Lokales

Lindorf sucht den Superstar

Beste Unterhaltung mit „Fräulein Knöpfle“ und ihrer „Herrenkapelle“

Kirchheim. Die Stimmung im Lindorfer Bürgerhaus hätte am Freitagabend nicht besser sein können.

Wolf-dieter truppat

Lang anhaltender Schlussapplaus bestätigte, dass die penetrant an ihrem Rocksaum zupfende Fleischereifachverkäuferin Susi Knöpfle, die für die Moderation des Abends verantwortlich zeichnete, mit ihrer mitgebrachten zweiköpfigen „Herrenband“ beim Publikum sehr gut angekommen war. Die Spielregeln des angekündigten Sängerwettstreits waren exakt festgelegt, denn der bevorstehende Wettbewerb wartete mit vier klar getrennten Kategorien auf, die das enorm wandelbare Männerduo in unterschiedlichster Virtuosität bestritt. Vom klassischen Chanson reichte das originell offerierte musikalische Angebot bis hin zum guten alten Schlager ohne schwierigere und die Kunstfertigkeit der Musiker deutlich stärker herausfordernde Disziplinen wie Jazz und Klassik völlig auszugrenzen.

Dass der Schlager gewinnen wird, war zu erahnen, denn bei der per Applaus festgelegten Endabstimmung war klar, dass die von dem Duo „Abschwellende Krampfadern“ liebevoll präsentierte Schlagermischung einfach nicht zu überbieten war.

„Siebzehn Jahr, blondes Jahr“ war schon ein absoluter Abräumer in dem von Uli Kofler, dem langjährigen persönlichen Pianisten von Johannes Heesters und Begleitpianisten von Wommy Wonder (Georg Preusse) gemeinsam mit Reiner Möhringer souverän servierten Musikmenü. Neben virtuoser Klaviermusik von Uli Kofler konnte vor allem auch Multitalent Reiner Möhringer mit Gesang und Gitarre sowie Klarinette und Saxofon stets für den richtigen Ton und einen zunehmend begeisternden Abend sorgen.

„...und ob es Euch gefällt!“ war das Programm des selbstbewussten und enorm selbstironiesicheren Trios überschrieben, das im Jahr 2006 den ersten Preis des bundesweit ausgeschriebenen Kabarett-Wettbewerbs der Stadt Rottweil für sich entscheiden konnte. Mit wahren Klassikern startete die erste Staffel, die zugleich eine liebevolle Verneigung vor dem nicht allzu jugendlichen Publikum im Lindorfer Bürgerhaus darstellte. „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ wurde mit genauso viel Schmelz interpretiert wie das direkt folgende „Du hast Glück bei den Frau’n... “ oder auch „Bei mir bist du schön“.

Deutlich politischer ging es bei dem Lied um den Rinderwahn zur Sache, denn die beiden virtuosen Sänger intonierten lauthals und unbarmherzig „erst liegt die Kuh im Fieber, dann du mein Lieber...“ Für italienische Momente im musikalischen Leben sorgte dann das „Duo Cappucino“ sehr „furioso“ mit Musik von Adriano Celentano und einem vom Publikum vielstimmig unterstützten Loblied auf den berühmt-berüchtigten „Lambrusco“.

Nach der Pause war dann nach vorangegangenem Klamauk und „Fräulein Knöpfles“ fundierten Exkursionen über Flirt- und Englischkurse und Yoga-Angebote in der Metzgerei erst einmal ernsthaft musikalische Klasse angesagt. Uli Kofler und Reiner Möhringer demonstrierten eindrucksvoll, was sich mit Klavier und Klarinette beziehungsweise Klavier und Saxofon an Hörenswertem produzieren lässt, wenn sich zwei anerkannte Meister ihres Fachs – wenn auch nur kurz - ernsthaft auf das Thema ihnen besonders wichtiger Musik konzentrieren dürfen.

Fast zu schnell drifteten sie nach überzeugend demonstrierter Konzertqualität dann aber wieder ins Komödiantische ab, denn es galt ja angeblich, im Dunstkreis selbst dargestellter „internationaler Konkurrenz“ auch noch die Sparte „deutscher Schlager“ intensiv auszuloten. Einmal mehr durfte daher ein bemüht pubertierender Peter Maffey mit größtmöglicher Sensibilität in der Stimme in einer Sommernacht hitverdächtig seine Unschuld verlieren bevor sich die gerade noch höchst betroffenen Besucher des Bürgerhauses blitzartig zu einem - nicht enden wollend - Hossa“ skandierenden fröhlichen Chor wandelten.

Udo Jürgens’ munterer Gassenhauer „Griechischer Wein“ durfte da freilich genauso wenig fehlen wie Alexandras Tragik und Nachdenklichkeit nachschiebende Hymne, mit der sie melodramatisch an ihren Freund, den Baum, erinnert, der im Morgenrot einem viel zu frühen Tod zum Opfer fiel.

Dass die finale Schlagerrunde im Wettbewerb der vier unterschiedlichen und doch immer gleich virtuos besetzten Duos nicht zu schlagen sein wird, war bei der per Applaus bewerteten Publikumsabstimmung genauso klar wie die Tatsache, dass das mitreißende Trio „von Fräulein Knöpfle und ihrer Herrenkapelle“ nicht ohne Zugaben entlassen werden kann – auch wenn die Frisur des Pianisten sehr darunter leiden musste.

Anzeige