Lokales

Lobet den Herren

Samstags um halb zwölf Uhr während der Marktzeit wird in Kirchheim vom Turm des Rathauses die Melodie eines Kirchenliedes in alle vier Windrichtungen geblasen, so, als ob es alle Welt hören sollte. Meist ist es ein Loblied. Kürzlich war es ein Lied von Paul Gerhardt aus dem Jahr 1653: "Lobet den Herren alle, die ihn ehren; / lasst uns mit Freuden seinem Namen singen / und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. / Lobet den Herren!" (Evangelisches Gesangbuch Nr. 447, Gotteslob Nr. 671). Für mich ist es ein anrührendes und beglückendes Zeichen, das hier gesetzt wird: Das Lob Gottes schallt mitten hinein in das geschäftige Treiben auf dem Marktplatz und kündigt zugleich den bevorstehenden Sonntag an. Immer wieder beobachte ich, dass so mancher stehen bleibt, schaut und hört und vielleicht wie ich das Lied innerlich mitsingt.

Dieses Turmblasen ist ganz im Sinne einer Stelle aus dem Epheserbrief, wo es heißt: "Laßt in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie sie der Geist eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn! Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen Jesu Christi, unseres Herrn!" (Eph 5,19-20).

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Es ist natürlich bei weitem nicht die einzige Stelle in der Bibel, die zum Gotteslob aufruft. Wer lobt, macht sich die Mühe, das Positive im Umgang mit einer Person, einer Erfahrung oder einer Situation in den Blick zu nehmen und auszudrücken. Gerade wir Schwaben haben leider einen gewissen Hang zu der seltsamen Auffassung, die da lautet: "Nicht geschimpft ist genug gelobt." Wer aber lobt, der versucht die Dinge in einem anderen Licht zu sehen und nicht alles einfach als selbstverständlich hinzunehmen. So nimmt er oder sie das Geschenkhafte des Lebens im Blick auf den Schöpfer wahr. Wer lobt, gibt dem Gelungenen, dem Guten im Leben mit menschlichen Mitteln eine Form, sei es als Wort, als Geste, als Blick oder als Tat. Das gilt sowohl Gott wie auch den Mitmenschen gegenüber. Mit dem Lob setzen wir ein Gegengewicht zu den vielen Negativmeldungen unserer Tage.

Nach der Urlaubszeit hat nun wieder der Arbeits- und Schulalltag begonnen. Auch dafür hat das oben genannte Lied eine passende Strophe: "Gib, dass wir heute, Herr, durch dein Geleite / auf unsern Wegen unverhindert gehen / und überall in deiner Gnade stehen. / Lobet den Herren!" Vikar Dr. Thomas Wallner Katholische Kirchengemeinde Sankt Ulrich, Kirchheim