Lokales

Licht sorgt für „Unbehaglichkeit“ im Abseits

Der Naberner Maibaum-Hock leidet unter dem alkoholischen „Rucksack-Tourismus“

Der Maibaum-Hock des Musikvereins Nabern hat jetzt sogar den Kirchheimer Gemeinderat kurz beschäftigt: Thomas Pitzinger, der Leiter des Kirchheimer Polizeireviers, sprach in seinem Bericht unter anderem das Problem an, dass Jugendliche aus der ganzen Umgebung dieses Fest schon seit Jahren zu ihrem Lieblingstreffpunkt in der feuchtfröhlichen „Walpurgisnacht“ erkoren haben.

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Andreas Volz

Kirchheim. In zwei Wochen steht er wieder an, der Naberner Maibaum-Hock rund um die Zehntscheuer: am 30. April und am 1. Mai. Ortsvorsteher Clemens Moll ist zwar erst seit einem Jahr im Amt, die Problematik ist ihm aber sehr wohl bekannt. Es geht um eine Vielzahl von Jugendlichen, die sich abseits vom eigentlichen Festgeschehen treffen und Alkohol trinken, den sie in Rucksäcken mitbringen. Die Anwohner werden durch diese Art „Festtreiben“ massiv gestört. Außerdem haben sie im Anschluss die unliebsamen Hinterlassenschaften zu beseitigen: Immer wieder hatten geplagte Naberner in den vergangenen Jahren über Scherben, Schmutz und Zerstörung zu klagen.

„Der Musikverein versucht, die Situation in den Griff zu kriegen“, erzählt Clemens Moll. Zu den Maßnahmen gehören zusätzliche Absperrungen, eine enge Zusammenarbeit zwischen Ordnungsdienst und Polizei sowie die starke Ausleuchtung des Bereichs zwischen Kirche und Hirschgasse, wo sich die Jugendlichen immer besonders gern aufgehalten hatten. „Das soll für die Jugendlichen eine gewisse Unbehaglichkeit erzeugen und die Lage für den Ordnungsdienst übersichtlicher machen“, meint der Ortsvorsteher.

Warum sich die Jugendlichen, die „aus allen Himmelsrichtungen“ nach Nabern kämen, ausgerechnet dieses Fest ausgesucht haben, versteht Clemens Moll keineswegs: „Da wird für Jugendliche gar nichts Besonderes geboten, es läuft auch nicht ihre Musik.“ Eine Hoffnung hat Naberns Ortsvorsteher immerhin: Die Lage habe sich in den letzten Jahren gebessert. Dieser Trend könne seinetwegen ruhig weiterhin anhalten. Für einen anderen Trend dagegen hat Clemens Moll keinerlei Verständnis: Es gebe immer mehr Eltern, die ihre Kinder extra nach Nabern fahren, ohne sich darum zu kümmern, was dort passiert. „Da sollten die Eltern schon ihr Augenmerk drauf legen“, sagt er.

„Kinder“ ist nicht einmal unbedingt der falsche Ausdruck, denn Dietmar Schulz, der Vorsitzende des Musikvereins Nabern, spricht von Zwölf- bis 13-Jährigen, die bereits durch ihren Alkoholkonsum auffallen. Dabei betont er allerdings, dass es beim offiziellen Maibaum-Hock strenge Kontrollen gebe. Wenn Jugendliche auf dem Fest Alkohol kaufen wollen, müssen sie zuerst ihren Ausweis zeigen, und dann bekommen sie einen Stempel. Ohne den Stempel gibt es keinen Alkohol. Hochprozentige Getränke würden gar nicht erst angeboten.

Dass das Fest des Musikvereins so viele Besucher anlockt, dagegen hat Dietmar Schulz grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber er hofft, dass die angekündigten Maßnahmen gegen unerwünschtes Verhalten einzelner Gäste greifen. Beispielsweise werde der Weizenbierstand eigens an die Kirchhofmauer verlegt, damit die Jugendlichen sich stärker mit den anderen Gästen mischen.

Auf gar keinen Fall möchte Dietmar Schulz, dass der Maibaum-Hock nur noch tagsüber am 1. Mai oder aber gar nicht mehr stattfinden kann: „Wenn alle Feste am 30. April ausfallen, wird es vielleicht noch schlimmer.“ Dieses Jahr hofft der Vereinsvorsitzende, dass sich die Jugendlichen auf möglichst viele Feste in der Umgebung verteilen, weil zeitgleich auch etliche Vatertags-Hocks anstehen. Vor allem aber wünscht sich Dietmar Schulz, dass diejenigen, die nach Nabern kommen, „sich ordentlich aufführen“.