sozialpädagogin Friedrun Maute hin.

Aber auch die Lernbegleiter bekommen etwas zurück: "Einen erweiterten Erfahrungshorizont durch die intensive Schulung und eine sinnvolle Aufgabe, bei der man selbst noch hinzulernen kann", lautete eine viel gehörte Antwort.

INFOWer sich in das Projekt einbringen möchte, wendet sich an Friedrun Maute, Amt für Schule und Bildung in Nürtingen, Marktstraße 12, Telefon 07 11/39 02-23 67.