Lokales

Lindachufer und Brücken sollen zum Verweilen einladen

Der Bereich um die Lindach zwischen Adlerbrücke und Molkesteg in Weilheim soll attraktiver werden. Bereits im Frühjahr hatten sich FH-Studenten in Stegreifarbeiten mit dem Quartier befasst. Jetzt hat der Stadtplaner und Landschaftsarchitekt Professor Wolfgang Schreiber dem Gemeinderat einen Entwurf vorgelegt.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM "Die Lindach ist Ursache dafür, dass sich hier Menschen angesiedelt haben", machte Professor Schreiber zum Auftakt deutlich, welche Bedeutung dem Gewässer der Zähringerstadt zukommt. Zudem sei die Lindach heute noch ortsbildprägend von der Adlerbrücke aus derzeit jedoch kaum erkennbar. In ein Kantenprofil eingezwängt, fließe das Wasser schnell ab und biete für Tiere keinen Lebensraum. "Ökologisch und gestalterisch muss das Gewässer aufgewertet werden", lautete Schreibers Fazit. Dem Planer schwebt auf der westlichen Seite eine naturnahe Böschung vor, auf der man sich aufhalten kann. Richtung Molkesteg soll das Gefälle etwas steiler und mit Steinen abgefangen werden. Die Lindachstraße würde Schreiber auf 3,50 Meter verschmälern und sie vorrangig Fußgängern vorbehalten. Sie soll lediglich noch als Erschließungsstraße für die Anlieger im rückwärtigen Teil dienen. Ziel ist auch, den Schulweg über den Molkesteg sicherer zu gestalten und einen direkten Zugang zum Schulhof zu schaffen.

Auch die östliche, der Stadt zugewandte Seite, bekommt Schreibers Entwurf zufolge ein neues Gesicht. Vorgesehen ist, die Untere Grabenstraße neu aufzubauen und sie auf sechs Meter zu reduzieren. Die vorhandene Mauer an der Lindach soll etwas erhöht und der Gehweg verbreitert werden. "Brücken sind Zonen, in denen sich Menschen gerne aufhalten", erklärte Schreiber. Deshalb möchte er besonderes Augenmerk auf die Gestaltung von Molkesteg und Adlerbrücke legen und dort mit Hilfe einer Aufweitung größere Aufenthaltsbereiche schaffen. Auf der Adlerbrücke könnte sich der Planer rund um die bestehende Weide ein bis zu neun Meter breites Holzdeck vorstellen, auf dem eine großzügige Bank zum Verweilen einlädt. "Dreh- und Angelpunkt" ist für Schreiber der Bereich, auf dem ehemals die Molke stand. Zum einen verwies Schreiber auf den Ausblick auf die Limburg, zum anderen könne auch dort das Gewässer über eine Treppe mit Sitzstufen erlebbar gemacht werden. Eine Furt mit Störsteinen soll Kinder bei niedrigem Wasserstand dazu animieren, den Bach zu überqueren. Bei Hochwasser ließe sich die Treppe mit einer Kette sperren. Die besondere Ecke soll unter anderem mit einer kleinen Baumgruppe betont werden. Wie auf der Adlerbrücke schwebt dem Landschaftsarchitekten und Stadtplaner auch an der früheren Molke ein Holzdeck vor. Die Einmündung des Kuhbachs in die Lindach möchte er mit Hilfe eines Guckfensters zeigen.

Die Stützmauer im Nordosten soll laut Entwurf aus Beton gefertigt werden, weil dieser Baustoff besonders wartungsarm und widerstandsfähig ist. Für die Gewässersohle und die Befestigungselemente an der Westseite könnte sich Schreiber Muschel- oder Jurakalk vorstellen. Für Bordsteine und Treppenstufen ist seiner Ansicht nach Granit geeignet.

Die acht Stellplätze an der Lindachstraße sollen nach der ersten Umgestaltung weiter bestehen, mit der geplanten Neubebauung des Quartiers zwischen Bissinger Straße, Brückengasse und Lindachstraße ist jedoch an eine Tiefgarage gedacht, mit einer Einfahrt von der Bissinger Straße aus.

Entlang der Bissinger Straße sieht Schreiber zwei zeilenartige Baukörper mit zwei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss vor, die von einem privaten Investor erstellt werden müssten. Die Idee stammt aus einem der studentischen Stegreifentwürfe. Schreiber geriet ins Schwärmen: "Von dort hat man einen tollen Blick auf die Limburg." An der Bissinger Straße könnte er sich ein Cafe vorstellen. Die bestehenden Gebäude im rückwärtigen Teil würde der Planer unangetastet lassen.

Die ersten, größeren Baumaßnahmen mit der Aufwertung der Lindach und dem Neubau von zwei Stegen veranschlagte der Planer mit 970 000 Euro, der zweite Abschnitt wird 120 000 Euro kosten.

Mit der detaillierten Umsetzung wird sich der Gemeinderat noch befassen. Weil das Areal allerdings im Sanierungsgebiet Stadtmitte II liegt, das bereits in den Jahren 1999/2000 festgezurrt wurde, muss sich die Stadt sputen. Der Grund: Innerhalb von acht Jahren muss das Projekt abgerechnet sein. Bürgermeister Hermann Bauer rechnet mit einem erklecklichen Zuschuss von 60 bis 70 Prozent der Baukosten.

Erster Schritt wird im Frühjahr das Einleiten eines Wasserrechtsverfahrens für die Lindach sein. "Wir haben die Chance, der Lindach und der Bevölkerung ein Stück Natur zurückzugeben", so Bauer. Auch aus den Reihen des Gemeinderats gab es lobende Worte für das Projekt. Stadträtin Gerda Schrägle regte an, den Überweg an der Raiffeisenbank stärker in den Vordergrund zu rücken; sie könnte sich außerdem Gastronomie an der alten Molke vorstellen. "Das scharfe Eck von Bissinger Straße/Unterer Grabenstraße" bereitete Albrecht Narr Kopfzerbrechen. Schreiber sagte ihm zu, die Gefahrenstelle in einer Verkehrsschau näher beleuchten zu wollen. Mit Details zur Planung wird sich der Verwaltungs- und Bauausschuss befassen. Die abschließende Planung sowie die Kostenberechnung liegt in den Händen des Gemeinderats.