Lokales

Lieferanten haben nie Geld gesehen

Letzte Station dreier Computer-Unternehmer aus Weilheim und Kirchheim ist jetzt eine Wirtschaftsstrafkammer am Stuttgarter Landgericht. Das Trio soll von April bis September letzten Jahres PC und Zubehör für 164 000 Euro eingekauft, dann weiterverkauft, aber die Lieferanten nie bezahlt haben.

KIRCHHEIM/WEILHEIM 21-facher Betrug in besonders schweren Fällen wirft die Anklage dem 27-jährigen Weilheimer Horst B. (Alle Namen geändert) nun vor der 19. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart vor. Siebenfacher schwerer Betrug seinem einstigen Partner Klaus W. und vier Betrügereien dem Dritten im Bunde, einem Italiener aus Kirchheim.

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Der Trick, schnell zu viel Geld zu kommen, soll nach den Ermittlungen der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsvergehen für das angeklagte Trio recht einfach gewesen sein: Man gründet in Kirchheim einen Computerladen und bestellt über E-Mail oder auch telefonisch bei renommierten Lieferanten Notebooks, teure Drucker, Flachbildschirme und die neuesten PC. Und das gleich mehrfach pro Bestellung.

Ans Zahlen der Rechnungen sollen die Drei nie gedacht haben, sagt die Anklägerin jetzt im Prozess. Dafür soll die Ware, die frei Haus geliefert kam, gleich wieder an Kunden verkauft worden sein. Gewinn: 100 Prozent. Geschädigt worden sein soll dabei unter anderem eine Firma in Kirchheim, allein um weit über 51 000 Euro. Ein Lieferant in Reutlingen wartet noch heute auf die Bezahlung mehrerer Rechnungen im Gesamtwert von rund 20 000 Euro. In Wendlingen soll das Trio mehrere PC und Computer-Zubehör für knapp 24 000 Euro geordert, aber nie bezahlt haben. Eine Firma in Aalen sei dabei um 17 000 Euro geleimt worden. Weitere Lieferanten in Vaihingen-Enz, Troisberg im Rheinland und Göppingen zählt die Anklage zu den Geschädigten. Unter dem Strich geht es in diesem gestern begonnenen Verfahren um genau 164 676,42 Euro.

Der Hauptbeschuldigte Horst B. ist, wie seine beiden Mitangeklagten, auf freiem Fuß und berichtete, wie er zu der Sparte Computerhandel kam: Nach der Hauptschule und zwangsweise in einem Internat den Schulabschluss gemacht, sei er zunächst Drogensüchtig geworden. Da habe er den Lebensunterhalt durch Rauschgift-Verkäufe bestritten. Nach der Entzugs-Therapie mit 17 Jahren dann eine Koch-Lehre, 1995 erste Heirat, drei Jahre später Scheidung, 2003 wieder Heirat, "Scheidung läuft," sagt er dem Gericht. Danach eröffnete er in verschiedenen Städten im Allgäu und zuletzt in seinem Heimatort Weilheim Piercing-Studios. Jedoch nach kurzer Zeit jeweils wieder pleite. Zuletzt dann, ab dem April 2003, die Eröffnung eines Computerhandels in seiner Wohnung in Kirchheim. Der Beginn der in der Anklage erwähnten Betrügereien.

Bis heute weiß die Staatsanwaltschaft nicht, an welche Kunden die drei Beschuldigten die erlangten Geräte und Waren verkauft hat. In dem auf mehrere Tage terminierten Prozess, zu dem 17 Zeugen geladen sind, soll dies nunmehr geklärt werden. Nächste Verhandlungstage sind der 4. und 10. November.

wic