Lokales

Letzter Auftritt für Bienzle auf der Messebaustelle

Die Schilder für die neuen Autobahn-Ausfahrten sind montiert. Aber es wird noch gut zehn Monate dauern, bis die Besucher der neuen Messe von der A 8 direkt auf die Parkplätze der neuen Ausstellungswelt gelotst werden.

HARALD FLÖSSER

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ESSLINGEN Vom 19. bis 21. Oktober 2007 soll die 806 Millionen Euro teure Messe eingeweiht werden. Wer in diesen Tagen über das Gelände oder durch die halb fertigen Hallen streift, sieht, dass bis zum "besenrein übergeben" noch ein weiter Weg ist.

Der bisher ausgesprochen milde Winter kommt den unter großem Zeitdruck arbeitenden Baufirmen sehr entgegen. Bei Temperaturen um die 15 Grad wurden in diesen Tagen zwischen den Hallen sogar noch Straßen geteert. So lange kein Schnee fällt, gehen neben dem Innenausbau auch die Arbeiten im Außenbereich flott voran. Die gigantisch große Messepiazza ist bereits weitgehend gepflastert. Wo sich später einmal der Messepark zwischen den Hallen erstrecken wird, lässt sich heute schon der luftige Charakter eines Grünstreifens erahnen, den die Besucher nach unzähligen Eindrücken an den Messeständen gerne mal zwischendurch aufsuchen werden. Emsig geschafft wird in diesen Tagen auch am neuen Parkhaus. Aufzüge werden eingebaut, damit sich die Autofahrer zwischen den sechs Ebenen, die insgesamt bis zu 4400 Fahrzeuge fassen, bewegen können.

Auch wenn der mächtige Monte Messolino längst abgetragen ist, gibt es auf dem fast 100 Hektar großen Gelände nach wie vor große Erdmassen zu bewegen. Die Hauptsache ist allerdings auch da geschafft: zehn Kilometer neue öffentliche Straßen, inklusive der Frachthofbrücke und des Ersatzbauwerks für die alte Heerstraßenbrücke.

Noch im Sommer konnte man bis zu 60 Kräne auf Deutschlands größter Baustelle zählen. Von diesen Ungetümen mit ihren langen Schwenkarmen ist nur noch ein einziger übrig geblieben. Vermutlich ist auch der bereits abgebaut, wenn Tatort-Kommissar Bienzle am 7. Januar in der ARD die Ermittlungen zum gewaltsamen Tod eines Kranführers aufnehmen wird. Möglicherweise wird die Baustelle bis dahin auch mit Schnee bedeckt sein. Die Fernsehzuschauer kämen dann in den Genuss eines Kontrastprogramms. Denn die Tage im Juli, als die Aufnahmen für Dietz-Werner Stecks letzten Auftritt als Tatort-Kommissar gedreht wurden, waren die wohl heißesten des ganzen Jahres.

Um die 1200 Arbeiter seien derzeit auf der Baustelle beschäftigt, berichtet Thomas Müller, der Leiter des Messeinformationszentrums. Ein Großteil von ihnen werkelt in den Hallen, wo Böden betoniert werden oder die klassischen Arbeiten des Innenausbaus anstehen: Elektroleitungen verlegen, Fassaden abdichten, Bodenplatten verlegen. Einige Hallen müssen bereits im Juni fertig sein, wenn mit der MiNaT (12. bis 14. Juni) und der Blechexpo (13. bis 16. Juni) die ersten kleineren Messen stattfinden.

In einigen Messehallen läuft bereits die Heizung. Nicht nur um den Arbeitern angenehme Temperaturen zu schaffen, sondern auch, weil man das moderne Schichtlüftungssystem testen will. Um die Ausstellungshallen morgens warm zu bekommen, wird auf Besucher-Höhe warme Luft ins Innere gepustet. Einige Meter weiter oben wird die Luft dann wieder abgesaugt. "Die Gäste werden später keinen großen Luftzug spüren", erklärt Müller.

Eine seiner wichtigsten Aufgaben ist es, die Flut von Anfragen für Baustellen-Führungen zu bearbeiten. Als die Projektgesellschaft das Angebot im April 2005 erstmals machte, gab es nur vereinzelte Nachfragen. Durch viele Veröffentlichungen hat sich das schlagartig verändert. Bisher ließen sich fast 50 000 Besucher aus dem In- und Ausland die neue Messe auf den Fildern erklären. Die Projektgesellschaft hat dazu zwölf Baustellenführer angestellt. Sie werden auch in den nächsten Monaten noch viel zu tun haben. Von Studenten der technischen Universität Berlin bis hin zum Alpenverein, Sektion Schwaben Müllers Kalender ist proppenvoll.