Lokales

Lichtpunkte für andere Menschen setzen

Sie helfen, wo Not am Mann ist, setzen sich in ihrer Freizeit für andere ein und füllen den Begriff Nachbarschaft mit Leben: Zehn ehrenamtliche Initiativen, die sich auf vorbildliche Weise für den Aufbau von nachbarschaftlichen Netzwerken einsetzen, wurden in einer Feierstunde mit dem Ehrenamtspreis "Starke Helfer 2005" der Stiftung Kreissparkasse und des Teckboten ausgezeichnet.

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BIANCA LÜTZ

KIRCHHEIM "Ehrenamtliche wirken häufig im Hintergrund, erledigen ihre Arbeit ohne Bezahlung und setzen für andere Menschen Lichtpunkte im Alltag," charakterisierte Franz Scholz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, den unermüdlichen Einsatz zahlreicher "Starker Helfer". Um deren vorbildliches Engagement öffentlich zu würdigen, hatte die Stiftung Kreissparkasse zusammen mit den lokalen Tageszeitungen im Kreis nun zum zweiten Mal den Ehrenamtspreis "Starke Helfer" ausgelobt. Im Mittelpunkt stand dieses Jahr das Thema "Netzwerk Nachbarschaft".

"Intakte Nachbarschaftshilfe ist eine hervorragende Voraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft", ging Teckboten-Verleger Ulrich Gottlieb bei der Preisverleihung im Henninger-Saal der Kreissparkasse Kirchheim auf die Themen-Wahl ein. Ziel des Ehrenamtspreises "Starke Helfer 2005" sei einerseits, über vorbildliche Projekte zu informieren und die Freiwilligen zum Weitermachen zu motivieren. Andererseits gehe es auch darum, viele weitere Menschen dazu zu bewegen, sich in ähnlicher Form für die Gemeinschaft einzusetzen.

Wie wichtig Gemeinschaft, Bindung und nachbarschaftliche Netzwerke sind, verdeutlichte die Altenhilfe-Fachberaterin des Landkreises, Inge Hafner, in einem Vortrag. "Für was braucht man heute eigentlich noch Nachbarn?", fragte sie provokativ. In einer Wohlstandsgesellschaft, die von Mobilität, Individualität und Unabhängigkeit geprägt sei, werde das Thema Nachbarschaft oft als "altbacken" betrachtet.

Doch der moderne Lebensstil habe auch eine Kehrseite: "Immer mehr Menschen verlieren den Boden unter den Füßen", ist Hafners Erfahrung. Wenn soziale Bezüge verloren gehen, drohe die schiefe Ebene. "Die Menschen leiden zunehmend darunter, dass ihre sozialen Bindungen verloren gehen", berief sich Inge Hafner auf den "Psychiatriepapst" Prof. Klaus Dörner. Um die Lebensqualität zu erhöhen, gelte es, insbesondere die Nachbarschaft wiederzubeleben. "Den Verlust des Sozialen kann kein Sozialstaat ersetzen", betonte Hafner, "da sind die Menschen gefragt".

Rund 120 Vorschläge für den Ehrenamtspreis 2005 waren im gesamten Landkreis Esslingen eingegangen. "Jedes freiwillige Engagement ist preisverdächtig", betonte Franz Scholz. Entscheiden musste sich die Jury dennoch: Im Raum Kirchheim nominierten die Juroren Landrat Heinz Eininger, Franz Scholz, Inge Hafner, Professor Heinz Schilling von der Frankfurter Goethe-Universität, Ulrich Gottlieb und Mitarbeiter der Kreissparkasse zehn vorbildliche Projekte als "Starke Helfer 2005". Das erstplatzierte Projekt erhielt ein Preisgeld in Höhe von 1 200 Euro, die zweiten Sieger wurden mit 800 Euro belohnt. Auf die übrigen acht Preisträger (siehe Kasten unten) entfielen jeweils 250 Euro.

Den ersten Platz beim Ehrenamtspreis "Starke Helfer 2005" belegte das Kirchheimer Netzwerk "Klosterviertel Lebensräume von 0 bis 100". Die Bewohner des Viertels wollen in ihrer Nachbarschaft ein tragfähiges, soziales Netzwerk aufbauen. Dazu organisieren sie Grillfeste und Seniorentreffs, pflegen Grünflächen und den Spielplatz. Sie versorgen Haustiere und leeren Briefkästen, wenn ein Nachbar im Urlaub ist, heißen Neulinge willkommen und organisieren Kindernachmittage. Gemeinsam haben die Klosterviertler zudem die Stoffsammlung "Häuser mit Gesichtern und Geschichten" erstellt: Darin sind 34 Gebäude des Viertels erfasst und beschrieben. "Wir kümmern uns umeinander. Wir haben das ,wir' gefunden", resümierte Claudia Ambaum stellvertretend für die engagierten Nachbarn.

Den zweiten Platz belegte die "Ökumenische Besuchsdienstgruppe Gutenberg". Engagierte Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 90 Jahren besuchen in den Lenninger Ortsteilen Schlattstall, Krebsstein und Gutenberg regelmäßig alte, einsame und kranke Menschen. Die Ehrenamtlichen erledigen Einkäufe, übernehmen Fahrten zum Arzt und organisieren einen monatlichen Mittagstisch. Außerdem bringen sie Jubilaren kleine Geschenke und spenden Trauernden Trost. Die Kraft für ihre freiwilligen Aufgaben schöpfen die Ehrenamtlichen aus der Freude an ihrer Arbeit, wie Anita Korbel von der Besuchsdienstgruppe beschrieb: "Wenn man Freude bringt, vergrößert sie sich immer mehr."

Für musikalische Untermalung mit barocken, aber auch modernen Kompositionen sorgte das Querflötenensemble der Musikschule Kirchheim unter der Leitung von Sabine Märkle.