Lokales

Lichtdurchflutete Büros dank "schwebendem Kniestock"

Viel Glas, dunkelgraue Eisenelemente und Eichenholz die Weilheimer Rathauserweiterung soll eine zurückhaltende Farbgebung durchziehen. In einer Begehung machte sich der Gemeinderat der Limburgstadt ein Bild vom Baufortschritt und begutachtete die Materialien für den Innenausbau.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Der Rohbau ist fertiggestellt, die Fenster weitgehend eingesetzt. Die Rathauserweiterung nimmt Kontur an. Architekt Karl-Heinz Single wies die Räte auf das Dach des Langhauses hin: "Der verwendete Glattziegel ist ein verbesserter Biberschwanz." Aufgenommen wurde damit die ruhige Form der Ziegel des bestehenden Rathauses von 1777, dessen Firsthöhe der Neubau im Übrigen nicht überragt. Wenig aufgeregt auch die gleichsam aus der Fassade herauswachsenden französischen Fenster an dem langgestreckten Gebäude, dazwischen ein verglaster "schwebender Kniestock". Damit fällt ausreichend Licht in die Büros des künftig im Dachgeschoss untergebrachten Bauamtes. Die eigentlichen Mauerteile zwischen den Fensterfronten in den unteren Stockwerken werden mit horizontalen Eichenholzbändern verkleidet. "Das Holz behandeln wir nicht. Es soll verwittern und mit der Zeit vergrauen", erklärte Karl-Heinz Single. "Wir wollten nichts Buntes, nichts Aufgeregtes. Ziegel bleiben als Ziegel, Holz als Holz und Eisen als Eisen erkennbar."

Anders der als Sonderbaukörper hervortretende Ratssaal: Vorpatinierte, schuppenartig aufgebrachte Kupferplatten sollen dem "Monolithen", wie Karl-Heinz Single den abgesetzten Bau nannte, eine dezente grüne Farbe verleihen.

In der Tiefgarage werden farbig gestrichene Wände für eine freundliche Atmosphäre sorgen. Vorbildcharakter hat für Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer dafür die Garage am Kirchheimer Krautmarkt. Während die erste Etage für die Besucher im Städtle zugänglich ist, soll das untere Deck für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Banken reserviert sein. Vorgesehen sind im ersten Untergeschoss für den Publikumsverkehr auch sechs bis sieben Fahrradabstellplätze. Die relativ niedrige Deckenhöhe von stellenweise rund zwei Metern erklärte Karl-Heinz Single unter anderem mit dem Höhenniveau der Unteren Grabenstraße sowie mit statischen Gründen. Die Last des Langhauses macht in der Tiefgarage Betondecken mit einer Stärke von bis zu 50 Zentimetern erforderlich. Ebenfalls im Untergrund wird das Archiv untergebracht. Insgesamt nehmen die Magazinräume rund ein Drittel der Tiefgarage in Anspruch.

Neben einem Aufzug führt eine mit Muschelkalk belegte Treppe nach oben in den Neubau. Handläufe aus Eichenholz werden an dunkelgrauen Eisengittern befestigt.

Über mangelndes Tageslicht werden sich die Angestellten der Verwaltung und die Stadträte nicht beklagen müssen: Verglaste Giebel und Dachreiter, plane Dachverglasungen, große Fensterfronten, ein scheunentorgroßes Fenster im Sitzungssaal mit Blick zum Marktplatz, Lichtbänder im oberen Teil der Flurwände und Glaselemente in den Bürotüren für Helligkeit und Blickbeziehungen von innen nach außen ist gesorgt. Mit 140 Quadratmetern ist der Sitzungssaal doppelt so groß wie der alte. "Hier haben 40 Besucher Platz", erläuterte Verwaltungschef Hermann Bauer vor Ort. Mit Hilfe einer Trennwand soll der Raum unterteilt werden können. Für den Boden ist ein klassisches Hochkant-Lamellenparkett in Eiche besser bekannt als Industrieparkett vorgesehen. Die Böden der Büroräume werden mit anthrazitfarbenem Nadelfilz belegt, die Wände mit feinkörnigem weißen Putz verschönert; teilweise spielt auch Sichtbeton eine Rolle, so beispielsweise im Ratssaal. "Wir wollen keine Experimente machen, sondern eine dauerhafte, klare Linie reinbringen", betonte Bauer. "Die Materialien sind langlebig und haben einen geringen Unterhaltungsaufwand." Derzeit läuft noch die Ausschreibung der Außenanlagen. Ob die Flächen um den Neubau mit Betonplatten oder mit Granit belegt werden, entscheidet das Ratsgremium, wenn bekannt ist, was die Alternativen kosten.

Anschließend vergab der Verwaltungs- und Bauausschuss in seiner Sitzung im Bürgerhaus verschiedene Gewerke an die jeweils günstigsten Bieter: Eine Eislinger Firma wird die Gipserarbeiten für gut 23 000 Euro erledigen, eine Firma aus Westerstede liefert die mobile Trennwand für den Sitzungssaal für knapp 20 000 Euro und die Firma Single aus Frickenhausen baut für rund 43 000 Euro die Innentüren ein. Wurden die ersten beiden Vergaben einstimmig abgesegnet, so sorgte der letzte Punkt für Diskussionen. Obwohl fünf Firmen die Unterlagen abgeholt hatten, wurde nur ein Angebot abgegeben; zudem handelt es sich bei dem Bieter um den Bruder des Architekten. Stadtrat Albrecht Narr sah jedoch keine Grundlage für den Vorschlag, erneut auszuschreiben. Er warnte auch vor einer dadurch provozierten Verzögerung der Bauarbeiten. "Der Preis ist in Ordnung und das ist entscheidend", betonte Narr. Das hatte Stadtrat Karl Mohring, von Beruf Schreiner, seinen Kollegen im Rund bestätigt. Hermann Bauer hatte ein "gewisses Unbehagen" ausgemacht und deshalb eine neuerliche Ausschreibung unter Firmen in der Umgebung erwogen. Bei drei Enthaltungen votierte die Mehrheit für die Vergabe an die Firma aus Frickenhausen.

Die drei Gewerke liegen 35 000 Euro über den eingestellten Kosten. Sie resultieren aus einer Erhöhung der Putzflächen sowie einem Mehr an Brandschutztüren. Wie Hermann Bauer mitteilte, können die höheren Kosten durch geringere Ausgaben beim bisherigen Bau ausgeglichen werden.

Ob der geplante Einzugstermin im November gehalten werden kann, ist derzeit fraglich. Entschieden wird darüber im Sommer. Durch den lang anhaltenden Winter haben sich die Bauarbeiten um sechs Wochen verzögert. An den Umzug schließt sich die Sanierung des Erdgeschosses des alten Rathauses an. Die Bauzeit wird sich voraussichtlich über ein dreiviertel Jahr erstrecken.